Norbert Hornauer setzt sich für bessere Bedingungen für Radfahrer ein.
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Norbert Hornauer setzt sich für bessere Bedingungen für Radfahrer ein.

In Seeshaupt

Radler wünschen sich Verbesserungen

„Jeder soll selbst die Veränderung sein, die er sich für seinen Ort wünscht“, sagt Norbert Hornauer. Damit meint der passionierte Radfahrer aus Seeshaupt, dass alles Jammern über den zunehmenden Verkehr nichts nützt, wenn man nicht bereit sei, auch selbst etwas zur Verkehrswende beizutragen.

Seeshaupt – Der 51-jährige Hornauer lebt auch danach. Er ist Mitglied im Referat Verkehr der Gemeinde sowie Frontmann des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Seeshaupt. Ein ADFC-Test, die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit, hat jetzt die Probleme in der Gemeinde offen gelegt. „69 Prozent der Radfahrenden finden die Radwege beziehungsweise den Platz fürs Radl zu schmal“, erläutert Hornauer die Testergebnisse.

63 Prozent der Befragten geben zudem an, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) berichtet, dass sie sich auf den fürs Radl vorgesehenen Straßen und Wegen in Seeshaupt unsicher fühlen. Drei Viertel der Radler (73 Prozent) finden, dass Radeln in Seeshaupt Spaß macht, 64 Prozent fühlen sich als Verkehrsteilnehmer akzeptiert.

Besonders gefreut hat sich Hornauer über die zahlreichen individuellen Rückläufe der Umfrage. So schreibt eine Teilnehmerin: „Wir brauchen in unserer Gemeinde, einem ganzjährig attraktiven Fremdenverkehrsort, endlich den ehrlichen politischen Willen, für die Einheimischen sowie Radfahrer sichere und bequeme Radwege im Ort und aus diesem heraus anzulegen. Die immer größere Beliebtheit des Fahrrades in Alltag und Freizeit macht dies zwingend erforderlich.“

Der ADFC-Test wird alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und umfasst 27 Fragen. Bei der aktuellen Befragung wurden außerdem fünf Zusatzfragen zur Fahrrad-Situation während der Covid-19-Pandemie in den Städten gestellt. 64 Menschen bewerteten das Fahrradklima in Seeshaupt, deutschlandweit waren es rund 230 000. Die Ergebnisse für Seeshaupt zeigen noch Aufholbedarf: 61 Prozent fühlen sich gefährdet, wenn sie im Mischverkehr mit Autos fahren müssen. 61 Prozent finden, dass die Oberflächen der Radwege in schlechtem Zustand sind. Im Rahmen der Dorfentwicklung suchen Hornauer und etliche Mitstreiter nach neuen Konzepten, mit denen alle Betroffenen leben können. „Denn es wird ja wohl schlecht gehen, auf unseren Straßen lauter eigene Spuren für Busse, Fußgänger, Kraftfahrer, Kinderwagen und Radler auszuweisen“, stellt er fest.

Er selbst ist auch auf längeren Strecken und bei jedem Wetter mit dem Rad unterwegs: „Dafür habe ich ein voll gefedertes Liegerad angeschafft, damit mir der Hintern nicht gar so weh tut“, erzählt er. 21 Gänge, drei Räder, zwei Außenspiegel und ein Elektromotor sorgen für Komfort, haben mit mehreren tausend Euro allerdings auch einen stolzen Preis.

Mit einem weniger luxuriösen Rad war er schon vor Jahrzehnten bei einer Demo im Allacher Forst mit dabei, „aber ich kenne die Probleme auch aus der Perspektive des Autofahrers“, sagt er. Argumente wie „Ich würde ja gern, aber...“ lässt Hornauer nicht gelten. „Man braucht sein Radl bloß neben das Auto stellen, statt es im Keller zu verstecken“, ist sein Tipp. Dann könne man jedes Mal entscheiden, ob man nachhaltig und naturverträglich zum Einkaufen fahren wolle. „Abseits des motorisierten Individualverkehrs fährt es sich gemeinsam sehr schön!“

Sein konsequentes Verhalten hat der 51-jährige Seeshaupter sogar während der Hochzeitsreise mit seiner Frau Susanne umgesetzt: 1200 Kilometer war das Ehepaar auf zwei Rädern durch Norwegen unterwegs.

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