News-Ticker: 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt - Tote möglich

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Rede zum 30. April: Franziska Augstein, Tochter, des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, in Seeshaupt.

Mahnmalfeier in Seeshaupt

„Erinnerung, die schmerzt“

Über das jahrzehntelange Schweigen – von Tätern und Opfern – nach dem 2. Weltkrieg sprach Dr. Franziska Augstein am Sonntagabend bei der Mahnmalfeier in Seeshaupt. „Über Schuld wollte keiner reden“, so Augstein vor rund 80 Besuchern.

Seeshaupt – Das sei durchaus nachvollziehbar, aber warum auch die Opfer Jahrzehnte stumm blieben, sei für viele schwer zu verstehen. „Erinnerung schmerzt“, vor allem weil die Demütigungen und Erniedrigungen bei den Opfern dadurch hochgekommen seien, so Augstein.

Ob Imre Kertész oder Jorge Semprún: Auch den beiden vielfach ausgezeichneten Schriftstellern sei es erst Jahrzehnte nach ihren Erlebnissen im KZ gelungen, diese in Worte zu fassen. Scham habe sie daran gehindert. Erinnerung sei gefährlich, weil sie weh tue. „Aber ohne Sprache bleibt man eingeschlossen in den Schmerz der Erinnerung“, so die SZ-Redakteurin, die früher für die „Welt“ und die „FAZ“ gearbeitet hat.

Mittlerweile sei sie stolz, ja, sie sei „Patriotin“, weil es ihrem Heimatland gelungen sei, die Geschehnisse von damals weitgehend aufzuarbeiten. In diesem Zusammenhang habe die kleine Gemeinde Seeshaupt Großes geleistet, das Dorf sei „tapfer“. Das Mahnmal, das 1995 auch gegen heftige Widerstände im Dorf aufgestellt wurde, sei auch nicht zu spät gekommen, so die Historikerin Augstein. Das Mahnmal an der Bahnhofstraße erinnert an den KZ-Zug, der am 30. April in Seeshaupt gestrandet ist und in dem sich rund 1800 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Mühldorf befanden.

In einer Andacht vorab gedachten die Geistlichen Julian Lademann (evangelisch), Mladen Znahor (katholisch) und James Cohen von der jüdischen Gemeinde Beth Shalom, München, der Ereignisse vor 72 Jahren. Der neue Penzberger Pfarrer Lademann berichtete von einer Reise nach Bosnien-Herzegowina, bei der er einen allseits fröhlichen jungen Busfahrer kennen gelernt habe. Dem habe es die Sprache verschlagen, als er in Srebrenica vor den 8000 Grabsteinen gestanden habe, die an die im Bosnien-Krieg ermordeten Männer erinnern. Auch diese Art von Erlebnis mache sprachlos.

Bürgermeister Michael Bernwieser dankte den Besuchern und übermittelte Grußworte von Louis Sneh aus den USA, einem der Überlebenden, der früher regelmäßig bei den Mahnmalfeiern vor Ort war. Er wird in dieser Woche 90 Jahre alt. „Dank euch glaube ich an Mitmenschlichkeit“, so die Grußworte an die Adresse der Seeshaupter. Bernwieser dankte neben allen Helfern dem Ehepaar Fraunberg sowie besonders Heidrun Graupner, die sich alljährlich um die Einladung für die hochkarätigen Redner am Mahnmal kümmert – unter ihnen waren beispielsweise Max Mannheimer, Christian Ude, Hans-Jochen Vogel und Pater Odilo Lechner.

Johannes Thoma

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