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Die alte Dorfschmiede in Magnetsried könnte im Rahmen der Dorfentwicklung zu einem Schmuckstück werden. 

Trotz Zuschüssen

Dorfentwicklung Seeshaupt kommt teuer

Der Entwurf für das Dorfentwicklungskonzept ist fertig, die Liste der Vorhaben lang: Über 40 Punkte umfasst der Katalog für Seeshaupt mit seinen Ortsteilen Magnetsried und Jenhausen – von der Neugestaltung des Areals beim Dampfersteg und der Seepromenade für 1,2 Millionen Euro bis hin zu einem gemeinsamen Einkaufsführer für 20 000 Euro.

Seeshaupt – Auf einer öffentlichen Sondersitzung stellte Jochen Gronle vom Architekturbüro „Plankreis“ das vorläufige Konzept dem Gemeinderat vor, der es einstimmig und ohne große Diskussion akzeptierte. In einer zweiten Veranstaltung am Donnerstag, 15. November, 19 Uhr, in der „Seeresidenz Alte Post“ können die Bürger mitreden. Danach könnten sich die Schwerpunkte durchaus noch verschieben, sagte Monika Hirl vom Amt für ländliche Entwicklung bei der Gemeinderatssitzung.

Der Maßnahmenkatalog ist als Fahrplan für die langfristige Entwicklung der Gemeinde angelegt, nicht als konkrete Planung, machte Gronle deutlich. Es sollten aber Prioritäten gesetzt werden, wobei die Stufe „1=kurzfristig“ durchaus bedeute, dass die Umsetzung schon im nächsten Jahr beginnen könnte. Schließlich gehe es auch um Fördergelder aus dem Dorferneuerungsprogramm.

Die „Handlungsfelder“ für das Konzept haben, wie mehrmals berichtet, die verschiedenen Projektgruppen der Seeshaupter Dorfentwicklung unter dem Leiter Matthias Fladner erarbeitet. Ergänzt wurde es durch einen „denkmalpflegerischen Erhebungsbogen“ aus dem Büro Plankreis, der die historische bauliche Entwicklung erfasst.

Ein Schwerpunkt ist der Verkehr, der auf jeder Bürgerversammlung zur Sprache kommt. Für die Hauptstraße stellte Gronle verkehrsberuhigende Maßnahmen vor, aber „den Durchgangsverkehr müssen wir wohl erst mal hinnehmen.“ Um die Seeshaupter zum Umdenken zu bewegen, wird der Ausbau von kombinierten Fuß-Radwegen favorisiert. Die Pettenkofer Allee und die Dall ´ Armi Straße sollen zur gleichberechtigten Verbindung für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer werden. Prioritätsstufe „1“ hat für Gronle unter anderem auch Seeshaupts Dampfersteg und die Seepromenade. Entwicklungspotenzial sieht er beim Feuerwehrhaus mit dem Gemeindesaal im ersten Stock. Hier müsse man aber erst mal die Erweiterungspläne der Feuerwehr abwarten.

In Jenhausen und Magnetsried sollten die Plätze in der Dorfmitte aufgewertet werden, wobei das in Magnetsried wegen der Durchgangsstraße schwierig wird. Dafür haben die Planer aus München die alte, längst aufgelassene Dorfschmiede entdeckt, die wohl vor dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde und seither nahezu unverändert geblieben ist. „Ein tolles Projekt für eine Sanierung!“, so Gronle. In dem Zusammenhang stellte Monika Hirl klar, dass nicht nur die Kommunen, sondern auch private Eigentümer bei der Renovierung solch historisch wichtiger Gebäude finanziell vom Dorferneuerungsprogramm profitieren können.

Das Dorfentwicklungskonzept umfasst aber weit mehr Gesichtspunkte als nur äußere Verbesserungen. So werden Gutachten und Studien über Mobilität, Parkplatz-Situation, ortstypisches Bauen und Siedlungsentwicklung als Richtschnur für künftige Gemeinderatsentscheidungen empfohlen. Hinzu kommen energetische Verbesserungen der gemeindlichen Bauten, gemeinsame Themenwochen und Einkaufsführer zur Stärkung der örtlichen Geschäfte und Themenwege zur Förderung des Tourismus. Auf der Wunschliste stehen auch eine neue Homepage für die Gemeinde Seeshaupt und eine bessere Beschilderung, sprich „Leitsystem“, für die Fußgänger. Letzteres ist über das neue Erscheinungsbild, ebenfalls ein Projekt der Dorfentwicklungsgruppe, schon in Arbeit.

Bei den Kosten wurde es den Gemeinderäten dann doch ein bisschen mulmig. Neben dem Projekt „Dampfersteg/Seepromenade“ wurden 560 000 Euro für den Dorfplatz in Jenhausen genannt, 300  000 Euro für das Wegenetz, eine knappe Million Euro für die Aufwertung des Bereichs „Postkurve bis zur Einfahrt Pettenkofer Allee“, und für die Pettenkofer Allee bis zur Seeseitener Straße sollen es sogar 1,3 Millionen Euro sein – allesamt Maßnahmen mit der Einstufung „Priorität 1“. Monika Hirl stellte der Gemeinde eine „Halbe-Halbe-Finanzierung“ in Aussicht. Eine Hälfte wären Zuschüsse.

Renate von Fraunberg 

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