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Eigentlich hätte schon gefällt werden sollen, aber das Landratsamt hat gebremst. Inzwischen sind die Sperren wieder abgebaut – zumindest vorerst. 

Landschaftsschutzbeauftragte legt Posten nieder

Keine Ruhe in Seeshaupt: Müssen jetzt noch mehr Linden gefällt werden?

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Sieben Linden der Allee in Seeseiten wurden bereits gefällt - nun hätte Ruhe einkehren können. Doch nun ist von massiven Rückschnitten und erneuten Fällungen die Rede.

Seeshaupt – Nach der jüngsten Gemeinderatssitzung schlugen die Wellen wieder hoch: Bürgermeister Michael Bernwieser hatte bekannt gegeben, dass die Tutzinger Straße im Bereich der Lindenallee in Seeseiten gesperrt werden müsse wegen Baumpflege und Fällarbeiten. Und dass das künftig auch öfter der Fall sein werde, wenn das Wetter es erfordere sowie zudem von Mai bis November, solange Laub auf den Bäumen ist.

Die damals noch amtierende Baumschutzbeauftragte der Gemeinde, Barbara Kopf, erläuterte den Grund für diese Ankündigung: Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt habe in ihrem Bescheid zu Auflage gemacht hatte, dass die Linden von Baumpflegern gepflegt und geschnitten werden.

Lindenallee in Seeshaupt: Baumpflege- und Fällarbeiten sollen demnächst losgehen

Die von Fincksche Gutsverwaltung habe daraufhin nun zwei Baumpflegefirmen beauftragt. „Das hat schon zum Ziel, dass die Linden, die stehen bleiben, verkehrssicher sind – auch wenn sie belaubt sind“, sagte Kopf. Allerdings müssten noch weitere Linden entnommen – sprich gefällt – werden. Auch diese Arbeiten vergebe die von Fincksche Gutsverwaltung.

Zudem müsse so viel an Totholz abgeschnitten und in den Baumkronen abgesägt werden, „dass die Lindenallee ihre landschaftsprägende Funktion verlieren wird.“ Die Baumpflege- und Fällarbeiten würden demnächst losgehen, so Kopf. Und natürlich solle die Allee wieder aufgebaut werden, indem Bäume nachgepflanzt würden.

Mehr zum Thema: Nach letzter Sperrung - Gemeinderäte waren fassungslos. 

Landratsamt hatte Pläne gestoppt

Zunächst war wohl geplant, dass die Fällungen und die Baumpflegearbeiten schnell über die Bühne gehen, doch das Landratsamt hat diese Pläne gestoppt. Bei Hubert Wagner, dem zuständigen Sachbearbeiter, waren Ende der vergangenen Woche die Telefondrähte heiß gelaufen, weil viele Seeshaupter befürchteten, dass die Linden jetzt doch den Sägen zum Opfer fallen.

Seiner Information nach haben die Baumpfleger festgestellt, dass weitere Linden gefällt werden müssen, sagte Wagner. „Es hat geheißen, der ein oder andere Baum solle noch rauskommen.“ Und das wohl ziemlich schnell. Ursprünglich hätten ab Montag die Sägen aufheulen sollen. Er habe diese Pläne aber erstmal gebremst. „Wir treffen uns Ende der Woche mit den Besitzern und schauen uns die Bäume an“, sagte Wagner.

Fassungslosigkeit in der jüngster Gemeinderatsitzung

Die alte Lindenallee liegt im Landschaftsschutzgebiet, wo seine Behörde jede Fällung genehmigen muss. Außer es herrsche „Gefahr im Verzug“, eine Situation, die sofortiges Handeln nötig mache, wie zum Beispiel ein schief stehender Baum. Allerdings dürften nicht wegen einer abstrakten Gefahrensituation vollendete Tatsachen geschaffen und einfach Bäume gefällt werden, betonte Wagner.

Die Lindenallee besteht aus Grenzbäumen, für die die Gemeinde Seeshaupt und die Familie von Finck zu gleichen Teilen verantwortlich sind.

Barbara Kopf hat am Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt, dass sie ihren Posten als Baum- und Landschaftsschutzbeauftragte in der Gemeinde niederlegt: „Ich tue mir das nicht mehr weiter an“, sagte sie. Nach der vergangenen Gemeinderatssitzung sei sie fassungslos gewesen.

Sie legte dar, dass sie einen Großteil ihrer Arbeit rein ehrenamtlich erledigt habe. Die Lindenallee sei ein „wahnsinnig emotionales Thema“, bei dem man es mit Bürgern zu tun habe, die eigene Interessen verfolgen würden. „Man denkt, es ist eine große Katastrophe, dass Bäume gefällt werden.“

Lesen Sie dazu auch: Gemeine baut Sperrschilder in Seeshaupt wieder ab.

Sorge um Erhalt der Lindenallee

Unter denen, die für den Erhalt der Lindenallee gekämpft haben, greift nun die Sorge um sich, dass trotz des anders lautenden Bescheides nach und nach alle Linden der Allee gefällt werden. Der „Bund Naturschutz“, der „Bernrieder Vorsprung“ und der „Orts- und Gestaltungsverein Seeshaupt“ möchten nun beantragen, dass die Allee in Seeseiten zum Naturschutzdenkmal erklärt wird. Der Antrag wird vorbereitet.

Mehr zum Thema: Arbeiten an der Lindenallee: Bürgermeister findet Misstrauen „zum Kotzen“. 

kh

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