Setzt sich für eine echte Wende im Straßenverkehr ein: Norbert Hornauer. Foto: stöbich
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Setzt sich für eine echte Wende im Straßenverkehr ein: Norbert Hornauer.

Protest gegen Autoflut im Oberland

Mit dem Liegerad für eine nachhaltige Verkehrswende

Gemütlich am Autostau vorbeiradeln will Norbert Hornauer, wenn er am morgigen Samstagmorgen von Seeshaupt nach Garmisch aufbricht, um für eine nachhaltige Verkehrswende zu demonstrieren. „Ausbremst is“ heißt die Aktion, die während der vergangenen Wochen schon in verschiedenen Oberlandgemeinden stattgefunden hat und viele Autofahrer ärgert, wenn sie möglichst schnell ihr Ausflugsziel erreichen wollen.

Seeshaupt – Die Anwohner in Murnau oder Kochel, wo Hornauer und andere Radler zuletzt demonstrierten, ärgern sich wiederum über schier endlose Blechkolonnen, die sich an schönen Wochenenden im Schritttempo durch ihre Dörfer wälzen. „Diese Konfrontation muss nicht sein“, meinen Hornauer und andere Mitglieder der Gruppierung „Seeshaupt mobil“. Sie sucht im Rahmen der Dorfentwicklung nach neuen Konzepten, mit denen alle Betroffenen leben können. „Denn es wird ja wohl schlecht gehen, auf unseren Straßen lauter eigene Spuren für Busse, Fußgänger, Kraftfahrer, Kinderwagen und Radler auszuweisen“, stellt der 50-jährige fest. „Alle jammern zwar über den Verkehr, wenn ihn andere verursachen, aber nur wenige wollen selbst etwas zur Verkehrswende beitragen.“

Sein Vorschlag: Jeder solle selbst die Veränderung sein, die er sich für seinen Ort wünscht. Die Konsequenz: Wo immer es möglich ist, verzichtet Hornauer auf sein Auto und steigt aufs Fahrrad um. Das heißt, dass er für die Demo in Garmisch eine Gesamtstrecke von rund hundert Kilometern bewältigen muss. Start ist am Samstag um 7.30 Uhr am Seeshaupter Dorfplatz; von dort geht es über Tradlenz, Egenried, Obersöchering, Egling und Murnau ins Loisachtal.

„Damit mir der Hintern nicht gar so weh tut, habe ich ein voll gefedertes Liegerad angeschafft“, erzählt er. 21 Gänge, drei Räder, zwei Außenspiegel und ein Elektromotor sorgen für Komfort, haben mit mehreren tausend Euro allerdings auch einen stolzen Preis. Mit einem weniger luxuriösen Rad war er schon vor Jahrzehnten bei einer Demo im Allacher Forst mit dabei, „aber ich kenne die Probleme auch aus der Perspektive des Autofahrers“, sagt er. Bei „Ausbremst is“ gehe es nicht um Konfrontation, vielmehr um gegenseitiges Verständnis, um gemeinsam eine echte Wende im Verkehr zu erreichen. „Sich nur zu ärgern, bringt ja nix, sondern wir müssen aufeinander Rücksicht nehmen.“

Argumente wie „Ich würde ja gern, aber...“ lässt Hornauer nicht gelten. „Man braucht sein Radl bloß neben das Auto stellen, statt es im Keller zu verstecken“, ist sein Tipp. Dann könne man jedes Mal entscheiden, ob man nachhaltig und naturverträglich zum Einkaufen fahren wolle. „Abseits des motorisierten Individualverkehrs fährt es sich gemeinsam sehr schön“, weiß Hornauer. Sein konsequentes Verhalten hat er sogar während der Hochzeitsreise mit seiner Frau Susanne umgesetzt: 1200 Kilometer war das Paar auf zwei Rädern durch Norwegen unterwegs.

Info

Wer sich der Aktion „Seeshaupt mobil“ anschließen oder nach Garmisch mitradeln will, kann sich unter der Telefonnummer 08801/ 915486 näher informieren.

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