Verwaist ist das Vier Sterne Superior-Hotel „Hideaway“in Seeshaupt.
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Verwaist ist das Vier Sterne Superior-Hotel „Hideaway“in Seeshaupt.

Die Freude ist jedoch gedämpft

Vier Sterne und null Gäste - das „Hideaway“ gehört jetzt zur gehobenen Hotellerie

Als erstes Hotel am Starnberger See ist das „Hideaway“ jetzt mit vier Sternen Superior des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) ausgezeichnet worden. Die Freude über die erfolgreiche Zertifizierung ist bei Direktor Ernst Karl Schassberger und seinem Team aber gedämpft.

  • Das „Hideaway“ in Seeshaupt ist jetzt mit vier Sternen Superior ausgezeichnet worden
  • Die Freude darüber ist jedoch gedämpft
  • Wegen Corona sind dort keine Gäste erlaubt

Seeshaupt – Die stade Zeit gilt für die Nobelherberge in Seeshaupt wörtlich: Zimmer und Suiten, Restaurant und Wellnessbereich sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen, so dass der Zufluchtsort (so heißt hideaway auf Deutsch) momentan wie ein verwaistes Geisterschloss wirkt. Erst ab April kommenden Jahres seien wieder Buchungen ab 150 Euro pro Nacht möglich, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

„Hideaway“ gehört offiziell zur gehobenen Hotellerie

Dass es jetzt ganz offiziell zur gehobenen Hotellerie gehört, freut Schassberger. „Die Bewertungsjury hat das ganze Haus komplett durchleuchtet“, erzählt er, „das ging von der Qualifizierung unserer Mitarbeiter bis zur Minibar und zur Auswahl der Weine.“ Aber was nützen vier Sterne Superior, wenn die Betten und die Plätze im Lokal „Lakeside 800 Grad“ wochenlang verwaist bleiben? Man merkt dem Chef seine Enttäuschung an, wenn er sagt: „Über Silvester wären wir so gut wie ausgebucht gewesen.“

Und auch die Weihnachtsfeiern fielen wegen Corona ebenso aus wie viele Hochzeiten und andere Veranstaltungen in den vergangenen Monaten. „Manches ist zwar auf 2021 verschoben, aber in der Summe wird uns die Pandemie voraussichtlich Umsatzeinbußen in sechsstelliger Höhe bescheren.“ Als das Hotel in Seeshaupt noch geöffnet war, galt wegen Corona ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept, berichtet Schassberger: „Wie in einem englischen Cottage haben wir vor Anreise der Gäste die benötigten Servicezeiten abgestimmt. Kontaktlose An- und Abreise waren möglich, Frühstück wurde im Zimmer serviert, und es gab aufwändige Reinigungsprozeduren im ganzen Haus.“

Es wird großer Wert auf Atmosphäre gelegt

Das markante weiße Gebäude direkt am Ufer des Starnberger Sees ist im englischen Landhausstil gehalten, weil der Eigentümer Lars Kaiser, ein Kölner Bauunternehmer, passionierter England-Liebhaber und Sammler ist. Kostbare Gartenbücher laden in der geräumigen Kamin-Lounge, die mit ihren großen Ledersofas und -sesseln an einen britischen Club erinnert, zum Verweilen und Schmökern ein. Im Restaurant sitzt man auf einem lila Sofa und blickt auf das grüne Geäst der „Erdbeerdiebe“ (Strawberry Thieves) – eine Original-Tapete von William Morris. Warme Farben, edles Echtholzparkett und großzügige Deckenhöhen sorgen für viel Luft, Licht und Raum.

Der ehemalige Sternekoch Schassberger sieht sich nach eigenen Worten als Gastgeber, der großen Wert auf eine und herzliche Atmosphäre legt. Gemeinsam mit seinem Restaurantleiter Davide Capodieci will er mit einem offenen Hotel- und Restaurantkonzept überzeugen, bei dem laut Werbung „der Alltag draußen bleibt“.

Bis zum Frühjahr bleiben auch die Gäste draußen und das Hideaway-Team hofft, dass der Betrieb wenigstens danach wieder einigermaßen normal weiterlaufen kann.

VON PETER STÖBICH

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