Justitia
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Im Zweifel für den Angeklagten. Und Zweifel gab es viele.

Aus dem Gerichtssaal

Freispruch nach angeblichem Schlag

Der Fall hatte für Aufregung gesorgt. Ein Mann soll im Juli letztes Jahr in Sindelsdorf einen kleinen Jungen (8) mit zwei Faustschlägen in den Bauch so verletzt haben, dass dieser ins Krankenhaus musste (wir berichteten). Nun wurde die Sache vor dem Amtsgericht Weilheim verhandelt.

Sindelsdorf – „Das Ganze ist mir zu dünn“, erklärte Jugendschutzrichterin Claudia von Hirschfeld und sprach den Mann frei. Auch die Staatsanwältin hatte auf Freispruch plädiert. Zu vage waren die Aussagen des Buben, den die Richterin mit sehr viel Fingerspitzengefühl vernahm. Alle Fragen an den kleinen Zeugen, auch die der Staatsanwältin und des Verteidigers, wurden dem Jungen über die Richterin gestellt.

Sehr offen und gar nicht schüchtern berichtete der Bub, was letztes Jahr angeblich geschehen war. So war er mit seinem Kumpel mit dem Fahrrad unterwegs. Am Sportplatz in Sindelsdorf sei er dann an den Hunden des Mannes vorbeigefahren. Der Mann habe ihn deswegen geschimpft. Er sei abgestiegen, um sich zu entschuldigen, und da habe der Mann ihn zweimal mit der Faust in den Bauch geschlagen, so der Junge. Er beschrieb den Täter als jung, mit schwarzen Haaren. Auf die Frage der Richterin, ob von den beiden anwesenden Männern (der Angeklagte und sein Verteidiger) einer der Täter sein könne, schüttelte der Junge den Kopf und sagte, dass der Mann ganz anders ausgesehen habe.

Der Bub hatte zunächst seiner Mutter nichts erzählt von dem Vorfall. Erst am nächsten Morgen klagte er über Bauchweh, musste sich übergeben. Dann erfuhr die Mutter seine Geschichte. Im Krankenhaus konnte nichts festgestellt werden, keine Hämatome am Bauch, der Ultraschall zeigte nichts. Auch im Starnberger Kinderkrankenhaus, in das man den Jungen vorsorglich überwies, konnte keine Diagnose gestellt werden. „Meinem Sohn ging es sehr schnell wieder besser“, sagte die Mutter. Sie erstattete aber Anzeige gegen Unbekannt.

In einem Presseaufruf wurden Zeugen diese möglichen Vorfalls gesucht. Und so kam es, dass der angebliche Täter sich meldete. „Ich las das, und dachte, dass ich dazu etwas sagen kann, da ich an besagtem Tag mit meiner Frau am Sportplatz war“, erklärte er vor Gericht und schilderte ganz ruhig seine Version der Geschichte. Mit seiner Frau habe er am Sportplatz an diesem Tag Bogenschießen geübt. Zwei Jungen seien auf einem Fahrrad angekommen. Einer fuhr auf der Straße weiter, ein anderer sei hinter seinem Auto an den an einem Pfosten angeleinten Hunden vorbeigefahren, die dann fürchterlich gebellt hätten. „Der Junge hat nicht angehalten, sich aber umgeschaut und sich entschuldigt“, sagte der Mann. Für ihn sei dann alles in Ordnung gewesen. Er konnte sich nicht erklären, wieso der Junge etwas von Faustschlägen erzählt hat.

Irgendetwas muss später vorgefallen sein, so seine Vermutung, etwas, das beide Jungen zunächst gar nicht erzählen wollten. Denn auch der Freund des Jungen hatte seiner Mutter erst am nächsten Tag von einem Vorfall mit Fausthieben geschildert, den er gar nicht mitbekommen habe, von dem ihm aber sein Kumpel erzählt haben soll. Der wiederum behauptete, seinem Freund gar nichts erzählt zu haben. Auf die Frage der Richterin, welche Farbe das Auto des Mannes gehabt hatte, gab der Junge an, dass es ganz sicher ein dunkelblaues gewesen sei. Der Angeklagte fährt ein weißes Auto. Von Regina Wahl-Geiger

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