Auf diesem Grundstück (re.) an der Hauptstraße am Sindelsdorfer Ortsrand soll die Kunsthalle entstehen – zusammen mit einer Gewerbehalle für einen Steinmetzbetrieb.
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Auf diesem Grundstück (re.) an der Hauptstraße am Sindelsdorfer Ortsrand soll die Kunsthalle entstehen – zusammen mit einer Gewerbehalle für einen Steinmetzbetrieb.

Debatte im Gemeinderat

Auf den Spuren des Blauen Reiters: Eine Kunsthalle in Sindelsdorf?

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Eine Kunsthalle möchte Yvonne Fontane auf einem unbebauten Grundstück an der Hauptstraße in Sindelsdorf errichten. Mit Ausstellungsraum, kulturellen Veranstaltungen und Workshops für Jung und Alt. Der Gemeinderat steht dem Vorhaben prinzipiell aufgeschlossen gegenüber, sagt dazu aber trotzdem erst einmal Nein.

Sindelsdorf – Eine Brücke schlagen von der Künstlervereinigung des Blauen Reiter, der den kleinen Ort Sindelsdorf so stark geprägt hat, zum zeitgenössischen Kunstgeschehen: Das möchte Yvonne Fontane mit ihrer Kunsthalle tun, die am Ortsrand von Sindelsdorf entstehen soll. Wie die Künstlerin und Musikerin den Gemeinderäten in deren jüngsten Sitzung erläuterte, möchte sie hier unter anderem selbst an ihren Werken arbeiten. Zudem sollen regionale, aber auch nationale und internationale Künstler ihre Werke ausstellen können. Außerdem plane sie, so Fontane, Räumlichkeiten für Workshops zu vermieten. Auch kunstbezogene Projekte – etwa mit Kindern und Senioren – könnte sie sich hier vorstellen.

Auf einer kleinen Bühne solle zudem „akustische Kunst“ stattfinden, sagte Fontane, und nannte als Beispiele Lesungen, Konzerte sowie Auftritte von Liedermachern oder Komikern. Etwa 75 Gäste sollen hier Platz finden.

Es waren in erster Linie diese geplanten Abendveranstaltungen, an denen sich die Sindelsdorfer Räte störten. Dass es an der 23 Meter langen und zehn Meter breiten Kunsthalle mit Erd- und Obergeschoss kleinere Änderungen in der Entwurfsplanung bedürfe, war dagegen eher nebensächlich. Zwar sahen viele Räte das Projekt grundsätzlich „als Bereicherung für das Dorf“ an. Sie befürchten aber, durch die abendlichen Veranstaltungen bis 22 Uhr, die viele auswärtige Besucher anziehen könnten, ein massives Parkplatzproblem im gesamten Dorf zu bekommen. Außerdem fürchten sie eine starke Lärmbelastung für die Anwohner, und als Folge davon jede Menge Ärger im Dorf. „Ich sehe das sehr problematisch“, sagte etwa Veronika Sonner (CSU) und verwies darauf, dass zumindest im Sommer geöffnete Fenster die Lärmbelästigung für die umliegende Wohnbebauung zusätzlich verstärken dürfte.

Bürgermeister Andreas Obermaier sah das ähnlich. Er erläuterte jedoch, dass das Vorhaben im Mischgebiet entstehen solle. Hier würden andere Lärmgrenzen gelten als in einem reinen Wohngebiet. Klaus Lantenhammer regte den Bau eines Lärmschutzwalls an. „Grundsätzlich finde ich das eine geile Sache“, betonte der UWS-Gemeinderat, forderte von Fontane jedoch ein detaillierteres Konzept.

Manfred Dangl, der Partner von Fontane, betonte, dass abendliche Veranstaltungen durchschnittlich einmal im Monat stattfinden sollen. „In erster Linie ist es eine Galerie und ein Schaffensraum für Kunst“, erläuterte Dangl. Um das Problem der Parkplätze aber zu lösen, habe man bereits darüber nachgedacht, bei Veranstaltungen einen Shuttlebus einzusetzen. Sindelsdorf wolle doch immer ein Künstlerdorf sein, monierte Dangl. „Aber wenn jemand die Hosen an hat und was machen will, dann legt man ihm Knüppel zwischen die Beine.“

Im vorderen Grundstücksteil möchte Dangl, anschließend an die Kunsthalle, eine neue Gewerbehalle für seinen Steinmetz-Betrieb errichten. Da Teile des Gebäudes aber außerhalb der Baugrenzen errichtet werden sollen, wurde das gemeindliche Einvernehmen für den Bau dieser 17,5 Meter mal acht Meter großen Halle vorerst verweigert. Dangl müsse die Planung ändern. Dann sieht Obermaier „kein Problem“ mehr.

Anders bei der Kunsthalle: Hier gelte es, danach zu entscheiden, was das Beste für den Ort sei, betonte Obermaier. Einen Shuttlebus sah das Gremium nicht als Lösung des Parkplatzproblems. Obermaier würde gerne die Bevölkerung im Rahmen einer Infoveranstaltung in die Entscheidung einbeziehen – was wegen der Pandemie nicht möglich sei. Fontane beteuerte, sie werde bei den weiteren Planungen einen Akustiker zu Rate ziehen und die Anwohner informieren. Das gemeindliche Einvernehmen verweigerten die Räte an diesem Abend zwar. Sollte Fontane aber ein gutes Konzept vorlegen, in dem die Themen Lärm und Parken berücksichtigt werden, wollen sie erneut darüber beraten.

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