Aus nach 90 Jahren

Sterbeverein ist beerdigt

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Hohenpeißenberg - Nach 90 Jahren Bestehen musste der  Sterbeverein aufgelöst werden. Das Interesse war zu gering.

 Manchmal sind die Dinge eben nicht schwarz oder weiß, da hat etwas Schlechtes eben auch etwas Gutes. So geht es Georg Löw mit dem Ende des Allgemeinen Sterbevereins Hohenpeißenberg. „Das ist traurig, und auf der anderen Seite sind wir froh“, sagt er. Denn der Verein war schon lange auf dem absteigenden Ast und das Prozedere bis zur Auflösung langwierig.

Löw war Mitte der 1970er Jahre Vorsitzender des Vereins geworden. Da waren die Sorgen längst noch nicht so groß. In den vergangenen Jahren aber schwand das Interesse der Mitglieder zunehmend, immer weniger Menschen gehörten dem Verein an. „Er ist nicht mehr akzeptiert worden von den Leuten“, sagt Rudolf Hochenauer, der Beisitzer im Vorstand war. Da die großen Versicherungen längst eben-falls Hilfe nach einem Todes-fall anbieten, „ist so ein kleiner Verein heute nicht mehr existenzfähig. Den fährt man an die Wand“, macht Hochenauer deutlich. Beim Sterbeverein Hohenpeißenberg ist in seinen Augen „keine Wiederbelebung möglich gewesen. Er war einfach nicht mehr zeitgemäß“.

2003 hatte dieser beispielsweise noch 559 Mitglieder – bei der Auflösung Ende 2015 nur noch 328. Von denen zahlten 310 nach Tarif I, also 5 Euro im Jahr. Der Rest war in Tarif II eingruppiert, in dem man je nach Eintrittsalter einen gestaffelten Mitgliedsbeitrag zahlte. Wenn jemand starb, bekam die Familie laut Hochenauer „ein paar hundert Euro. Das war schnelles Geld“. Der Verein in der Heimat habe zudem einen Vorteil gehabt: „Die Familien wussten, an wen sie sich wenden mussten.“ Allen voran war Georg Löw für die Menschen da.

Der bedauert die Entwicklung und dass ausgerechnet im 90. Jahr des Vereinsbestehens Schluss war. Eine andere Möglichkeit habe es aber nicht gegeben. „Wir haben die Sterbegelder immer von den Zinsen ausbezahlt“, sagt er. Der mittlerweile niedrige Zinssatz machte das zunehmend schwerer – das Vermögen sank.

Die Entwicklung wurde den Verantwortlichen nicht erst 2015 klar, sie war schon seit Jahren absehbar. Die Auflösung wurde deshalb bereits bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 30. September 2013 beschlossen. Da es sich aber um einen Versicherungsverein handelte, „war es ein großes Prozedere“, bis der Verein tatsächlich zu den Akten gelegt wurde, sagt Löw.

Erst im vergangenen Jahr konnte das Restvermögen von rund 105 000 Euro an die Mitglieder ausbezahlt werden. Außerdem erhielt die Bürgerstiftung den Restbetrag von 165,85 Euro. Damit war der Sterbeverein Hohenpeißenberg tatsächlich Geschichte.

Und Löw war erleichtert. Trotz des traurigen Endes schaut er auf die über 30 Jahre im Verein positiv zurück: „Es war eine schöne Zeit, man hat etwas für die Leute tun können.“ 

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