Kein Standort für Supermarkt geeignet

Teures Gutachten für die Tonne

Zahlreiche Zuhörer wollten in der jüngsten Gemeinderatssitzung erfahren, welchen Standort die Münchner Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) für einen neuen Supermarkt in Seeshaupt favorisiert. Doch das lang erwartete Gutachten sorgte für eine faustdicke Überraschung und lange Gesichter.

Derzeit gibt es mit dem Edeka in Seeshaupt nur einen Supermarkt.

Seeshaupt – Die von der Gemeinde für 12 852 Euro in Auftrag gegebene Analyse ist so stümperhaft, dass über ihren Inhalt nicht einmal diskutiert wurde. Schon im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung die GMA damit beauftragt, die Perspektiven der Nahversorgung zu untersuchen. Deshalb waren sowohl die ortsansässigen Händler als auch 1800 Haushalte zur aktuellen Situation in Seeshaupt befragt worden.

Das Ergebnis zeigte, dass sich rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Verbesserung vorstellen kann. Denn derzeit gibt es im Ort nur einen relativ kleinen Edeka-Markt mit wenigen Parkplätzen, viele Pendler erledigen ihre Besorgungen zudem in umliegenden Gemeinden. Während der damalige Bürgermeister Michael Bernwieser in der Studie einen „eindeutigen Bürgerwillen“ zu erkennen glaubte, gab es im Ratsgremium auch skeptische Stimmen. So kritisierte Armin Mell schon Anfang dieses Jahres die Untersuchungsmethodik der vermeintlichen Experten (wir berichteten). Gegen sechs Stimmen entschied die Ratsmehrheit schließlich, die Standortsuche voranzutreiben.

12 852 Euro für Gutachten gezahlt

Nach den Kommunalwahlen und dem Wechsel des Bürgermeisters erkundigten sich Zuhörer in der Ratssitzung nach dem Ergebnis, doch das neue Gemeindeoberhaupt Fritz Egold musste passen: „Mir ist nichts bekannt“, sagte er damals, musste aber jetzt in der jüngsten Sitzung einräumen, dass die GMA-Analyse bereits am 3. März bei der Verwaltung eingegangen war und die 12 852 Euro dafür auch bezahlt wurden.

Von den untersuchten fünf Standorten, so Egold, eigne sich keiner für einen weiteren Einkaufsmarkt, weil es überall Probleme mit der Bauleitplanung und den sich daraus ergebenden Konsequenzen gebe. Deutlich wurde Armin Mell: Er ließ kein gutes Haar an der Studie, die er als „fragwürdig und unbrauchbar“ bezeichnete.

„Denn kein Seeshaupter wird wohl mit der Bahn zum Einkaufen fahren“, sagte er zum Inhalt, der methodische Vorgaben vermissen lasse. Es gebe auch keine Gewichtung der Kriterien, zudem sei die Punktevergabe für die einzelnen Standorte nicht schlüssig – „sowas geht gar nicht!“ Darüber waren viele Ratsmitglieder wie Stefan Müller enttäuscht und sichtlich verärgert. „Jetzt wird das Ganze auf die lange Bank geschoben und wir drehen uns im Kreis“, befürchtete er. Petra Eberle meinte, ein solches Gutachten könne keinesfalls die Basis für ihre Entscheidung bilden; sie zeigte sich verwundert darüber, dass die Bezahlung erfolgte, bevor überhaupt ein Ratsmitglied die Studie zu Gesicht bekam.

Nur 723 Seeshaupter hatten sich geäußert

Max Amon erinnerte in der lebhaften Diskussion daran, „dass ich von Anfang an nicht begeistert über diese Studie war“. Nicht die Kommunalpolitiker, sondern alle Bürger sollten darüber entscheiden, ob Seeshaupt einen zweiten Supermarkt brauche. Bei einer Umfrage in der Dorfzeitung hatten sich nur 723 Seeshaupter geäußert. „Was nun?“, lautete die schwierige Frage für den neuen Gemeinderat. „Wir müssen zu klaren Ergebnissen kommen“, stellte Amon fest.

Deshalb folgten die Gemeinderäte einer Empfehlung des Bürgermeisters, sich bei einem Workshop im Herbst gemeinsam Gedanken zu machen, wie es jetzt weitergehen könne. Ein Termin für dieses Treffen steht noch nicht fest.

Peter Stöbich

Rubriklistenbild: © Peter Stöbich

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