+
Überfall am helllichten Tag: Gegen 13.30 Uhr betrat der Täter in Sturmmaske und mit Waffe in der Hand die Tankstelle an der B2 bei Pähl. Seitdem ist Misstrauen der ständige Begleiter des Tankstellen-Pächters, der damals Dienst hatte. 

21-Jähriger hatte mit Waffe gedroht

Tankstellen-Räuber vor Gericht

Pähl - Der Überfall auf die Tankstelle an der B 2 in Pähl im Oktober 2015 sorgte für Aufsehen. Derzeit wird dem Täter, einem 21-Jährigen aus Schongau, am Landgericht in München der Prozess gemacht. 

 Der Pächter der Tankstelle an der B 2 in Pähl, ein 42-jähriger Pähler, ahnte nichts Böses, als er am 10. September 2015 gegen 13.30 Uhr in seiner Tankstelle stand und Dienst tat. Doch plötzlich stand ein Mann mit Sturmmaske vor ihm, richtete eine Waffe auf seinen Kopf und forderte wieder und wieder: „Geld her!“. „Ich wusste nicht, ob die Waffe scharf ist, ich dachte nur, jetzt heißt es funktionieren und Geld hergeben“, so schilderte der Pächter den bislang einzigen Überfall auf seine Tankstelle in dem Prozess vor dem Landgericht München II, der gestern begonnen hat. Seitdem sei alles anders, sagte der 42-Jährige. Seitdem sei er misstrauischer geworden.

Der 21-jährige Schongauer, der wegen zwei Überfällen auf Tankstellen innerhalb von zwei Tagen vor Gericht steht, räumt die Vorwürfe der Anklage voll ein. Bereitwillig und ausführlich erläuterte der junge Mann, wie er in diese Situation gekommen war, in dem ihm ein Raubüberfall als die einzige Lösung seiner Probleme schien.

Er erzählte von seiner Spielsucht, die voll von ihm Besitz ergriffen hat, als er im Februar 2015 die Abschlussprüfung seiner Ausbildung zum Mechatroniker nicht geschafft hatte. Sein Ausbildungsbetrieb ging pleite und der junge Schongauer stand ohne abgeschlossene Berufsausbildung da – und ohne jegliche Zukunftsperspektive. Er gammelte in den Tag hinein, trank, kiffte, spielte und verspielte immer mehr. „Ich war besessen davon, ich war absolut spielsüchtig“, sagte der Angeklagte.

Da sein Geld schon lange nicht mehr reichte, habe er begonnen, Schulden zu machen. Bei seiner Mutter, seinen Freunden, seiner Freundin und bei Geldgebern, die das Geliehene schnell und mit einen Haufen Zinsen zurückhaben wollten. Jedesmal, wenn er den nötigen Betrag irgendwie zusammengekratzt und -geliehen gehabt habe, habe es ihn wieder in ein Casino getrieben, wo er alles verspielt habe, so der Angeklagte vor Gericht.

Ein paar Tage vor dem Überfall habe er wieder hoch gewonnen. „Ich habe mich stark gefühlt und meine Freundin nach Prag eingeladen.“ Dort habe er ihr einen Heiratsantrag gemacht, den sie annahm. Als sie schlief, sei er ins nächste Casino gegangen. „Ich hab’ alles verspielt, was ich hatte und bin mit nichts zurück ins Hotel.“

Auf der Heimfahrt habe seine Nun-Verlobte mitbekommen, dass die Sucht wieder gewonnen hatte. „Ich war mir sicher, dass sie mich verlässt.“ Zu Hause dann habe sich die Lage zugespitzt: Sein Geldgeber habe ihm gedroht: „Wenn Du das Geld nicht morgen hast, bist Du fällig.“

Am nächsten Morgen habe er den Plan für den Überfall gefasst und eine Waffe, die er als Kind gefunden hatte – die Polizei vermutet, dass es eine Gas- oder Schreckschusspistole war –, vom Speicher geholt. „Ich habe die Tankstelle in Pähl ausgewählt, weil keine Häuser in der Nähe waren. Ich habe mich umgezogen, drei Minuten gewartet und bin in die Tankstelle gegangen.“

Bei dem Überfall erbeutete er rund 900 Euro Bargeld und zwei Schachteln Zigaretten. Davon bezahlte er Schulden. Am nächsten Tag nahm er laut Anklage das Auto seiner Freundin, um vor der Polizei in den Kosovo zu seinem Vater zu fliehen. Bei Salzburg überfiel er die nächste Tankstelle. Dabei erbeutete er 1840 Euro. Nach vier Wochen im Kosovo kehrt er nach Deutschland zurück, um sich hier der Polizei zu stellen. (Der Prozess dauert an.)

Kathrin Hauser

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein viertes „Eismärchen“ im nächsten Winter
Penzberg - Das dritte „Eismärchen“ ging vor wenigen Tagen zu Ende. Im kommenden Dezember soll es ein viertes „Eismärchen“ in Penzberg geben.
Ein viertes „Eismärchen“ im nächsten Winter
Leberkasessen oder Schlittenfahren?
Landkreis –Viele Urlauber kommen besuchen im Sommer den Pfaffenwinkel, doch wie sieht es im Winter aus? Die Heimatzeitung hat nachgefragt.
Leberkasessen oder Schlittenfahren?
Wasser wieder aus eigenem Brunnen
Polling – Der Brunnen bei Etting, der wegen Arbeiten abgestellt worden war, versorgt Polling nun wieder mit Trinkwasser.
Wasser wieder aus eigenem Brunnen
Hallenbad: Erst bauen, dann abreißen
Penzberg - Erst ein neues Hallenbad in Penzberg bauen, dann das Wellenbad abreißen - diesen Vorschlag macht BfP-Stadtratsmitglied Wolfgang Sacher.
Hallenbad: Erst bauen, dann abreißen

Kommentare