„LR Fahrzeugbau“ will vorerst nicht umziehen

Gemeinde fühlt sich von Firma über den Tisch gezogen

Seeshaupt - Die Gemeinde ist verstimmt:  „LR Fahrzeugbau“ hat Genehmigung für Wohnblock erhalten, zieht vorerst nicht nach Seeshaupt.

 In der Bausache „Hermes-Gelände“ fühlt sich der Gemeinderat von Frank Otto über den Tisch gezogen. Der Besitzer und Seeshaupter Geschäftsmann sah sich dagegen auf der Dienstagssitzung zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Otto hatte vom Arzneimittelhersteller „Hermes“ dessen seit zwölf Jahren mehr oder weniger leerstehendes Gebäude am Flurweg gekauft. In die Produktionshallen wollte Otto, ehemals Geschäftsführer und jetzt Gesellschafter der „LR Fahrzeugbau GmbH und Co.KG“, den Firmensitz von Wolfratshausen nach Seeshaupt verlegen, weil am alten Firmensitz das Mietverhältnis zum 31. Mai 2015 endete. Zur Teilfinanzierung sollte über einen Investor anstelle des Verwaltungsgebäudes ein Wohnhaus mit 18 Eigentumswohnungen und zwei Büros entstehen. Und hier liegt der Knackpunkt, denn dafür musste im Bebauungsplan das Gewerbegebiet in ein Mischgebiet umgewandelt werden.

Wegen der Aussicht auf Arbeitsplätze und einen guten Gewerbesteuerzahler, der Autokonzerne wie „Audi“ und „Daimler“ zu seinen Kunden zählt, befürwortete der Gemeinderat die Änderung, verknüpft mit der Auflage, dass das Wohnhaus erst nach Inbetriebnahme der gewerblichen Gebäude gebaut werden dürfe.

Nun hat sich die Ausgangslage verändert: Obwohl der Gemeinde die enge Terminplanung von Anfang an bekannt gewesen sei, so Otto auf Anfrage, habe er die Baugenehmigung für den Wohnblock erst vor drei Wochen bekommen. Deswegen sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als schon im Sommer den Mietvertrag in Wolfratshausen zu verlängern und den Firmensitz vorerst dort zu belassen, die Firma hätte sonst auf der Straße gestanden. In Seeshaupt nutzt er nun einen Teil der „Hermes-Hallen“ als Lager für seine Firma, einen Teil hat er an zwei Gewerbetreibende mit insgesamt rund 40 Angestellten vermietet. Das entspräche der Größenordnung seiner Firma, der Gemeinde entstehe „also kein Nachteil“.

Bürgermeister Michael Bernwieser wiederum erklärte die unfreundlichen Untertöne bei der Sitzung damit, dass Otto ihn erst nach Erteilung der Baugenehmigung informiert habe, dass der Firmensitz vorerst in Wolfratshausen bleibe. Bei der Sitzung war sogar von „Immobilien-Spekulation“ die Rede. Einige Gemeinderäte wie Fritz Egold waren davon ausgegangen, dass die „LR Fahrzeugbau“ das Grundstück gekauft habe und nicht Otto persönlich. Suspekt erschien so manchem auch, dass Otto inzwischen „nur“ noch Vertriebsleiter der Firma sei. Das liege schlicht und einfach am deutschen Steuerrecht, so Otto. Ein „geschäftsführender Gesellschafter“ dürfe seine Immobilie nicht an sein eigenes Unternehmen vermieten.

Über das weitere Procedere wird am kommenden Montag, 21. Dezember, 20 Uhr, in einer Sondersitzung entschieden. Die Gemeinde müsste wohl mit Schadensersatzforderungen rechnen, sollte sie die Genehmigungen rückgängig machen. Denn Otto habe alle Auflagen erfüllt, so der Anwalt der Gemeinde, Jürgen Busse: Eine frühzeitige Info, dass der Umzug doch nicht zustande kommt, sei nur „eine moralische Verpflichtung“.

 Renate von fraunberg

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