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Energiegeladen: Luise Kinseher in der Seeresidenz.

Seeshaupt

Gefühlsdusche mit Nachdenk-Komik

In Seeshaupt war Luise Kinseher mit ihrem Programm „Ruhe bewahren“ zu Gast. Dabei präsentierte sie sich vor vollem Saal sehr energiegeladen.

Seeshaupt – Bei Luise Kinseher daheim in Geiselhöring im tiefsten Niederbayern stehen die Uhren immer auf Viertel nach Drei. So war es schon immer, so ist die Kabarettistin aufgewachsen. „Das ist bei uns Tradition“, erklärte sie dem Publikum im ausverkauften Saal der „Alten Post“ der Seeresidenz in Seeshaupt am Mittwochabend. Mit diesem prägendend Kindheitserlebnis behaftet, ist es durchaus verständlich, dass sich Luise Kinseher mit dem Phänomen „Zeit“ im Allgemeinen und Speziellen so ihre Gedanken gemacht hat und diese mit ihrem aktuellen Programm „Ruhe bewahren“ nahe bringt.

Die Zeit wird beleuchtet, mit all ihren Facetten, mal rasend, mal dahingleitend, mal abwartend. Kinseher spannt da einen weiten Bogen. Von der Kommunikation der Steinzeitmenschen über das Internet, dem Klimawandel, der AfD, bis hin zur Politik im Allgemeinen, zur CSU sowieso und – ach ja, überhaupt der Markus Söder. Aber das ganze politische Geflecht ist beinahe nur ein Randthema in Kinsehers über zweistündigem Soloprogramm. Die Kabarettistin verwirbelt ihr Publikum mit einer Verquickung von knallharter politischer Satire und einem ungewohnten Hauch persönlicher Einblicke, die aber – aufpassen – durchaus auch ein wenig Nachdenk-Komik beinhalten.

Sie schneidet ihr Singledasein an, ihre „Nockerberg“-Erfahrungen, ihre Flirtversuche in einem Lift im Hotel – man erfährt so einiges über die Kabarettistin: So beispielsweise das Ablesen ihrer persönlichen Gesundheitsdaten mittels einer App auf ihrer Uhr. Zu wenig Schritte, kaum Schlaf, ungesunde Ernährung mit all den Leberkässemmeln und dem Weißbier und überhaupt ist die ganze Lebensführung nur noch 30 Jahre und ein paar Wochen wert, sagt Kinseher. „Laut dieser Angaben scheide ich am 21. Dezember 2047 dahin“, erklärt sie und läuft um das Ganze zu durchbrechen dann über die Bühne. Ein paar Monate kann sie noch herausschlagen mit dieser Methode, bevor sie ablebt, denkt sie. Das Publikum in Seeshaupt steht unter einer ständigen Gefühlsdusche. Mal wird man hineingezogen in nahezu philosophische Gedanken „Früher war man früher alt, man hatte aber mehr Zeit dazu“.

Aber Kinseher katapultiert ihr Publikum auch wieder in die knallharte unpolitische Realität. Dann wenn sie als bejahrte Dame Helga Freese ihren an Alzheimer erkrankten Gatten beklagt, der so überhaupt kein Zeitgefühl mehr hat. Und wenn die Symbolfigur „Mary from Bavary“, leicht angesäuselt, den „herabschauenden Hund“ auf der Bühne macht, den ihre Freundinnen derzeit im allgegenwärtigen Yogakurs üben, um zur inneren Mitte zu finden und zur Ruhe zu kommen. Mary ist das ganze Gehabe um dieser Art Verrenkungen zutiefst zuwider und überlegt sich, was man tun kann. Ruhe bewahren!

Regina Wahl-Geiger

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