Maria Veitinger konnte doch noch operiert werden. Foto: stö
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Maria Veitinger konnte doch noch operiert werden.

Seeshaupterin verzweifelt

Weil der Corona-Test nicht vorlag: Odyssee auf dem Weg zur Zahn-OP

Eine Odyssee hat Maria Veitinger aus Seeshaupt hinter sich. Eine Zahnoperation wurde für sie wegen der Corona-Pandemie zu einem nervenaufreibenden Abenteuer, wie sie unserer Zeitung erzählt.

Seeshaupt – An einem Dienstagmorgen bekam Maria Veitinger aus Seeshaupt Bescheid, dass sie am folgenden Montag im Unfallkrankenhaus Murnau operiert werden sollte. „Denn als Rollstuhlfahrerin mit Vorerkrankungen wollte ich das nicht in einer Zahnarztpraxis machen lassen.“ Zum OP-Termin sollte die 58-jährige einen schriftlichen Corona-Befund mitbringen der nicht älter als fünf Tage ist. „Mein Hausarzt verwies mich auf die Teststation am Weilheimer Volksfestplatz, bei der ich mich selbst anmelden musste, weil er ein rechtzeitiges Eintreffen des Testergebnisses nicht garantieren konnte.“

Nachdem sie über eine Stunde lang versucht hatte, telefonisch bei der Station durchzukommen, bekam sie schließlich einen Termin für Donnerstagvormittag. „Der Test klappte relativ schnell und unkompliziert.“ Laut der mitgegebenen Karte sollte das Ergebnis innerhalb von drei Werktagen per Handy abrufbar sein, wegen des Wochenendes also erst am Montag, dem Tag ihrer Operation. Am Samstagmorgen bekam sie das negative Ergebnis und sicherte es per Screenshot auf dem Handy. „Jetzt brauchte ich es nur noch schriftlich und rief im Weilheimer Krankenhaus an, weil die Teststation nicht erreichbar war.“ Die Notaufnahme verwies auf das Sekretariat, das aber nur montags und freitags in der Zeit von 8 bis 15.30 Uhr geöffnet ist.

Keiner wollte das Testergebnis faxen

Pünktlich um 7.45 Uhr war Veitinger am Montag in der Murnauer Klinik, die auf einem schriftlichen Corona-Testergebnis bestand. Deshalb folgte eine Telefon-Odyssee: Erster Anruf im Krankenhaus Weilheim mit der Bitte, den Test nach Murnau zu faxen. Doch ein Ergebnis lag in Weilheim noch nicht vor, und faxen geht aus Datenschutzgründen grundsätzlich nicht. Zweiter Anruf in der Notaufnahme Weilheim, um zu erfahren, welches Labor den Test bearbeitet. Dritter Anruf im Labor in München und eine Viertelstunde Geduldsprobe in der Warteschleife. Ja, das Ergebnis liege vor, dürfe aber nicht gefaxt werden. Vierter Anruf beim Landratsamt Weilheim, wo aber niemand weiterhelfen konnte. Fünfter Anruf in der Hausarzt-Praxis mit der Bitte, das Labor in München anzurufen. Sechstes Telefonat des Hausarztes beim Labor, endlich konnte das Ergebnis nach Murnau übermittelt werden.

„Mit dem ganzen Zinnober sind zwei Stunden vergangen“, sagt Maria Veitinger. „Datenschutz in allen Ehren“, sagt sie, „aber bei so etwas kann man ja durchdrehen, man ist ohnehin schon aufgeregt genug!“ Ohne Testergebnis wäre ihr OP-Termin geplatzt, der dann am Montagmittag schließlich doch noch wie geplant stattfinden konnte.

Peter Stöbich

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