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Das Missionskreuz an der Sigmundstraße war der Auftakt zur Kreuz-Rundfahrt. Fachmann Hans Edlfurtner (hinten Mitte mit weißer Tüte) hatte an jeder der 14 Stationen Infos parat.

„Tag des offenen Denkmals“  

Spannende Radtour zu Penzbergs Kreuzen

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In Penzberg gab es viel zu entdecken: Der Denkmalverein lud zur Radtour ein. Ziel waren Feld- und Wegkreuze.

Penzberg – Mehr als 7500 historische Bauten, Parks und archäologische Stätten öffneten beim bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ ihre Türen. 14 Exponate steuerte der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte zu diesem viel besuchten Ereignis zwischen Nordsee und Alpen bei: So viele Stationen umfasste die 16 Kilometer lange Radtour zu Feld- und Wegkreuzen rund um Penzberg.

Für die knapp 20 Teilnehmer eröffnete sich der Blick auf eine weitgehend verborgene Welt. Denn viele Zeichen des Glaubens liegen versteckt am Wegesrand, manche auf privaten Grundstücken. Die Strecke führte von der Innenstadt über Heinz, Schwaig, Zisthof, Eitzenberg, Neukirnberg nach Wölfl. An jeder Station erklärte Hans Edlfurtner vom Verein fachkundig die Geschichte und Bedeutung des jeweiligen Kreuzes. Glaubenszeugnisse, Bittgesuche oder ein Dank – die Gründe für die Errichtung eines Kreuzes waren vielfältig, sagte Edlfurtner.

Start war an der Christkönigkirche. Hier an der Sigmundstraße, mitten in der Stadt, ragt – von kaum einem Passanten beachtet – ein besonderes Exemplar in die Höhe. Laut Edlfurtner handelt es sich um ein Missionskreuz. Um 1937 war es für die Volksmission im Pfarrgarten der einst dort stehenden Barbarakirche aufgestellt worden. Im Lauf der Zeit war das Kreuz jedoch „durch die Witterung sehr stark beschädigt worden“, wusste Edlfurtner seinen aufmerksamen Zuhörern zu berichten. Erst Pfarrer Hans Mayr, der von 1978 bis 1983 in der Stadt wirkte, ließ es auf seine Kosten renovieren und wieder aufstellen.

Nach einigen Minuten ging es weiter Richtung oberen Kreisel zur nächsten Station. Am Ende wurde aus den geplanten zwei Stunden immerhin ein dreistündiger Fahrrad-Spaziergang. „Wir haben mit der Zeit ein bisserl überzogen“, berichtete Edlfurtner später. Er zog eine positive Bilanz: „Die Leute waren sehr aufmerksam.“ Der 67-jährige Kreuzexperte nahm sogar selbst einige fachliche Anregungen von Teilnehmern mit nach Hause. Edlfurtner hat sich die letzten zweieinhalb Jahre intensiv mit der Materie auseinandergesetzt: Der Denkmalverein dokumentiert die Feld- und Wegkreuze auf Penzberger Flur. Er hat schon ein Exemplar restauriert: das Kreuz in Glashütte bei Nantesbuch. Von der Bürgerstiftung hatte es 2016 als Unterstützung für das Projekt 500 Euro gegeben. Für Edlfurtner ist die Kreuz-Kartierung eine wichtige Aufgabe: „Es wurde höchste Zeit, dass man sich darum gekümmert hat“, sagt er mit Blick auf die immer geringer werdende Zahl an Quellen. Allerdings konnten aus zeitlichen Gründen nur die Hälfte der existierenden Kreuze in die Radtour einbezogen werden, wie Vorsitzender Alexander Peren erklärte.

Im Verein denkt man darüber nach, das Projekt vielleicht als Buch zu bringen. Damit hat man gute Erfahrungen gemacht: 2015 brachte der Verein sein viel beachtetes Werk „Schmelztiegel Penzberg“ über die Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Penzberg eine neue Heimat gefunden hatten, heraus. Fachmann Hans Edlfurtner könnte sich auch eine Fortsetzung der Kreuz-Rundtour vorstellen – „dann im südlichen Teil der Stadt.“

Der Denkmalverein nimmt seit Jahren aktiv an dem „Tag des offenen Denkmals“ teil. So stand die Fernwärmeversorgung des einstigen Bahnkraftwerks bis hinunter in den Keller der Christkönigkirche und zuletzt 2016 das Ensemble rund um Bahnhof und Philippstraße auf dem Programm.

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