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Rund 120 Besucher waren be i der Bürgerversammlung in der „Seeresidenz“ in Seeshaupt.

Bürgerversammlung Seeshaupt

Schlagabtausch ums „Gärtnereiquartier“

Das Thema „Gärtnereiquartier“ zieht offenbar die Leute an. Bei der Bürgerversammlung in Sees-haupt am Donnerstagabend war der Saal mit etwa 120 Besuchern gut gefüllt. Diese brauchten allerdings viel Sitzfleisch, denn das Dorfthema Nummer eins kam erst ganz zum Schluss.

Seeshaupt –Viele Besucher waren verärgert, weil nach den üblichen Berichten bei der Versammlung noch die Vertreter von Dorferneuerung und Abwasserverband ausführlich zu Wort kamen. „Das meiste ist doch schon bekannt“, war hinterher zu hören.

Doch trotz vorgerückter Stunde ging es bei der Aussprache zur geplanten dichten Bebauung der Baumschule „Demmel“, des „Gärtnereiquartiers“ im Ortszentrum, noch richtig zur Sache. Zwar sind die Argumente der Befürworter aus dem Gemeinderat und die der Gegner aus der Bevölkerung hinlänglich bekannt, aber die persönlichen Angriffe waren diesmal „so furchtbar wie noch nie auf einer Bürgerversammlung“, wie zu vernehmen war.

Angela Shelley warf als Sprecherin einiger Anlieger dem gesamten Gemeinderat – mit Ausnahme von Armin Mell – vor, zugunsten der Grundbesitzerin Katharina Heider zu vergessen, dass sie als Vertreter der Bürgerschaft gewählt wurden. Armin von Gruchalla griff Bürgermeister und Gemeinderat an, „weil sie sich kämpferisch für eine Lösung einsetzen, die zu Enteignungen führt“. Er bezog sich auf den geplanten Rad- und Fußweg, der über Privatgrund führt und dessen Besitzer bislang nicht eingewilligt hat. Reinhard Weber und Renate von Le Suire sprachen die Folgekosten bei Kindergarten, Schule und Wasserversorgung an, die auf die Gemeinde zukämen – „man spricht ja inzwischen schon von 65 Wohneinheiten“, empörte sich Le Suire.

Der Rechtsanwalt Michael Böcker meldete grundsätzliche Zweifel an, ob auf dem gesamten 1,5 Hektar großen Areal Baurecht bestehe. Seiner Meinung nach schafft die Gemeinde neues Baurecht im Außenbereich und muss als Gegenleistung auf Grundabtretungen der Eigentümerin bestehen, und zwar zum Preis von landwirtschaftlichen Flächen.

Der Rechtsberater der Gemeinde, Gerhard Spieß, stützt dagegen die Bewertung des Gemeinderats. Wie Bürgermeister Michael Bernwieser zuvor verlesen hatte, handelt es sich um ein zulässiges Bauvorhaben nach Paragraph 34 innerhalb einer bestehenden Bebauung. „Wir wehren uns ausdrücklich gegen Vorwürfe der Kungelei“, warf dritter Bürgermeister Max Amon unwirsch ein. „Wir haben uns um diese Aufgabe nicht gerissen. Für den Gemeinderat gab es zwei Möglichkeiten, nichts zu machen oder zusammen mit einem renommierten Stadtplaner das Beste für die Gemeinde herauszuholen.“

Und das „Beste rauszuholen“ versprach auch Bürgermeister Bernwieser. Er sicherte zu, dass mit Grundbesitzerin Heider ein städtebaulicher Vertrag geschlossen werde.

Von Renate von Fraunberg

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