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Die „Grande Dame des Knopfakkordeons“, Lydie Auvray, und ihre Musiker schufen in der „Seeresidenz“ eine entspannt familiäre Atmosphäre.

Konzert in der „Seeresidenz“

Lydie Auvray - souverän wie eh und je

Sie stampft, tänzelt, kickt locker ihre Hüften, hat Swing, Drive und eine kaum zu bändigende Musikalität: Die „Grande Dame des Knopfakkordeons“, Lydie Auvray, feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges  Bühnenjubiläum.

Seeshaupt – Sie muss verflixt früh erstmals auf der Bühne gestanden haben, denn in der „Seeresidenz“ in Seeshaupt macht es keineswegs den Eindruck, dass da ein „Oldie“ wehmütig zurückblickt. Neugier und Experimentierfreude, traditioneller Zugriff und weltmusikalische Offenheit reichen sich die Hand im Programm „Musetteries“ von Auvrays Trio.

In der Normandie geboren, in nicht gerade privilegierten Verhältnissen aufgewachsen, war es Lydie Auvrays Vater Jean, der sich für die Tochter ein Leben mit Musik, ein Leben mit dem Akkordeon wünschte, das ihm selbst verwehrt geblieben war. Souveräne Könnerschaft, kreativer Stilbrückenschlag und eine liebenswürdige künstlerische Aufrichtigkeit zeichnen Lydie Auvray aus. Sie entwickelt und schreibt viele ihrer Stücke selbst. Oder ihre langjährigen Triomitglieder – Eckes Malz an farbenreichem Keyboard und multipler Percussion und Markus Tiedemann an so gut wie jeglicher Form von Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Ukulele und sonstiger Genussklampfe – greifen zur Feder und kreieren kleine Soundwunder.

Im ersten Teil des Abends fühlt man sich als Zuhörer zu einem fast wehmütigen Ausflug in eine vergangene Welt eingeladen. In einer Mischung aus Tanz-, Schwoof- und Flirtmusik, mit einem spritzigen Schuss Jazz garniert, lullen einen Softrockarrangements, Tangosehnsucht und Barmusik ein. Natürlich ist es die Musette, die mit einem Augenzwinkern an die alten Maigret-Filme erinnert, die immer wieder walzerselig durchscheint. Auvray lädt jedoch nicht nur zum Tanzvergnügen mit mehr oder weniger Körperkontakt ein, sie philosophiert auch schon einmal über Alter, Zeit und mütterlichen Abschiedsschmerz. Die Bühne flackert dazu in blutrotem oder pinkfarbenem Schimmer, wird mit coolem Grün und Blau beleuchtet.

Auvreys Faible für „krumme Takte“, mit 7 oder 11 Vierteln adrett aneinander geschmiegt, darf dann im zweiten Teil des Programms punkten. Hier weitet man zu dritt den Blick über das Meer mit Ocean-Drum und Wind-Balg-Geräuschen, einem Hauch Reggae, flankiert von einer Prise Chick Corea, orientalischem Cous-Cous fürs Ohr, karibischem Cocktail-Beach-Feeling und mexikanischem Pfeffer, grob gemahlen und prickelnd scharf. Die stilistische Bandbreite, die locker flockigen Impro-Solos, die entspannt familiäre Atmosphäre lassen den Abend wunderbar gelingen.

Dass ein paar Stimmplatten mit einer Mechanik versehen, in eine Holzkiste hineingepackt und vorne mit einem Namen versehen als Instrument nicht ausreichend sind, darf auch ruhig einmal erwähnt werden. Auvray spielt ein Knopfakkordeon von „Pigini“, eine Spezialanfertigung, die perlmuttfarben glänzt und jubelt. Ein herrliches Instrument, das seine Meisterin zu Recht gefunden hat.

Dorothe Fleege

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