+
Symbolfoto.

Gutachten ist im Gemeinderat umstritten

Wollen Seeshaupter überhaupt einen Supermarkt? 

Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten zur Nahversorgung in Seeshaupt ist im Gemeinderat heftig umstritten. Die Frage, ob der Bau eines neuen Supermarkts wirklich notwendig ist, sorgte in der jüngsten Sitzung für kontroverse Debatten.

Seeshaupt – Der typische Tante Emma-Laden, in dem man früher von der Feinstrumpfhose bis zum Steckerleis fast alles kaufen konnte, ist schon lange aus den Dörfern verschwunden. Stattdessen gibt es heute riesige Discounter-Hallen, meist außerhalb des Ortes gelegen und nur mit dem Auto erreichbar. Dort erledigen zum Beispiel auch viele Eltern, die ihre Kinder in weiterführende Schulen fahren, gleich ihre Einkäufe. Auf diese Weise fließe mehr als die Hälfte der Kaufkraft aus Seeshaupt nach Bernried, Penzberg und Weilheim ab, sagten Gabriele Ostertag und Gino Meier von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus München. Die Verwaltung hatte die Experten vergangenes Jahr damit beauftragt, die Perspektiven der Nahversorgung zu untersuchen.

Zur aktuellen Situation in Seeshaupt wurden sowohl die ortsansässigen Händler als auch 1800 Haushalte interviewt. Die neun Fragen in der Dorfzeitung beantworteten 723 Bürger, was einer Rücklaufquote von rund 40 Prozent entspricht. Daraus entwickelte die GMA unter anderem „umsetzungsorientierte Handlungsempfehlungen“, die im Ratsgremium aber auf ein geteiltes Echo stießen.

Pluspunkte für die Gemeinde Seeshaupt sind ihre gute Verkehrsanbindung und die attraktive Lage am See, die im Sommer viele Touristen anlockt. „Auch das Angebot an Geschäften ist nicht schlecht“, so Ostertag, „trotz des Edeka-Marktes gibt es aber noch erhebliches Verkaufsflächenzusatzpotenzial.“

Bürgermeister favorisiert Osterseenstraße 

Dass die Nahversorgung noch verbessert werden könnte, hatten 71 Prozent der Befragten angegeben; für sie ist auch die Parksituation im Ort ein wichtiges Thema. Mit den ermittelten Daten habe die Gemeinde nun die Chance, sich zeitgemäß aufzustellen, so Gino Meier.

Ob das überhaupt sinnvoll sei, bezweifelten viele Ratsmitglieder. „Wir haben doch alles in unserer Gemeinde!“, stellte Petra Eberle fest. Skeptisch äußerte sich auch Armin Mell und kritisierte die Untersuchungsmethoden. „Das Kaufverhalten der Kunden kann die Gemeinde nicht steuern“, gab er zu bedenken. Zudem habe Seeshaupt zahlreiche Pendler, die meist auf ihrem Heimweg und nicht in einem neuen Supermarkt am Ort einkaufen würden.

Auch von Max Amon kam Kritik am Gutachten, während Barbara Kopf meinte: „Das ist ein klarer Auftrag an uns, sich Gedanken zu machen!“ Das solle jedoch in Ruhe und nicht in einer Hauruck-Aktion geschehen, forderte Amon in der lebhaften Diskussion vor zahlreichen Zuhörern. Stefan Müller sprach von einer „seriösen Arbeit“ der GMA und zeigte sich froh darüber, „dass jetzt Fakten auf dem Tisch liegen“. Diese sollten von den Räten möglichst einvernehmlich aufgearbeitet werden.

Bürgermeister Michael Bernwieser erkannte in der Analyse „den eindeutigen Bürgerwillen“ und hatte auch gleich ein mögliches Grundstück im Auge: Ein neuer Markt könnte eventuell an der Osterseenstraße entstehen. Das wäre dann auch ein Beitrag zum Klimaschutz, sagte Georg Leininger, weil künftig nicht mehr so viele Leute zum Einkaufen in benachbarte Orte fahren würden.

Peter Stöbich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Soft-Opening“ für TSV-Geschäftsstelle in Peißenberg
Viele Jahre lang war die Geschäftsstelle des TSV Peißenberg in der Werdenfelser Straße beheimatet – bis Ende 2019 der Umzug in das neue Domizil im „Max-Biller-Haus“ …
„Soft-Opening“ für TSV-Geschäftsstelle in Peißenberg
Musiker sind sauer auf Oberländer Trachtler: „Die meinen, sie sind die Götter der Nation“
Harsche Kritik an den Trachtlern, vier neue Ehrenmitglieder, ein neuer Sponsor, die Vergabe des Bezirksmusikfests 2023 und immer noch kein Geschäftsführer. Bei der 68. …
Musiker sind sauer auf Oberländer Trachtler: „Die meinen, sie sind die Götter der Nation“
Faschingsendspurt in Penzberg
Zum Ende dieser Woche geht der Fasching in Penzberg in seine heiße Phase. Dann finden mit dem Weiberball, dem Spiel „Gaudi ohne Grenzen“ und dem Gaudiwurm die Höhepunkte …
Faschingsendspurt in Penzberg
„Türkische Tage“ an Pfingsten
Musik, Volkstanz, Workshops, landestypische Speisen und vieles mehr: An Pfingsten gibt es erstmals „Türkische Tage“ auf dem Weilheimer Marienplatz. Der „Türkische …
„Türkische Tage“ an Pfingsten

Kommentare