Gesang bestimmte neben Akrobatik das Programm des Circus „Mother Africa“ in der Stadthalle. Foto: Gronau

Entspannte Fröhlichkeit

Weilheim - Entspannte Fröhlichkeit Der Circus „Mother Africa“ begeisterte in der vollbesetzten Stadthalle mit seiner turbulent-kreativen Schau

Vieles, was für uns selbstverständlich ist, gibt es in Afrika nicht. Trotzdem lassen die Menschen nicht resignierend den Kopf hängen - manche stellen ihre Welt einfach auf den Kopf und lassen kleine Wunder geschehen“: Diese Lebensphilosophie steht im Programmheft zur zehnjährigen Jubiläumsshow von „Mother Africa. Und damit ist eigentlich alles zusammengefasst, denn was die Truppe um Gründer Winston Ruddle am Mittwochabend in der vollbesetzten Weilheimer Stadthalle bietet, grenzt an ein Wunder.

Ganz tief taucht man ein in die Welt Afrikas, mit ihren schillernden Farben und Kostümen, mit Livemusik, mit authentischen Musikinstrumenten, mit atemberaubender Akrobatik und mit feurigen Tänzen - und das Ganze präsentiert mit einer entwaffnend ansteckenden Lebensfreude. Binnen Sekunden verfallen die Besucher dieser entspannten Fröhlichkeit.

Die 40 Artisten aus sieben afrikanischen Nationen begeben sich in ihrer neusten Show „Khayelitsha - My Home“ gemeinsam nach Khayelitsha, einer der größten Townships Südafrikas. Am Stadtrand von Kapstadt entstand 1950 die „neue Heimat“, so heißt Khayelitsha auf Deutsch. In selbst gebauten Hütten leben hier rund zwei Millionen Menschen. Die Einfachheit der Lebensform, aber auch die dadurch bedingte Kreativität der Menschen, spiegeln sich in der zweistündigen Show wider.

Der „Circus der Sinne“, wie „Mother Africa“ seine Show auch bezeichnet, ist aus einem Guss und verdient diese Bezeichnung zu Recht. Spektakuläres wird hier vollkommen unspektakulär mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit präsentiert. Es gibt keine aufwändig-protzigen Requisiten. Es genügen Springseile, bunte Hulla-Hupp-Reifen, schrill bemalte Waschschüsseln aus Blech, kurios zusammengesetzte und funktionierende Fahrräder und eine einfache Leiter, um damit Akrobatik vom Feinsten zu präsentieren. Rhythmik wird mit Steinen, mit aufprallenden Basketbällen, mit Blechkannen und allerlei Fässern gemacht.

Man will, man muss einfach mitstampfen, klatschen, sich dem exotischen Klang, dem Takt der Show ergeben. Zu erleben ist Breakdance in den fantasievollsten Variationen, zu sehen sind Menschenpyramiden, die in unvorstellbaren Formationen aufeinander getürmt werden. Ein Akrobat baut aus allerlei bunten Röhren einen hohen, wackeligen Turm, auf den er sich noch mit einem Brett stellt. Gut, dass die Stadthalle so hoch ist. Ein Verrenkungskünstler sorgt für Aufsehen, da er aus Gummi zu bestehen scheint, die aparte Hulla-Hupp-Dame koordiniert ihren Auftritt mit Händen und Füßen.

All das spielt sich nicht einfach auf einer hübsch dekorierten Bühne ab. Die Show entführt in das volle Leben einer Township: auf den Marktplatz, wo allerlei Dinge feilgeboten werden: auf eine Baustelle, auf der es drunter und drüber geht. Es sind die vielen Nebenschauplätze, die das Ganze so vollendet machen. Jeder Artist agiert irgendwie, auch wenn er gar nicht direkt im Rampenlicht steht. Und das ist schön.

Hier wird Lebensfreude ohne Starallüren, ohne verkrampftem Perfektionismus, ohne aufgesetztes Spektakel präsentiert. „Wenn die Sonne untergeht, machen die Menschen in den Townships die Nacht zum Tag - und lassen Geschichte und Geschichten Afrikas lebendig werden“, steht im Programm. Genauso war es!

Regina Wahl-Geiger

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