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Erst nach der dritten Zugabe durfte die „Couplet AG“ von der Bühne.

„Couplet AG“ in Iffeldorf

Im Tröpferlbad der Gefühle

Iffeldorf - Einen weiten Bogen spannte die „Couplet AG“ in Iffeldorf. Sie pendelte zwischen Politik und Alltag und suchte das Glück.

Was ist Glück? Der Thermomix in der Küche? Oder der Ministrant in der Kirche? Oder gar der Schnäppchenkauf bei „KiK“? Der lohnt mehrfach, weil sich so schon Kinder was verdienen können und ein ganzer Cent pro Einkauf in Sozialprojekte geht. Mal zynisch, mal deftig, mal politisch und mal einfach nur lustig verteilte die „Couplet AG“ am Freitagabend im gut besetzten Gemeindezentrum „Perlen ans Volk“ und „Söder-Rektal-Zäpfchen“ für Bedürftige. Machte sich damit verdient um die Arterhaltung des Couplets, dieser Anfang des 20. Jahrhunderts geschätzten satirischen und oft politischen Gedichtform.

Die AG pendelt zwischen Politik und Alltag, besingt Bayerns Windradl und Überraschungsei Horst Seehofer ebenso wie die alternative Versorgung alternder Eltern: Diese bekommen eine neue Aufgabe als Pharmaprobanden im Haus „Abendrot“. Dann bleibt die Rente den Jüngeren, und Tierlabors werden überflüssig. Das macht doch glücklich. Ebenso der Embryonengeigenkurs zur Frühförderung oder die Aussicht für dämliche Blondinen, Fußballerfrau zu werden – möglichst von einem schwulen.

Ganz wunderbar, wenn die äußerst wandelbare Bianca Bachmann mit bekümmertem Blick „ihren“ Herrn Nowottny betrachtet und dabei die Vorteile von Beamtenpatenschaften besingt, sozialverträglich, karitativ und steuersparend. Oder als Olga von der Wolga mit Pelzmütze und waffenscheinpflichtigen Highheels versichert, dass sie alles, aber auch alles besorgen kann. Vielleicht für die Wiener Lusttänzerin, die sehr anschaulich zeigt, warum sie auf Männer mit Bierbauch steht.

In Vielseitigkeit steht der „Couplet“-Frau Frontmann und Energiebündel Jürgen Kirner nicht nach. Als Rasso vom Inkasso poltert er ordentlich furchteinflößend auf die Bühne, irrt immer wieder als dementer Dr. Kudenack auf der Suche nach seiner Rente oder Niere über die Bühne und ziseliert als Chefarzt fein, warum Operationen zur Abzahlung seines Chalets in der Schweiz nun einmal unumgänglich sind. Fazit: Gesund gibt es nicht, höchstens nicht ausreichend untersucht.

Das geht Schlag auf Schlag, ist nicht nur rasantes Kabarett, das ist auch Schauspiel und mit dem exzellenten Bernhard Gruber und seinen Kompositionen an den vielfältigsten Instrumenten von Waschbrett bis Diatonische auch Musik. Da passt auch der talentierte Berni Filser dazu, wenngleich seine Conchita-Wurst- und Penelope-Auftritte etwas deplatziert wirkten.

Begeistert beklatscht wurden sie dennoch, so wie der ganze Abend tosenden Applaus erhielt und erst nach der dritten Zugabe, einem wunderbaren Couplet aufs Tröpferlbad, sein Ende nahm.

Katrin Fügener

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