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Aus Sicherheitsgründen: Stadtmuseum bleibt großteils geschlossen

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Von: Magnus Reitinger

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Die Tür zur Dauerausstellung in den oberen Stockwerken des Stadtmuseums bleibt zu – eine schmerzliche Entwicklung für (v.l.) Weilheims Kulturreferentin Ragnhild Thieler, Museumsleiter Tobias Güthner, Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer und Katrin Fischer, die im Stadtbauamt für die Museumssanierung zuständig ist.
Die Tür zur Dauerausstellung in den oberen Stockwerken des Stadtmuseums bleibt zu – eine schmerzliche Entwicklung für (v.l.) Weilheims Kulturreferentin Ragnhild Thieler, Museumsleiter Tobias Güthner, Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer und Katrin Fischer, die im Stadtbauamt für die Museumssanierung zuständig ist. ©  Ruder

Hiobsbotschaft aus dem Weilheimer Stadtmuseum: Die Dauerausstellung in den oberen Stockwerken wird nicht mehr für Besucher geöffnet. Grund dafür sind Probleme beim Brandschutz und mit der Elektrik – sowie fehlende Unterlagen.

Weilheim – Das Quartett, das am Donnerstag zum Pressegespräch neben dem Museum am Marienplatz gebeten hatte, war sichtlich geknickt. Denn es waren schlechte und auch ein bisschen heikle Nachrichten, die Museumsleiter Tobias Güthner, Weilheims Kulturreferentin Ragnhild Thieler, Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer und die zuständige Bauamts-Mitarbeiterin Katrin Fischer zu überbringen hatten: Auch nach der Corona-Zwangspause bleibt das Stadtmuseum großteils geschlossen. Die historisch und künstlerisch bedeutsame Dauerausstellung in den oberen Stockwerken darf für Besucher nicht mehr geöffnet werden – aus Sicherheitsgründen.

Dass diese Gründe so plötzlich und unerwartet aufschlugen, hat einen leicht peinlichen Hintergrund: Es liegt keine offizielle Nutzungsänderung vor, laut der die Obergeschosse des denkmalgeschützten, 1788 in seiner heutigen Form erbauten Hauses als Museum genutzt werden dürfen. Ein solches sind sie zwar schon seit 1966 (nachdem dort über die Jahrhunderte unter anderem das Rathaus, Klassenzimmer, die Sparkasse und ein Postamt untergebracht waren). Doch im Zuge der Vorbereitungen für die geplante Sanierung kam nun heraus, dass der nötige Antrag auf Nutzungsänderung aus den 1960er Jahren – von einem Verwaltungsgebäude hin zu einem Museum – nur für das Erdgeschoss vorliegt. Für die oberen Stockwerke haben auch ausgiebige Recherchen, bis hin zum Staatsarchiv in München, nichts zutage gefördert.

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Und das hat nun weitreichende Folgen. Um die Obergeschosse weiterhin für die Öffentlichkeit nutzen zu können, müsste nachträglich eine Baugenehmigung erstellt werden, wie Stadtbaumeisterin Roppelt-Sommer erklärte. Doch dafür wären erhebliche Brandschutzmaßnahmen samt Schaffung eines zweiten Rettungsweges nötig. Zudem brachte eine Überprüfung der Elektrik im Gebäude eine weitere Hiobsbotschaft: „Die vorhandenen Installationen können einen gefahrlosen Museumsbetrieb in den oberen Stockwerken nicht gewährleisten“, so Museumsleiter Güthner. Weil sich all diese Probleme nicht durch kleinere Reparaturen lösen lassen, wurde entschieden, die Dauerausstellung bis auf weiteres komplett zu schließen.

Abhilfe schaffen kann „nur eine grundlegende Sanierung und Neuplanung des Gebäudes“

Abhilfe, da ist sich das Quartett beim Pressetermin einig, kann „nur eine grundlegende Sanierung und Neuplanung des Gebäudes“ schaffen – die vom Stadtrat grundsätzlich schon beschlossen, aus Geldnot jedoch aufgeschoben wurde. Bei den Haushaltsberatungen 2021 gab der Rat aber immerhin grünes Licht für die weiteren Planungsschritte. Das heißt: Nach dem Architektenwettbewerb von 2019/20 erstellt das Gewinnerbüro heuer eine Detailplanung für die Sanierung inclusive Kostenberechnung. Die soll im Frühjahr 2022 stehen und ein konkreter Ablauf in Bauabschnitten festgelegt werden. Parallel dazu schreibt die Stadt laut Roppelt bald einen Wettbewerb für die Museumsgestaltung im Inneren aus. Für die Gesamtmaßnahmen rechnet man im Rathaus mit Zuschüssen in Höhe von 60 bis 70 Prozent.

Ausgewählte Objekte sollen im Erdgeschoss gezeigt werden

Die Schließung der Dauerausstellung ist nun aber erst mal „ein schwerer Schlag“ für das Museum, sagt Güthner. Damit die teils hochkarätigen Exponate zur Stadt- und Kunstgeschichte nicht in Vergessenheit geraten, will er ausgewählte Objekte aus den oberen Räumen gelegentlich im Erdgeschossraum zeigen, wo weiter Ausstellungen möglich und geplant sind – als nächstes ab 3. Juli die bereits verschobene Künstlerbücher-Schau des Kunstforums Weilheim. Zudem werde das Stadtmuseum sein Film-Angebot im Internet ausweiten und nach Möglichkeit museumspädagogische Angebote in Schulen zu machen. Auch einzelne Präsentationen in anderen Räumlichkeiten vor Ort sowie Ausleihen an Museen der Umgebung seien denkbar.

Kulturreferentin Thieler, die in Rathaus und Stadtrat stark für die Museumssanierung kämpft, blickt nach dem ersten Schock über die Teilschließung hoffnungsvoll nach vorn. Trotz der schwierigen Haushaltslage sei es nun möglich, „etwas Solides auf die Beine zu stellen“ – was auch dringend nötig sei: „Es kann nicht sein, dass wir dieses Museum mit seinen Kostbarkeiten nicht mehr öffnen können.“

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