Auch Michaela Gräper aus Burggen beteiligt sich an der Kunstaktion.
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Auch Michaela Gräper aus Burggen beteiligt sich an der Kunstaktion.

30 Künstler wurden tätig

Kunst bis in die Wurzelspitzen: Am Samstag wird Schau in Seeshaupt eröffnet

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Dem Kunstprojekt „#wurzelspitzen“ auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Demmel in Seeshaupt hat die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch Grundstückseigentümerin Katharina Heider und ihr Mann, der Bildhauer Michael von Brentano, freuen sich: Am Samstag wird die Schau endlich eröffnet.

Seeshaupt – „Eine Wurzel wächst mit ihrer Spitze in die Erde und gibt dadurch der Pflanze die Möglichkeit und die Stabilität, nach oben zu wachsen“, sagt das Paar, das für seine Ausstellung eine Nutzungsänderung beim Landratsamt beantragen musste. Denn auf dem rund 12 000 Quadratmeter großen Grundstück möchte Katharina Heider, die vierte Generation der Gärtnerfamilie Demmel, eigentlich ein gemeinschaftliches Wohnprojekt mit 50 Wohnungen bauen, zehn davon werden in die soziale Förderung gehen. Im Zentrum des Quartiers soll ein zentraler Platz entstehen, wo man sich zwanglos treffen kann. Aufgewachsen an diesem Ort, ist die Gärtnerei für Demmel Heimat, und sie ist geprägt durch das familiäre miteinander, Leben und Arbeiten. Als Architektin will sie hier einen Ort schaffen, an dem Menschen miteinander leben können, wie sie sagt.

„Die Quadratur des Kreises“ heißt dieses Werk von Christoph Scheuerecker.

Doch die administrativen Hürden sind hoch, und weil sich der Baubeginn verzögert, reifte der Gedanke, das Gärtnerei-Gelände zwischenzeitlich anders zu nutzen. „Für diesen Transformations- und Leerraum haben wir 30 Künstler und Künstlerinnen gebeten, an dem außergewöhnlichen Ort tätig zu werden“, sagt Brentano. Die Kunstwerke sollen in Gewächshäusern, einer Verkaufshalle und auf dem Freigelände entstehen: Installationen, Performance, soziale Plastik und mehr. „Die frei zugängliche Aktion wird den privaten Raum in den öffentlichen bringen“, so der Bildhauer.

Kernareal des Gärtnereiquartiers als Außenbereich eingestuft

Bis vor rund einem Jahr war das ca.12 000 Quadratmeter große Areal mitten in Seeshaupt noch die „Baumschule Demmel“. Um die inzwischen brachliegende Fläche nun für das Kunstprojekt „#wurzelspitzen“, bei dem Landrätin Andrea Jochner-Weiß Schirmherrin ist, nutzen zu können, musste Grundstückseigentümerin Katharina Heider beim Landratsamt einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. Diesem Antrag ist inzwischen auch stattgegeben worden: Das „Gärtnereiquartier“ darf als Kunstareal genutzt werden.

Bei dem Verfahren stellte sich nun heraus, dass sowohl das Landratsamt als auch der Bayerische Gemeindetag das Kernareal des „Gärtnereiquartiers“ als Außenbereich einstufen, dessen Bebauung § 35 Baugesetzbuch regelt. Bauvorhaben, die im Außenbereich verwirklicht werden sollen, unterliegen strengen Vorgaben. Diese Einschätzung des Landratsamtes widerspricht der bislang vom ehemaligen Seeshaupter Bürgermeister Michael Bernwieser vertretenen Auffassung, es handle sich um ein nach § 34 BauGB zulässiges Bauvorhaben im Innenbereich. Nach Einschätzung des Bayerischen Gemeindetages handelt es ich beim rund 7000 Quadratmeter großen Kernareal um einen „Außenbereich im Innenbereich“. kh  

Er sieht in dem aufgelassenen Gelände großes Potenzial, um dort kreativ zu arbeiten. „Ein Glücksfall, denn für uns Künstler gibt es nicht einen ersten, zweiten und dritten Lockdown, für uns ist einfach seit einem Jahr alles zu. Und egal, welche Kunstrichtung man nimmt, man kann sie nicht dauerhaft in den virtuellen Raum verlegen.“ Was darüber hinaus fehle, sei der Austausch mit anderen.

Zu den 30 Künstlern gehört auch Cosimo Montagoi aus Seeshaupt.

Die Standorte der Künstler sind längst festgelegt, aber „hier kommt niemand mit einer fertigen Arbeit“, sagt Brentano, die Teilnehmer seien frei bei ihrer Gestaltung. Bildhauer Josef Lang zum Beispiel wird einen Baumstamm bringen und vor Ort schnitzen. Ömer Faruk Kaplan, ein Wiener Künstler mit deutschen und türkischen Wurzeln, hat über einige Beete bereits ein Geflecht aus Bambus und Kunststoffbändern gespannt. Die Kunst, so die Organisatoren, „füllt mit ihren Bildern, Aktionen und Gedanken die Zeit und den Raum des „Nicht-Mehr-Seins“ der Gärtnerei und des „Noch-Nicht-Seins“ des neuen Wohnquartiers“.

Durch die Ausstellung und die Zusammenarbeit mit den Künstlern wachse etwas Neues in Verbindung mit dem, was war. „Durch die Arbeit der Künstler entdecken auch wir das Gelände noch einmal neu“, sagt das Paar. „Wir bekommen von ihnen diesen anderen Blick auf die Dinge geschenkt und entdecken Dinge, die wir vorher so nicht sehen konnten.“

Eröffnung

ist am morgigen Samstag, 22 Mai, 12 Uhr. Zu sehen sind die „#wurzelspitzen“ dann jeweils samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Die notwendige Anmeldung und Registrierung erfolgt während der Besuchszeiten am Eingang. Für die Dauer der bis März 2022 geplanten Schau sind auch Veranstaltungen wie zum Beispiel Künstlergespräche geplant. Die Termine werden in der Presse, auf der Webseite www.heidersbuero.de und auf Instagram bekannt gegeben. Auf der Webseite gibt es auch mehr Infos zum Projekt und den Künstlern.

VON PETER STÖBICH

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