Bild: Symbolfoto, dpa

Tinnitus: Eine Betroffene erzählt

Weilheim - Es rauscht, pfeift, knattert oder knirscht im Ohr - und das oft ununterbrochen: Tinnitus-Geplagte leiden an Ohrengeräuschen, die keine äußere Schallquelle haben und die Betroffenen teilweise schier in den Wahnsinn treiben. Auch Karin Härtel (60) ist betoffen und besucht seit zwei Jahren eine Selbsthilfegruppe in Weilheim.

-Wie äußert sich der Tinnitus bei Ihnen?

Der Auslöser war vor drei Jahren bei einem Kindergeburtstag. Die Kinder haben Topfschlagen gespielt, und bei dem Geräusch ist es mir plötzlich eiskalt den Buckel runtergelaufen. Das Geräusch hat mir noch in den Ohren geklungen, als es längst vorbei war, und ging nicht mehr weg.

-Wie hört sich Ihr Tinnitus an?

Außenstehenden kann man das ganz schlecht erklären. Kennen Sie das, wenn man die Zentralheizung aufdreht und dann das Wasser reinläuft? So ein Geräusch ist das. Es gibt Zeiten, da ist es besser, aber eigentlich ist es immer da. Ein Pfeifen oder Piepsen habe ich dagegen gar nicht.

-Wie beeinflusst der Tinnitus Ihren Alltag?

Es ist total störend, vor allem wenn ich ruhig auf dem Sofa liege oder so, dann höre ich es extrem. Manchmal ist es so schlimm, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann, dann muss ich rausgehen und mich ablenken. Wenn ich in einem Raum bin, in dem Musik läuft, oder in einem Festzelt, dann nehme ich es dagegen fast gar nicht wahr. Das ist aber bei jedem anders, bei manchen wird es dann erst richtig schlimm.

-Was haben Sie getan, um die Ohrengeräusche loszuwerden?

Ich war bei drei verschiedenen HNO-Ärzten und habe viel im Internet recherchiert. Man weiß ja gar nicht, wie der Tinnitus überhaupt entsteht und welche Ursachen er hat. Es gilt auch nicht als Krankheit. Ich hoffe immer noch, dass es irgendwann von allein weggeht, aber man sagt, wenn man es ein halbes Jahr oder länger hatte, sind die Chancen gering. Aber es gibt Ausnahmen.

-Wie sehen die Treffen der Selbsthilfegruppe aus?

Als wir vor zwei Jahren gestartet sind, war der Andrang sehr groß, da haben die Stühle gar nicht gereicht. Aber viele sind dann nicht mehr gekommen. Sie haben wahrscheinlich gehofft, dass sie hören, was hilft. Mittlerweile sind wir ein Kreis von vier bis sechs Betroffenen. Wir gehen alle zwei Monate zusammen in eine Wirtschaft und tauschen uns aus - nicht nur über Tinnitus. Mir hilft das.

Interessierte

können zur „Selbsthilfegruppe Tinnitus“ dazukommen. Der nächste Termin ist am Aschermittwoch, 5. März, um 18 Uhr. Der Ort steht noch nicht fest. Wer kommen mag, soll sich wegen der Tischreservierung bei Karin Härtel unter 0881/6811623 anmelden. Auch in Schongau gibt es eine Tinnitus-Selbsthilfegruppe, Kontakt: 08869/912754 (Völk).

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