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Vor mehr als 100 Jahren wurde diese Lindenallee gepflanzt, noch im Februar muss sie gefällt werden. 

Widerstand regt sich

Empörung am Starnberger See: 38 alte Bäume müssen fallen

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Mehr als 100 Jahre haben große Linden die Straße zwischen Seeseiten und Schloss Seeseiten in Seeshaupt gesäumt. Ein Gutachter kam nun zu dem Schluss, dass die Sicherheit nicht gewährleistet ist und empfahl die umgehende Fällung der Allee und weiterer Bäume. Am Starnberger See regt sich Widerstand gegen die Fällungen.

Es war ein Paukenschlag gegen Ende der Sitzung des Seeshaupter Gemeinderates: In seinem Bericht gab Bürgermeister Michael Bernwieser bekannt, dass die alten Linden an der Straße zwischen Seeseiten und Schloss Seeseiten noch im Februar gefällt werden müssen. Nachdem ein Herbststurm einer der mehr als 100 Jahre alten Linden zugesetzt hatte und Äste auf die Straße gestürzt waren, sei ein Forstsachverständiger als Gutachter bestellt worden, der die Sicherheit der Allee und weiterer Bäume im Umkreis überprüft habe. „In dem Gutachten wird die umgehende Fällung aller Alleebäume gefordert“, sagte Bernwieser. Die Sicherheit des Straßenverkehrs sei an dieser Stelle nicht mehr gewährleistet.

Noch vor etwa einem Jahr, nachdem die neue Verbindungsstraße nach Tutzing eröffnet worden war und die Tutzinger Straße auf die Gemeinde überging, habe das Staatliche Bauamt zugesichert, dass die Linden an der Allee „völlig in Ordnung“ seien, so Bernwieser.

Da die meisten Bäume Eigentum der Familie von Finck seien, werde die Verwaltung von Schloss Seeseiten den Auftrag für die Fällungsarbeiten vergeben. Da die Linden so genannte Grenzbäume seien – also zum Teil auf Gemeindegrund, zum Teil auf von Finck’schem Grundstück stünden – müsse die Gemeinde Seeshaupt aber einen Anteil der Fällkosten übernehmen, so Bernwieser.

„Das kann doch nicht wahr sein“, sagte FDP-Gemeinderat Armin Mell. „Ich sehe überhaupt nicht ein, dass uns so ein Mist übergeben wird und wir müssen es bezahlen.“ „Mir blutet das Herz, aber es hilft nichts, Verkehrssicherheit geht vor“, sagte PFB-Gemeinderätin Barbara Kopf. Die Gartenbaumeisterin erläuterte, dass bei den Linden, die ursprünglich als Schlossallee gepflanzt worden seien und zu nah aufeinander stünden, der Alterungsprozess bereits eingesetzt habe.

Wenn die Fällung der Linden vor dem 1. März – bis dahin darf nach dem Naturschutzgesetz gefällt werden – aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sei, werde er die Straße komplett sperren lassen. „Sicherheit geht vor“, sagte Bernwieser – auch wenn er unendlich bedauere, dass diese alten Bäume gefällt werden müssen.

Dass das Staatliche Bauamt noch vor etwa einem Jahr versichert habe, dass die Linden gesund seien und sie jetzt beseitigt werden müssten, mache ihn zornig. „Wir sind erschüttert und verärgert“, sagte Bernwieser. Der Gutachter war von der Schlossverwaltung Seeseiten und der Gemeinde gemeinsam beauftragt worden.

Die Bäume stehen alle im Landschaftsschutzgebiet „Ufergebiet am Starnberger See“, wo Fällungen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden müssen. Die beschädigte Linde wurde nach dem Sturm von der Feuerwehr gefällt. Matthias Hett, der Leiter der Abteilung „Naturschutz“ am Landratsamt, bestätigt, dass seine Behörde die Fällung dieser Linde und zweier weiterer Bäume genehmigt hatte, nachdem das Gutachten vorgelegt worden war.

In diesem Zusammenhang sei auch die Rede davon gewesen, dass in dem Gebiet die Lindenallee mit 22 Bäumen und 16 bis 18 weiteren Bäume gefällt werden müssten. Ein Gutachten für diese Bäume werde noch vorgelegt, hieß es damals. „Das Gutachten soll nachgereicht werden und darauf warten wir noch“, sagte Hett. Vorher könne sich seine Behörde nicht mit den geplanten Fällungen befassen. Inzwischen schlagen die Wellen hoch am Starnberger See: Unter anderem der ehemalige Leiter des Weilheimer Forstamtes, Volker Rausch, der im „Ortsgestaltungs- und Verschönerungsverein Seeshaupt“ aktiv ist, ist fassungslos: „Das gibt es nicht, dass die Linden innerhalb von einem halben Jahr krank werden.“

Auch Klaus und Christina Voormann, die in Bernried leben und im „Bernrieder Vorsprung“ aktiv sind, haben sich zu Wort gemeldet. Sie bieten der Gemeinde Sees-haupt ihre Unterstützung an, damit die Bäume, falls möglich, stabilisiert und vor der Fällung bewahrt werden können. Das haben sie Bürgermeister Bernwieser auch in einem Brief mitgeteilt. Voormanns schreiben zudem, dass es sinnvoll sei, noch einen Experten mit einem Gutachten zu beauftragen.

Rückenwind bekommen sie diesbezüglich von Landschaftsplanerin Marika Hoyer aus dem Staatlichen Bauamt: Vor sieben Jahren habe ihre Behörde umfassende Baumpflegearbeiten an den Linden vorgenommen. Kranzpflege und Sicherungssschnitt hätten mehrere tausend Euro gekostet. „Damals war es so, dass wir davon ausgehen konnten, dass die Linden noch Jahrzehnte stehen werden.“ Auch vor einem Jahr sei noch alles in Ordnung gewesen. „Die Linden sind es wert, dass noch etwas in ihre Pflege investiert wird“, sagt Hoyer.

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