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Jung und alt tanzten gemeinsam beim „Seeshaupter Sommerzauber“, der den Abschluss der Internationalen Tanz-Tage darstellte.

„Duncan Tanz-Tage“ direkt am See

Geschichten erzählen, ganz ohne Worte

Die Internationalen Duncan Tanz-Tage gingen jetzt zu Ende. Duncan? Wer sich jetzt nur dunkel erinnert, dem sei auf die Sprünge geholfen: Isadora Duncan, die in San Francisco geborene Tänzerin und Tanzpädagogin, ist die Frau, die vor gut 100 Jahren wie ein Wirbelwind durch die Welt des Tanzes fegte und alles Hergebrachte auf den Kopf stellte.

Seeshaupt – Den Menschen, die sich weniger für die Tanzkunst interessieren, ist sie eher durch ihren tragischen Tod ein Begriff: Bei einer Autofahrt im Cabrio 1927 in Nizza verfing sich ihr wehender Schleier in den Radspeichen – und schleuderte die Tänzerin aus dem Wagen.

Flatternde Gewänder und wehende Schals waren, ganz im Gegensatz zur traditionellen Bekleidung einer klassischen Balletttänzerin, auch das bevorzugte Bühnenoutfit der grundsätzlich barfuß Auftretenden, die sich am Tanz der Antike orientierte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Elizabeth öffnete sie den Weg für den modernen Tanz, entwickelte ein neues Bewegungsempfinden und neue Bewegungstechniken.

Dass das Wirken einer solch ungewöhnlichen Frau bis heute ausstrahlt, ist nicht verwunderlich. So kommen jeden Sommer Anhänger unterschiedlicher Duncan Dance-Linien aus England, Frankreich, Spanien, Griechenland, Russland, USA und Deutschland zusammen, um in Workshops draußen in der freien Natur voneinander zu lernen und sich auszutauschen.

Veranstalterin der ersten Internationalen Duncan Tanz-Tage in Seeshaupt war die Psychologin, Tänzerin und Tanzpädagogin Birgit Pittig aus Magnetsried. Sie beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren aktiv mit Duncan Tanz. Ihr Fazit: „Es war sehr interessant zu erleben, wie verschieden die einzelnen Linien doch sind. Aber die gemeinsame Basis eint uns.“ Die Seeshaupter Workshops der knapp 20 Duncan Tänzer standen an den beiden letzten Tagen auch Interessierten aus der Region offen. Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene aller Altersgruppen, ob mit oder ohne Tanzerfahrung, waren dazu eingeladen. Der gemeinsame Abschluss fand am Samstagabend als „Seeshaupter Sommerzauber“ bei freiem Eintritt am Gemeindebadeplatz statt.

Der perfekte Ort und das an einem wunderbaren Sommerabend. Sanfte Wellen schlagen ans Ufer, der Tanzplatz ist von Bäumen beschattet. „Die Idee der Internationalen Duncan Tanz-Tage ist es, im Tanz unter freiem Himmel zu schweben, zu blühen, zu wogen und zu funkeln“, erklärt Birgit Pittig. „In diesem kreativen Raum können Menschen sich kennenlernen, können das, was ihnen wichtig ist, zum Ausdruck bringen und etwas Gemeinsames schaffen, an dem sie selbst wie ihre Zuschauer Freude haben.“

Und das funktioniert. Erst dürfen die Kinder vorführen, was sie erarbeitet haben; dann folgen etliche bezaubernde Soloauftritte der Erwachsenen. Wallende Gewänder und wehende Schleier sind dabei offenbar bis heute unabdingbar. Jedenfalls bei den Tänzerinnen. Der einzige Mann bevorzugt ein schlichtes, komplett schwarzes Outfit. So verschieden die Darbietungen auch ausfallen, die „gemeinsame Basis“, von der Pittig sprach, ist klar erkennbar: Ausdruckstanz, der mit der Körpersprache Geschichten erzählt, die die Zuschauer ganz ohne Worte in den Bann ziehen.

Und dann ist Mit-Tun angesagt: „Everybody up, please! Everybody dancing“ lautet die Ansage an alle, die sich faul auf der Wiese ausgestreckt haben. Von Sabine Näher

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