Stricken boomt: Auch Weilheim hängt an der Nadel

Weilheim - Schon mal was von Guerilla-Stricken und Zug-Socking gehört? Beides sind Auswüchse des Strickbooms - und beides gibt es auch in Weilheim:

Mützen, Babyschühchen, Socken und Schals liegen verstreut auf dem Tisch. Fünf Frauen sitzen darum, jede vor sich eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen. Sie unterhalten sich lebhaft und lassen die Nadeln klappern: Es ist Donnerstag - Stricktreff-Tag im Café VerWeilheim. „Zusammen ist es einfach schöner als allein daheim vor dem Fernseher“, sagt Claudia Erhardt, die den Kreis gegründet hat.

Hatte Handarbeit vor einigen Jahren ein verstaubtes Image, greifen jetzt viele wieder zur Nadel. „Der Boom ist gewaltig“, sagt Ulrike Bauer vom Kaufhaus „Rid“, wo der Umsatz von Wolle seit rund einem Jahr steigt und steigt. „Wir sind teilweise ausverkauft, weil die Lieferanten überrollt sind von der Nachfrage.“ Auch Irmgard Eberlein vom Wollgeschäft „Strickliesl“ fällt auf, dass Handarbeit im Trend liegt: „In letzter Zeit kommen viel mehr junge Leute“, sagt sie. Die Jugendlichen fertigen vor allem Mützen und Schlauchschals - so genannte „Loops“ -, oft greifen sie dafür zu grober, kuscheliger Wolle in knalligen Farben, so Eberlein. Selbstkreierte Einzelstücke sind zur Zeit angesagt, glaubt die Verkäuferin.

Ein weiteres Strick-Phänomen, das um sich greift, ist das „Guerilla-Stricken“. Dabei werden Dinge im öffentlichen Raum „bestrickt“, wie Bäume, Pfosten oder Schilder. Auch in Weilheim gibt es das: Claudia Erhardt, Initiatorin des Strickkreises im Café VerWeilheim, strickt an einen blau-weiß-pinken Riesen-Strumpf für den Baum vor dem Café. Auch die Pfosten auf der Terrasse will sie in Wolle hüllen, alles in Absprache mit der Herzögsägmühle, zu der das Café gehört. „Ich finde es schön, wenn man ein bisschen Farbe reinbringt ins Leben“, sagt die 53-Jährige. Und das Stricken sei für sie wie Meditieren.

Erfahrung im Guerilla-Stricken hat auch Christiane Weinert (53) aus Weilheim: Im Sommer verpasste sie einem Baum in der Kleingartenanlage „Am Schwattach“ eine Ringelsocke. Auch sie strickt lieber gemeinsam als allein - und nutzt dafür das Internet: Sie ist Mitglied einer Internet-Community, auf der sich 7000 Strickbegeisterte weltweit austauschen. Auch die Gruppe „Stricktreffen im Pfaffenwinkl“ hat sich dort zusammengetan - rund 40 Frauen aus Weilheim und Umgebung. Sie treffen sich regelmäßig zum Stricken. Oder sie vereinbaren Termine zum „Zugsocking“ - auch so ein Auswuchs des Strick-Trends: Menschen verabreden sich, um auf Bahnfahrten gemeinsam Socken zu stricken. „Wir sind ein paar Mal nach Pfaffenhofen gefahren. Da gibt es ein tolles Wollgeschäft“, sagt Weinert.

Lieber in heimischen Gefilden bleibt die „Strickeria“, ein Stricktreff in Weilheim, der sich seit drei Jahren in Weilheim trifft. Gerda Wonczak (53) hat die Gruppe initiiert. Frauen - manchmal auch Männer - zwischen 30 und 70 Jahren handarbeiten gemeinsam, tauschen Muster aus, geben sich Tipps. Zur Zeit häkeln sie Blumensträuße, die sie dann verschenken. Auch die Frauen der „Stricktreffen im Pfaffenwinkl“ verschenken ihre Kreationen gern, zum Beispiel an die „Weilheimer Tafel“. Irgendwo muss das Selbstgestrickte ja hin, das in Weilheim aus den Nadeln fließt.

Strickkreise in Weilheim

Die Strickeria trifft sich jeden ersten Freitag im Monat im Mehrgenerationenhaus an der Schmiedstraße 15. Der Strickkreis im Café VerWeilheim kommt donnerstags von 13 bis 16 Uhr zusammen. Auch die Naturfreunde haben eine Strickrunde, die sich aber erst im Herbst wieder trifft. Die „Stricktreffen im Pfaffenwinkl“ haben sich über die Homepage www.ravelry.com gefunden.

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