Feuerwehrleute befreiten das Dach des Bauhofs in Sees-haupt von der Schneelast. „Da war Gefahr im Verzug“, so Bürgermeister Fritz Egold.
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Feuerwehrleute befreiten das Dach des Bauhofs in Sees-haupt von der Schneelast. „Da war Gefahr im Verzug“, so Bürgermeister Fritz Egold.

Gemeinderat Seeshaupt

Noch keine Lösung für den Bauhof

Enttäuscht verließen viele Zuhörer die jüngste Sitzung des Gemeinderats in Seeshaupt. Denn statt konkreter Informationen darüber, wie die Statik-Probleme beim Bauhof gelöst werden können, gab es wieder einmal kleinliches Gezänk und Verbalattacken auf Bürgermeister Fritz Egold.

Seeshaupt – Bei starkem Schneefall haben die Bauhof-Mitarbeiter jedes Mal ein Problem: Weil das Dach des Gebäudes wenig Traglast hat, müssen die Fahrzeuge wegen Einsturzgefahr ins Freie gefahren werden. Wie berichtet, waren vergangenen Herbst Mängel der ehemaligen Lagerhalle aus dem Jahr 1969 bekanntgeworden, nachdem ein Bauhof-Mitarbeiter versehentlich gegen einen Träger gefahren und dieser anschließend heruntergebrochen war. Daraufhin wurde ein Statiker bestellt, der ein Schneelastgutachten übergab, das er bereits im Jahr 2019 erstellt hatte.

Weil am 18. Januar dieses Jahres 38 Zentimeter Nassschnee auf dem Bauhofdach lagen, kontaktierte der Bürgermeister vorsichtshalber einen Statiker und bat die Feuerwehren Seeshaupt und Penzberg um Hilfe, die dann die Dachfläche räumten. „Da war Gefahr im Verzug und ich bringe auf keinen Fall meine Mitarbeiter in Gefahr“, erwiderte Egold auf kritische Stimmen, er habe eigenmächtig gehandelt und ungerechtfertigt Kosten verursacht. Dorothee von Jungenfeld (CSU) verwies auf „klare Aussagen im Gutachten“ und die Fürsorgepflicht der Gemeinde gegenüber ihren Beschäftigten.

Vorwürfe wurden in der Sitzung auch gegen Stefan Müller (PFB) laut, der in dieser Zeitung einen Leserbrief zum Thema „Bauhof“ veröffentlicht hatte. „Besser wäre stattdessen eine konstruktive Diskussion im Gemeinderat gewesen“, stellte seine Ratskollegin Chistine Helfenbein (GRas) fest.

Auch in der Bürgerfragestunde griff Zuhörerin Angela Shelley das Thema noch einmal auf und warf Müller vor, er verbreite „Fake News“. Je länger die Diskussion dauerte, desto mehr redeten sich die Räte in Rage, so dass Max Amon (PFB) schließlich einen Geschäftsordnungsantrag auf Ende der Debatte stellte, der jedoch abgelehnt wurde.

„Wir müssen besonnen und sorgfältig handeln“, meinte Müller. Solches Handeln hatte das Gremium bereits in seiner Januar-Sitzung beschlossen, um die langfristige, uneingeschränkte Nutzung des Bauhofes sicherzustellen oder nach einer Alternativlösung zu suchen. Damals hatten acht Ratsmitglieder für eine Bestandsaufnahme des Gebäudes gestimmt, sieben waren dagegen.

Im Laufe der vergangenen fünf Jahre hat die Gemeinde Seeshaupt rund 900 000 Euro in ihren Bauhof investiert, welche Kosten jetzt auf sie zukommen werden, ist unklar. Als wenig hilfreich erwies sich eine kürzliche Ortsbesichtigung durch den zweiten und dritten Bürgermeister und einen Statik-Fachmann, denn in der jüngsten Sitzung wurden keine Ergebnisse oder Vorschläge publik, wie es nun weitergehen soll. „Wozu diskutieren wir heute?“, fragte Amon, „wir haben nicht genügend Sachkenntnis.“

Schließlich unternahm Jan von Gruchalla (CSU) einen Versuch, die Debatte wieder auf eine sachlichere Ebene zu bringen. „Weil für die rund 50 Jahre alte Lagerhalle keine Bauunterlagen vorhanden waren, hatte der Gemeinderat am 26. Juli 2016 die Erstellung eines Statikgutachtens für den Hallenumbau beschlossen sowie am 22. November eine Schneelastberechnung“, sagte er. Beide Beschlüsse seien aber nie als Aufträge vergeben worden. „Warum die Sanierungsarbeiten trotzdem ohne Dokumente durchgeführt wurden, ist nicht nachvollziehbar.“ Über diese Nichtumsetzung seiner Beschlüsse wurde der Gemeinderat laut Gruchalla nicht informiert.

Ein Architekt berichtete im Jahr 2017 in einer Gemeinderatssitzung, dass ein Eingriff in die Grundkonstruktion des Daches notwendig war und ausgeführt wurde, weil Mängel an Auflagern und Stützkonstruktion sichtbar wurden. Diese konnten jedoch in statischer Hinsicht behoben werden. Als Fazit seiner ausführlichen Erläuterung schlug Gruchalla vor, einen bisher nicht in das Verfahren eingebundenen, neutralen Gutachter zu beauftragen und mögliche rechtliche Schritte zu prüfen, um die Interessen der Gemeinde zu wahren.

Peter Stöbich

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