+
Da soll es hingehen: Sparkassen-Vorstandschef Thomas Orbig äußert sich zur Zukunft seiner Bank.

Geschäft in Krisenzeiten

Sparkasse Oberland: Filialen kommen auf den Prüfstand

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
    schließen

Trotz Corona-Krisenzeiten laufen die Geschäfte bei der Sparkasse Oberland gut. Wie es mit dem Filialnetz weitergeht, steht jedoch in den Sternen. Die Bank will sich bei Technik und Service neu aufstellen – unrentable Standorte stehen auf dem Prüfstand.

Landkreis – Das böse Wort „Schließung“ nimmt Thomas Orbig nicht in den Mund. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberland, seit zwei Jahren auf dem Posten, meidet es, wie der Teufel das Weihwasser. Dass sich sein Geldinstitut neu definieren muss, dementiert der oberste Banker allerdings nicht. Noch heuer wird sich der Verwaltungsrat mit den Standorten befassen, kündigt er der Heimatzeitung an.

Geschäfte laufen gut

Grundsätzlich laufen die Bankgeschäfte in der Krisenzeit gut, ist vom Vorstandschef zu hören. Mit der Tendenz sei man „sehr zufrieden“ und auf Plankurs. Die Einlagen sind um 2,5 Prozent gewachsen. Stand jetzt liege man bei einer Jahresbilanz von drei Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2019 standen 2,9 Milliarden Euro zu Buche.

Die Wertpapierumsätze kletterten um 60 Prozent in die Höhe. Ebenfalls weisen die Immobilien- und die Lebensversicherungssparte ein Plus auf. Auch das Online-Banking „ist nach oben gegangen“, so Orbig. Grundsätzlich zählt das Institut Nutzungsquote von über 60 Prozent bei seinen Kunden. Die Sparkasse hat zudem ihr telefonisches Kundencenter verstärkt – 50 Prozent mehr Anfragen und Aufträge sind es. Parallel dazu gibt es aber eine gravierende Einbuße: „Wir haben einen rapiden Einbruch bei Bargeldabhebungen.“ Ob die Bilanz weiter so rosig ausfallen wird, ist unklar. Die Krise „hat Auswirkungen auf die Sparkasse möglicherweise in zwei, drei Jahren“, sagt Orbig – wenn Kreditforderungen nicht mehr bedient werden.

Kräfte gebündelt

Eine generell positive Entwicklung, obwohl die Sparkasse – 29 Filialen mit Personal und circa 480 Mitarbeiter (360 in Vollzeit) – derzeit Standorte geschlossen hat. 13 Filialen sind laut Sprecher Robert Christian Mayer mittlerweile wieder offen. Die teilweise Schließung kleinerer Standorte begründet die Sparkasse mit Personalengpässen, man habe Kräfte woanders bündeln müssen.

Orbig spricht von „einer Riesenherausforderung für uns“. Die Sparkasse war vor allem mit staatlichen Hilfskrediten für Unternehmen beschäftigt. „Fast alle Branchen waren betroffen.“ Nicht alle Firmen hatten ausreichend Liquidität. Die Sparkasse zählt bislang um die 720 Geldeingänge auf Kundenkonten – von 5000 bis 35 000 Euro. Insgesamt flossen rund 34 Millionen Euro an staatlichen Liquiditätshilfen an regionale Betriebe. Circa 200 Anträge mussten bearbeitet werden, 80 Prozent wurden positiv beschieden. Wer eine Absage bekam, erfüllte nicht die Kriterien. Oder die Firma „war nicht mehr gesund“, so Orbig.

Umbau der Geschäftsstellen

Unabhängig von Corona treibt die Traditionsbank ihre Umgestaltung voran. Orbig schwärmt von einer „Multikanal-Sparkasse“ Man setzt noch mehr auf Digitalisierung und einen Ausbau der Kundenbetreuung. „Peu á peu“ werde man das Geschäftsstellennetz umbauen, kündigt der Vorstandschef an. In Steingaden wird gerade der Anfang gemacht. Das dortige Interieur stamme noch aus den 1970er Jahren. „Das schaut aus wie in einer Behörde.“ Auf die Frage nach der generellen Zukunft der Filialen, will sich Orbig nicht festlegen. „Es steht noch nicht komplett fest, wie wir uns neu ausrichten.“ Man sei in der Planungsphase, heißt es. Klar ist allerdings, dass auch die Sparkasse einen Rückgang der Kunden vor Ort abfedern muss.

Kooperation mit VR-Bank?

Auch Kooperationen „mit den Genossen“ sind möglich, erklärt Orbig. In Polling und Oberhausen betreibt die die Sparkasse mit der VR-Bank Werdenfels zwei Standorte. Vielleicht eine Möglichkeit für Pähl, wo die VR-Banker die Segel streichen. Sparkassen-Chef Orbig sagt aber auch, dass „Nähe nicht räumliche Nähe“ bedeutet, sondern „Emotionen“ im Umgang mit den Kunden. Filialen werden auf den wirtschaftlichen Prüfstand gestellt. „Es wird möglicherweise ein bis zwei Standorte geben, wo man die letzten fünf Jahre nicht betriebswirtschaftlich gehaushaltet hat.“ Die VR-Bank Werdenfels hat bereits das Aus für sechs Filialen angekündigt. Sollte es bei der Sparkasse Oberland einen Schnitt geben, werde dieser aber laut Vorstandschef „nicht so krass ausfallen wie bei den Genossen“.

Lesen Sie auch: VR-Bank: Bürgermeister suchen Lösungen.

Ebenfalls interessant: Corona-Krise: Sparkasse warnt davor, Bargeld zu horten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landwirtschaftsschule Weilheim verliert Ausbildungszweig - Bauernverband übt Kritik
Der Schulstandort Weilheim ist künftig um eine Ausbildungsrichtung ärmer:  Ein Zweig der Landwirtschaftsschule wird, wie jetzt bekannt wurde, dicht gemacht. Kritik an …
Landwirtschaftsschule Weilheim verliert Ausbildungszweig - Bauernverband übt Kritik
Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger richtet mahnende Worten an eine Personengruppe
Ein Wolf treibt sich in einem Landkreis in Oberbayern herum. Das bestätigte das bayerische Landesamt für Umwelt. Die Identifizierung ist eindeutig.
Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger richtet mahnende Worten an eine Personengruppe
Durch Weilheim mit dem Lastenrad
In Weilheim kann erstmals ein Lastenfahrrad ausgeliehen werden. Die Idee dazu hatten Geschäftsleute in der Innenstadt.
Durch Weilheim mit dem Lastenrad
Kino am Trifthof in Weilheim bleibt zu - der Grund macht traurig
Seit mittlerweile 15 Wochen sind die Kinos der Kinobetriebe Wolf geschlossen. Die Wiedereröffnung war für den 16. Juli anberaumt, jetzt wird sie doch verschoben.
Kino am Trifthof in Weilheim bleibt zu - der Grund macht traurig

Kommentare