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Der Vorstand des Fördervereins: (von links) 1.Vorsitzende Christine Egner, 2.Vorsitzender Jens van Wickeren, Kassenwartin Gabriele Kaißling, Schriftführer Heinz Tiltel, Beisitzerin Leni Wittek, 1. Kassenrevisor Hermann Stumpf und 2. Kassenrevisorin Maria Steigenberger mit den Gründungsmitgliedern Christine Guggenmos, Ingo Remesch und Barbara Wandinger.

Weilheim

Eine Oase für psychisch Kranke

Weilheim – Blühende Apfelbäume empfangen den Besucher der kleine, gelben Jugendstilvilla. Stimmen, Besteckklappern und Lachen dringen ans Ohr. Die Geräusche kommen aus dem Garten hinter der Villa.

Rund 15 Erwachsene jeglichen Alters sitzen dort an zwei Gartentischen und essen Kuchen. Idyllisch ist die Stimmung am Clubhaus Oase. Dabei sind die Menschen, die hierher kommen krank – krank in der Seele. Sie haben eine psychische Erkrankung – so wie Erhard Kaißling aus Weilheim, der seit zehn Jahren wegen seiner Krankheit nicht mehr arbeiten kann. Seit zweieinhalb Jahren kommt er täglich ins Clubhaus Oase, einer Tagesstätte der Herzogsägmühle. „Mir gibt das mehr Lebensqualität und Tagesstruktur“, sagt der 61-Jährige. Er schätze das Clubhaus -Konzept – es sei anders als die üblichen Tagesstätte für psychisch Kranke: „Teilweise sind die Mitarbeiter dort sehr dominant“, sagt er aus Erfahrung. „Hierkönnen wir dagegen sehr viel mitbestimmen und mitgestalten.“ Erhard Kaißling ist zum Beispiel verantwortlich für die Blumen im Haus. Und er war Mitglied des Arbeitskreises „Förderverein“. Dieser bereitete die Gründung des Fördervereins für das Clubhaus vor, der kürzlich mit zehn Gründungmitgliedern aus der Taufe gehoben wurde. Kaißling schildert, wieso ein Förderverein gebraucht wurde: „Die Gelder sind wie überall knapp. Es geht aber um mehr als Spenden, wir wollen über den Förderverein auch Ehrenamtliche rekrutieren, die Kurse oder Ausflüge anbieten können.“ Einige Kursangebote gibt es schon im Clubhaus, wie Leiterin Anne Richter erklärt: eine Theatergruppe, einen Chor und einen Singkreis. Die Grundidee des Clubhaus-Konzeptes sei aber, dass die psychisch Erkrankten Alltagsaufgaben übernehmen – sie kochen, halten Haus und Garten in Schuss, verkaufen Kaffee, geben eine eigene Clubhaus-Zeitung heraus und übernehmen einen Teil der Verwaltung. „Das ist die beste Therapie, weil man dadurch erfährt: Ich kann was, ich werde gebraucht und bin etwas wert“, so Richter. Die, die in das Clubhaus kommen, leiden an unterschiedlichen Erkrankungen – Depressionen, Schizophrenie, immer mehr auch an Burn Out. Manche kommen jeden Tag, manche nur ein paar Tage die Woche, sie bleiben ganztags oder nur ein paar Stunden. 24 Plätze gibt es, die Gelder kommen von der Regierung von Oberbayern. Die Mitgliedsbeiträge und Spenden, die über den Förderverein noch dazu kommen sollen, sollen unter anderem für dWeiterbildung und Vernetzung verwendet werden, Denn Clubhäuser für psychisch Kranke gibt es weltweit, und regelmäßig finden internationale Tagungen statt. „Dieser Autausch ist sehr wichtig und wir würden gern daran teilnehmen“, sagt Leiterin Anne Richter. Vorsitzende des frisch gegründeten Fördervereins ist Christine Egner. Ihre Schwester besucht die Tagesstätte schon seit zehn Jahren. „Ich finde es wichtig, dass es so etwas gibt. Für die Angehörigen ist es eine große Entlastung“, sagt sie. Gemeinsam mit den anderen Gründungsmitgliedern will sie Spenden gewinnen, Vorurteile gegenüber pychisch Erkrankten abbauen und Ehrenamtliche gewinnen. Kontakt Wer sich für den Förderverein interessiert oder Mitglied werden will, kann sich bei der Vorsitzenden Christine Egner unter christineegner@t-online.de melden. Das Clubhaus Oase ist unter 0881/417142 oder oase.wilheim@herzogsaegmuehle.de erreichbar.

von Stephanie Wolf

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