feuerwehr-steht-vor-gebaude
+
Die Feuerwehr musste das Dach des Bauhofes vom Schnee befreien.

Ärger in Seeshaupt

Bei Schnee Einsturzgefahr für Bauhof

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
    schließen

Weil das Dach des Sees- haupter Bauhofes wenig Traglast hat, müssen die Fahrzeuge derzeit wegen Einsturzgefahr ins Freie gefahren werden, wenn stärkerer Schneefall droht. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, das Gebäude begutachten zu lassen. Ein ähnlicher Beschluss aus dem Jahr 2016 wurde nie umgesetzt.

Seeshaupt – Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Seeshaupt, die wegen des Corona-Infektionsgeschehens in der gemeindlichen Mehrzweckhalle stattfand: Acht Gemeinderäte stimmten dafür, eine Bestandsaufnahme des gemeindlichen Bauhofs zu machen, sieben dagegen und einer enthielt sich der Stimme. Christian Höck (PfB) hatte wohl wegen Feueralarms kurz vor der Abstimmung die Halle verlassen. Deswegen konnte er nicht mitstimmen.

Lange, heftige Diskussion

Der knappen Entscheidung war eine lange, teilweise heftige Diskussion vorausgegangen, weil ein Teil des Gemeinderates eine Begutachtung des Bauhofes für unnötig hält. Die Gemeinderäte Dorothee von Jungenfeld, Christian Tomulla (beide CSU), Armin Mell (FDP) und Reinhard Weber (SPD) hatten den Antrag gestellt, „mit fachkundiger Unterstützung eine Bestandsaufnahme des baulichen Zustandes des jetzigen Bauhofgebäudes zu erarbeiten“. In diesem Rahmen solle auch eine Empfehlung abgegeben werden, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um eine „langfristige, uneingeschränkte Nutzung des gemeindlichen Bauhofes“ sicherzustellen oder nach einer Alternativlösung zu suchen.

Im Herbst waren Mängel der ehemaligen Lagerhalle aus dem Jahr 1969 bekannt geworden, nachdem ein Bauhof-Mitarbeiter versehentlich gegen einen Träger gefahren und dieser anschließend heruntergebrochen war.

Daraufhin wurde ein Statiker bestellt, der ein Schneelastgutachten übergab, das er bereits im Jahr 2019 erstellt hatte. Und das, was darin als zumutbare Traglast für das 50 Jahre alte Gebäude genannt wurde, das seit rund 20 Jahren als Bauhof genutzt wird, überraschte den Bürgermeister: „Es steht drin, dass die Südostseite maximal 105 Kilogramm aushält“, so Fritz Egold. Dieses Schneelastgutachten habe der Gutachter der Gemeinde bereits am 19. Juli 2019 vorgelegt, wie der Seeshaupter Bürgermeister Egold in der Gemeinderatssitzung vortrug. Allerdings seien die Gemeinderäte damals nicht darüber informiert worden.

Bei viel Neuschnee müssen Fahrzeuge aus dem Gebäude

Bei Nassschnee bestehe die Gefahr, dass das Dach einbreche. Die Räum- und Streufahrzeuge in dem Gebäude stehen zu lassen, wenn Schnee vorhergesagt sei, sei zu gefährlich, so der Bürgermeister. Das Dach musste die Feuerwehr heuer bereits vom Schnee befreien, und es ist auch schon vorgekommen, dass die Fahrzeuge über Nacht nicht im Gebäude stehen konnten. Mit dem Bauhofleiter sei besprochen, dass die Fahrzeuge draußen geparkt werden, wenn ein Schneelastereignis eintritt.

Allerdings ist der Seeshaupter Bauhof gerade zu diesen Zeiten besonders gefragt, um die Straßen freizuräumen. Derzeit müssen die Mitarbeiter aber zuerst die im Freien stehenden Fahrzeuge vom Schnee befreien, bevor sie mit dem Winterdienst beginnen können. „So können wir uns über diese Wintersaison retten“, sagte Egold im Gemeinderat. Allerdings sei das kein Dauerzustand: „So kann man keinen Bauhof betreiben“, so der Bürgermeister. Das weitere Vorgehen müsse schnell abgestimmt werden. Er plädiere dafür, sich zeitnah mit einem Statiker kurzzuschließen.

Im Laufe der vergangenen fünf Jahre hat die Gemeinde Seeshaupt laut Egold rund 900 000 Euro in den Bauhof investiert, und am Dach sei nichts gemacht worden. Im Jahr 2016 hatte der Gemeinderat laut Sitzungsprotokoll beschlossen, unter anderem ein Statik-Gutachten für das Gebäude erstellen zu lassen, doch dieser Beschluss wurde offensichtlich nie umgesetzt, wie Gemeinderätin Dorothee von Jungenfeld in der jüngsten Sitzung feststellte: „Der Beschluss aus dem Jahr 2016 ist nicht eingehalten worden.“ Armin Mell sagte: „Wir hatten ein Statikgutachten gefordert, das wurde wohl nicht gemacht.“ Seit die Gemeinderäte von dem wenig stabilen Dach wüssten, seien sie in der Verantwortung: „Wenn was passiert, sind wir alle dran.“

Einige wollen die Vergangenheit ruhen lassen

Das sahen nicht alle Gemeinderatskollegen so. „Ich kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen“, sagte Maximilian Amon (PfB). Es gebe Stellungnahmen, nach denen die Statik des Bauhofes in Ordnung sei. „Ich möchte Fachleute am Tisch haben“, sagte Amon. Er verwehre sich dagegen, dass der Bauhof als marode bezeichnet werde und: „Wir brauchen kein Gutachten.“

Ihrer Meinung nach geht es auch darum, zu beleuchten, „dass so viel Geld in dem Gebäude versenkt wurde aufgrund schlechter Informationen für den Gemeinderat“, sagte von Jungenfeld. Das sah PfB-Gemeinderat Stefan Müller anders: Er bitte darum, das Ganze „nach vorne gerichtet zu betrachten“ und sich nicht mit den Ereignissen in der Vergangenheit zu beschäftigen. Natürlich sei es wichtig, beim Bauhof „für Sicherheit zu sorgen“.

Jan von Gruchalla (CSU) reichte die Diskussion schließlich: Der Gemeinderat sei damals nicht ausreichend informiert worden und zudem „war ein Antrag da, der nicht umgesetzt wurde“. Er bat um die Abstimmung. Seinem Antrag wurde stattgegeben. Für das Gutachten stimmten: Fritz Egold, Daniel Frey, Jan von Gruchalla, Dorothee von Jungenfeld, Christian Tomulla (alle CSU), Armin Mell, Benedikt Fischer (beide FDP), Reinhard Weber (SPD). Gegen das Gutachten stimmten: Bernd Habich, Maximilan Amon, Georg Leininger, Stefan Müller (alle PfB), Peter Blaut, Petra Eberle, Andreas Rilk.

Lesen Sie auch: 38 alte Bäume müssen fallen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare