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James Bond gab Startschuss für Musikfestival am Starnberger See

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Gruppenfoto vor dem Auftritt auf der Terrasse der Seeresidenz Alte Post: „Pure Desmond“.
Gruppenfoto vor dem Auftritt auf der Terrasse der Seeresidenz Alte Post: „Pure Desmond“. © oliv

Sechs Konzerte rund um den Starnberger See – das ist das SeeJazz-Festival 2022. Den Startschuss durfte James Bond am Samstagabend abfeuern: in einer lässig gespielten Version der Soundtracks von „Pure Desmond“. Die Band brachte filmreife Stimmung in die Seeresidenz Seeshaupt.

Seeshaupt – Der See ist durchaus Bond-isch“, meinte Bandgründer und Saxofonist Lorenz Hargassner und spann die Idee weiter: James, der über die Terrasse des ehrwürdigen Gemäuers läuft, übers Geländer springt – das konnte man sich bestens vorstellen. So smart wie Bond ist auch „Pure Desmond“. Die Filmhits lieferte das Quartett allerdings auf seine eigene Weise: Dem Cool Jazz verschrieben gab es nicht aufgebauschten Bombast, sondern konzertante, introvertierte Interpretationen. Eine ausgefeilte und gediegene Version des Superagenten. Dafür hat die Band dem Helden ein wenig an Action genommen, aber die Coolness mindestens verdoppelt.

Berühmte Filmsongs zerpflückt und neu arrangiert

2020 brachte Gitarrist Johann Weiß als absoluter Bond-Fan die Idee ins Spiel, die berühmten, Star-besetzten Filmtitel zu spielen. Und wie es bei den vier Vollblutmusikern üblich ist, wurde diskutiert, zerpflückt, neu arrangiert. Herausgekommen ist genau jene Mischung, die dem Publikum die eingängigen Melodien als Lockvogel bietet, um dann den Klangexperimenten und der Weiterführung der Themen à la „Pure Desmond“ zu folgen. Dass dabei das Ensemble als echtes Team funktioniert, war am Samstag deutlich zu spüren.

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Kein Wunder, denn hier sind Hochkaräter am Werk: Saxofonist Hargassner arbeitet auch als Jazz-Journalist und Dozent an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Gitarrist Weiß ist seit 2015 Professor für Populäre Musik an der Musikhochschule Würzburg, wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und mehreren Echo-Nominierungen ausgezeichnet. Bassist Christian Flohr tourt international und Drummer Sebastian Deufel arbeitet als Theatermusiker etwa am Frankfurter Schauspielhaus und Thalia Theater Hamburg.

Noch mehr Film-Glamour im zweiten Teil

Im Quartett heißt das: Langsame Tempi, geschwungene Melodiebögen, Platz für kleine, aber tiefenwirksame Soli prägen das Konzert der 007-Klasse. Das Bond-Thema, „From Russia with Love“ oder „Licence to Kill“ entwickelten mit dem wolkenverhangenen Sommerabend eine Eigendynamik, das ursprüngliche Bleigrau wurde zum lichten Graurosa. Im Vordergrund stand eine melancholisch angehauchte Emotionalität, die das Drama deutlich mehr betonte als die Potenz.

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Auch im zweiten Konzertteil wehte der Glanz der mondänen Filmwelt über Seeshaupt. Und auch hier schrieb das Quartett das Drehbuch um. Es widmete sich der Fast-Liebesgeschichte zwischen Paul Desmond und Audrey Hepburn. Desmond (1924-77) ist „musikalischer Vater“ der Band: Bekannt wurde er durchs Dave Brubeck Quartett, durch seinen luftigen, fließenden Klang. Weniger bekannt ist, dass er wohl jahrelang verliebt war in Hepburn und immer wieder versuchte, einen Blick auf sie zu erhaschen. Mehr aber nicht!

Plötzlich Tempo und Klatscheffekte

Im Stück „Audrey“ drückte er seine unglaubliche Sehnsucht aus, die am Samstag ansatzweise die unterschwellige Hitze und endlose Melancholie verspüren ließ, vergleichbar mit Gershwins „Summertime“. Dem entgegen stand ein knackiges „Gotta dance“ und ein „Punch“, der mit Tempo und Klatscheffekten die rund 60 Zuhörer begeisterte. Ebenso riss die Zugabe, Desmonds „Take Five“, das Publikum aus der kontemplativen Haltung heraus. Vielleicht schuf das auch die nötige Energie, um sich weiter für das Seejazz-Festival zu engagieren: bis 13. August, das Programm ist online unter www.seejazz.de.

Freia Oliv

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