Gewerbeverein Peissenberg

„Starke Gemeinschaft“ zerlegt sich selbst

Peißenberg - Es kracht: Geschäftsleute aus Wörth bezeichnen den Gewerbeverein als „nicht existent“.  Vorsitzender Fiebig schimpft auf die Vorgänger.

„Kommen Sie in eine starke Gemeinschaft.“ Mit diesem Slogan veröffentlichte der Peißenberger Handels- und Gewerbeverein vor ein paar Jahren einen Werbeflyer. Aus heutiger Sicht klingt der Wortlaut wie blanker Hohn. Interne Streitereien prägen stattdessen das momentane Bild in Peißenbergs Geschäftswelt. Von einer ortsteilübergreifenden, „starken Gemeinschaft“, die mit der Gemeinde zusammenarbeitet, ist keine Spur. Bestes Beispiel: In einem Brief an Bürgermeisterin Manuela Vanni und den Marktrat beklagen Geschäftsleute aus der Schongauer- und Sonnenstraße, dass die Kommunikation mit dem Rathaus nicht mehr funktioniert und ein Gewerbeverein als Vermittler „nicht mehr existent ist“. Zudem wird kritisiert, dass Eigeninitiativen von der Gemeinde abgeblockt und „geplante Aktionen der Geschäftsleute aus Wörth wenig Zuspruch und Gehör finden“.

Wie konnte sich die Lage so zuspitzen? Nun, kritische Stimmen behaupten, dass es rund um den Gewerbeverein noch nie Einigkeit gegeben hat. Und in den vergangenen Jahren sank das Interesse an der Vereinsarbeit gegen null. Die Mitgliederversammlungen waren immer schlechter besucht. Von rund 900 Gewerbebetrieben im Ort sind derzeit nur 50 im Verein organisiert. Vorsitzender Manfred Fiebig bemühte sich zuletzt um einen Amtsnachfolger – bisher erfolglos. Fiebig ist nach wie vor mit Unterstützung eines Restvorstands (Josef Habersetzer, Thomas Palmberger, Martina Steidl und Jürgen Forstner) kommissarisch im Amt. Entgegen seiner früheren Ankündigung will der Vereinschef aber von einer möglichen Vereinsauflösung nichts wissen: „Ich will nicht als derjenige in die Geschichte eingehen, der den Verein hat sterben lassen“, betont er. Mitte Februar soll es ein Vorstandstreffen geben, in dem über die Zukunft beraten wird. Zur Debatte steht, ob man sich auf kleinere Projekte wie zum Beispiel Hausmessen oder repräsentative Veranstaltungen in den Betrieben konzentriert.

Doch hat der Verein noch eine Zukunft? Aus der Kommunalpolitik kommen Stimmen, die eine neue Plattform mit neuem Personal fordern. „Es braucht fähige Leute, die das mit echtem Leben füllen“, sagte Peter Blome (SPD) im Hauptausschuss. Auch Vanni spricht sich für einen Neuanfang aus: „Die Streitereien zwischen einzelnen Personen sind einfach zu groß“, so die Rathauschefin. Ob sie damit Fiebig und seinen Vorgänger Hubert Nold meint?

Fiebig lässt an dem Ex-Vorstand kein gutes Haar. Er wirft ihm Blockade und vereinsschädigendes Verhalten vor: „Nold hat gemeint, ich mache den Vorstand, und er macht im Hintergrund weiter. Er hat erst nach einem dreiviertel Jahr die Geschäftsunterlagen des Vereins rausgerückt“, erinnert sich Fiebig an den Vorstandswechsel 2011. Zudem habe Nold versucht, die Organisation der Marktsonntage unter seine Fittiche zu bekommen, um sie auf Vereinskosten vor seiner Ladentür an der Schongauer Straße stattfinden zu lassen, die Hauptstraße aber außen vor zu lassen. Und was sagt Nold zu den Vorwürfen? Nichts. Für den Uhrmachermeister ist das Thema „Gewerbeverein“ erledigt, wie er auf Nachfrage versichert: „Da schweigt des Sängers Höflichkeit. Ich bin weder Sprecher der Schongauer Straße noch irgendetwas anderes.“

Auskünfte gibt es ist hingegen von Alfred Ruprich, der den Brief der Wörther Geschäftsleute an die Gemeinde ebenso wie Nold mitverfasst hat: Demnach gehe es der Initiative nicht darum, eine Konkurrenzinstitution zu den Gewerbetreibenden im Ortsteil „Dorf“ aufzubauen. „Das wäre für Peißenberg nicht glücklich. Wir wollen ein Miteinander“, versichert Ruprich. Ziel sei es, die Kommunikation mit der Gemeinde wieder anzukurbeln. Wichtige Entscheidungen wie zum Beispiel die Absage des Kathreinmarkts oder die Planungen für die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt würden die Geschäftsleute erst aus der Presse erfahren. Statt des Vereins brauche es ein neues Forum – wobei Ruprich eine klare Abgrenzung vornimmt: „Es geht rein um den Einzelhandel. Den Chef von ,Aerotech‘ beispielsweise wird das alles nicht interessieren.“

Ganz anderer Meinung ist da Jürgen Forstner: „Ein Gewerbeverein muss offen für alle sein“, sagt der Gemeinderat, der Referent für Gewerbe und Wirtschaft ist. Auch die Industrie und vor allem das Handwerk müssten beteiligt werden. Doch das sei im Gewerbeverein unter der alten Führung nicht opportun gewesen: „Man hatte den Eindruck, besonders privilegiert sein zu müssen, um dazuzugehören. Ich spreche aus Erfahrung“, so der Inhaber eines Maler- und Bodenverlegerbetriebs. Forstners Appell an die Gewerbetreibenden: „Setzt euch zusammen, beendet den Streit, und probiert was Neues aus – egal, ob mit alter oder neuer Vereinsnummer.“

Bernhard Jepsen

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