„Langweilig wird’s mir ganz bestimmt nicht“, sagt Michael Bernwieser über die neue Phase, die am 1. Mai anbricht.

Michael Bernwieser: „Mein wertvollster Lebensabschnitt“

Insgesamt 199 Gemeinderatssitzungen hat Michael Bernwieser als Seeshaupter Bürgermeister seit März 2008 geleitet. Heute hat er seinen letzten Arbeitstag im Rathaus.

Insgesamt 199 Gemeinderatssitzungen und mindestens ebenso viele Ausschusstreffen hat Michael Bernwieser seit März 2008 geleitet, der in Seeshaupt der erste hauptamtliche Bürgermeister war. Nach zwölf Jahren in diesem Amt übergab er seine Amtskette diese Woche an seinen Nachfolger Fritz Egold. Heute hat er seinen letzten offiziellen Arbeitstag im Rathaus: der Anlass für ein Gespräch der Heimatzeitung mit ihm.

Welche Gefühle bewegen Sie an solch einem besonderen Tag?

Da schwingt schon ein wenig Wehmut mit, weil man jetzt nicht mehr jeden Tag die vertrauten Gesichter und Menschen sehen wird. Die Zeit als Gemeindeoberhaupt war mein erfolgreichster und wertvollster Lebensabschnitt. Aber ich freue mich jetzt auch auf mehr Zeit ohne ständige Termine, die vor allem meiner Familie zugute kommen soll.

Worüber haben Sie sich in den vergangenen Jahren am meisten gefreut?

Über eine so lange Zeitspanne gibt es ganz vieles, was mich gefreut hat: tolle Projekte für unseren Ort, prima Unterstützung durch meine Mitarbeiter in der Verwaltung, gute Kontakte zu unseren Vereinen oder den Landfrauen. Als Bürgermeister etwas bewegen zu können, war eine dankbare Aufgabe. Aber einer der schönsten Tage war die Einweihung des Flaggschiffs „MS Seeshaupt“ – daran denke ich sehr gern zurück, als im Juli 2012 das halbe Dorf auf dem neuen Schiff mitgefahren ist. Und dass vor wenigen Tagen unser Bauhof neben dem Dampfersteg das Rohr zur Strassenentwässerung entfernt hat, dieses häßliche Trumm, das freut mich zum Abschied auch.

Gab es auch Ärgernisse, die in Erinnerung bleiben?

Es hat natürlich nicht alles geklappt. Über Angriffe und Verleumdungen will ich jetzt aber nicht reden – ich bin ein positiver, aber auch wehrhafter Mensch. Wenn man wie ich früher als Krankenpfleger in leitender Position im Operationssaal stand, da sieht man manch vermeintliches Problem oft etwas gelassener.

Was hätten Sie gern noch verwirklicht?

Da gäbe es schon noch einiges, etwa die Lösung von Verkehrsproblemen; da möchte ich als Beispiel den Frechenseeweg nennen. Über bessere Einkaufsmöglichkeiten haben wir lang diskutiert, damit muss sich in den kommenden Monaten der neue Gemeinderat beschäftigen. Der Bürgerwille zum Thema „Nahversorgung“ ist in einer Umfrage ja recht klar zum Ausdruck gekommen und die Standortsuche für einen neuen Supermarkt jetzt abgeschlossen. Richtig gewurmt hat mich, dass für die dringend nötige Erweiterung des Feuerwehrhauses keine Mehrheit zustande gekommen ist – das war nämlich auch ein Wahlversprechen und ich mahne hier zu schnellem Handeln. Ein provisorisches Holzfeuerwehrhaus haben wir schon, im Juni kommt der erste Zusatzcontainer.

Gibt es etwas, worauf Sie in der Rückschau besonders stolz sind?

Dass wir für unsere Bürger in gemeinsamen Anstrengungen vieles erreichen konnten, schließlich war ich ja kein Alleinherrscher. Ich erinnere unter anderem an Breitbandausbau, Einheimischenmodell, Campingplatz, Kinderhaus, Sportzentrum oder Wasserversorgung – das sind nur einige Stichpunkte aus einem Riesenkatalog von Maßnahmen. In meiner Zeit als Bürgermeister wurden rund 18 Millionen Euro investiert, für den Ausbau der Kinderbetreuung ebenso wie für unsere Senioren. Trotzdem verfügt Seeshaupt über ein aktuelles Finanzpolster von 2,3 Millionen Euro.

Mit dem heutigen Tag endet Ihre Amtszeit – dann bleibt mehr Zeit für...?

...in erster Linie für die Familie, meine Frau Monika sowie unsere Töchter Kathrin und Sophie. Ich möchte aber auch Haus, Hof und Garten in Schuss bringen, da komme ich jetzt endlich zu vielem, was liegengeblieben ist. Langweilig wird’s mir ganz bestimmt nicht, denn ich bin Kirchenpfleger von Sees-haupt und Jenhausen, Ehrenvorsitzender im Trachtenverein „Würmseer“ und habe viele Interessen. Für den Unruhestand wird sicher auch meine Enkelin Aurelia sorgen. Auf meinem Wunschzettel stehen außerdem schöne Reisen, wenn die nach den Corona-Beschränkungen wieder möglich sein werden.

Peter Stöbich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das verdient die Landrätin nebenher
Das verdient die Landrätin nebenher
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Berufsfachschule in Penzberg betroffen
Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau: Berufsfachschule in Penzberg betroffen
An die 1000 Besucher bei der Stoa169 - was sie über die Säulenhalle bei Polling sagen
An die 1000 Besucher bei der Stoa169 - was sie über die Säulenhalle bei Polling sagen
Begleitung von Behinderten sehr gefragt
Begleitung von Behinderten sehr gefragt

Kommentare