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Festlich gekleidet zogen die Totengräber am gestrigen Kirchweihmontag durch Sindelsdorf. Angeführt wurden sie von der Musikkapelle und einem Pferdegespann – der Leichenwagen gehört dem Sindelsdorfer Martin Mair und seiner Tochter Maria Bußmann und wurde bis vor 45 Jahren im Ort noch regelmäßig eingesetzt.

Totengräber-Treffen in Sindelsdorf

„Bei uns geht es traditioneller zu“

Sindelsdorf – Der Tod macht ihnen keine Angst, denn sie haben regelmäßig mit ihm zu tun. Das erzählen viele der rund 80 Totengräber, Leichenfrauen und Leichenwagen-Fahrer aus Bayern und Österreich, die am Montag nach Sindelsdorf gekommen waren, um beim alljährlichen Totengräber-Treffen Geschichten auszutauschen und über ihre Arbeit zu reden.

„Der Tod gehört zum Leben dazu. Wir alle müssen irgendwann einmal sterben. Das ist ganz normal“, sagte Albert Nagl aus Obersöchering. Seit über zehn Jahren kümmert sich der 42-jährige Schreiner um die Verstorbenen in seinem Heimatort. Gemeinsam mit seiner Frau Annelies erweist er den Toten den letzten Dienst, kleidet die Leichen würdevoll ein und will so dazu beitragen, dass sich die Verwandten und Freunde von ihren Liebsten verabschieden können. „Bei uns im Ort geht das noch etwas traditioneller zu“, sagt Nagl. Wenn die Familie es wünscht, dann wird der offene Sarg im Haus des Verstorbenen aufgebahrt. „Dann können sich die Hinterbliebenen in Ruhe verabschieden.“ Das werde in der heutigen Zeit oft nicht mehr gemacht. Es sei einfach zu aufwendig.

Die Sindelsdorfer Martin Mair und Tochter Maria Bußmann mit ihrem traditionellen Leichenwagen, der von einem Pferdegespann gezogen wurde.

Seit über 30 Jahren gibt es die Treffen der Totengräber in Bayern. „Sie finden immer wo anders statt“, erzählt Sepp Schmid aus Bichl. Der Brauch ist in seinem Heimatort entstanden, als die dortigen Totengräber gemeinsam einen Ausflug nach Tegernsee gemacht hatten. So sei man in Kontakt mit anderen Totengräbern gekommen, und daraus seien die Treffen entstanden. In Bichl ist Schmid bereits seit mehr als 40 Jahren auf dem Friedhof tätig. Bis zu zwei Meter tief müssen die Löcher sein. „Da stößt man auch mal auf einen Knochen. Deshalb muss man dafür schon gut abgehärtet sein“, berichtet der 65-Jährige. Bis zu sechs Stunden kann es dauern, bis das Loch groß und tief genug ist. Unterstützung bekommt Schmid in Bichl von Wolfgang Schilcher, denn das meiste ist Handarbeit mit dem Pickel und der Schaufel.

„Als Totengräber erlebt man so Einiges“, sagt Schmid. Und so haben die Männer und Frauen so einige Geschichten auf Lager – zum Beispiel, dass einem der Sargträger während der Beerdigung das Handy ins Grab gefallen war. Angst vor dem Tod hat auch Schmid nicht: „Mir wurde mal gesagt: ,Lebe jeden Tag so, als ob es dein letzter wäre. Dann kannst du ohne schlechtes Gewissen sterben‘.“

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