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„Express! Expression!!“ hieß die Performance von Freejazzer Günter „Baby“ Sommer und Nora Gomringer, die am Sonntag im Buchheim-Museum aufhorchen ließ. 

Buchheim-Museum

Überall Überraschungen

Bernried - Das Buchheim-Museum präsentierte den neu gestalteten Expressionismus-Saal und eine weitere Sonderschau. Nora Gomringer las dazu Gedichte.

Lothar-Günther Buchheim hätte seine Freude an der Auftakt-Veranstaltung zur Eröffnung des neu gestalteten Expressionismus-Saals im Buchheim-Museum gehabt. Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer, einer der ersten und bekanntesten Free-Jazzer, trommelte die Besucher zusammen, und Nora Gomringer las dazu expressionistische Gedichte. Eine feine Idee von Museumsdirektor Daniel Schreiber, hatte der Kunstsammler Buchheim zu Lebzeiten doch noch von einem zweiten Museum in Feldafing geträumt, wo er in der Maffeivilla eine Forschungseinrichtung zur expressionistischen Literatur etablieren wollte. Das ist Schnee von gestern. Um so stimmiger war die Performance mit Gedichten von Trakl, Lasker-Schüler, Benn und anderen.

Der neu gestaltete Expressionismus-Saal hält, was die Direktion am Sonntagnachmittag den zahlreichen Gästen versprochen hat. „Wir zeigen was, was sie glauben zu kennen“, kündigte Schreiber an. Bekannte Bilder präsentieren sich nun in einem neuem Zusammenhang, um all die Heckels, Pechsteins, Kirchners „unerwartet und sinnlich“ erlebbar zu machen.

Der neue Zusammenhang, das ist nicht nur ein Metzgerbild von Lovis Corinth zwischen den Landschaftsgemälden seiner Zeitgenossen. Vor allem sind es die hochvergrößerten Siebdrucke von Holzschnitten der Brücke-Künstler, die nun neben Ölgemälden platziert sind und sinnfällig machen, wie eng Druckgrafik und Malerei bei den Expressionisten verbunden waren.

„Kunst muss den Humus zeigen“, hatte schon Buchheim gefordert. Der Humus, das sind die Inspirationsquellen der Expressionisten, auch die Natur, die man ja gleich neben dem Museum hat. Vor allem aber ist es die ursprüngliche Kunst der Naturvölker. So hängen und stehen afrikanische Masken und Skulpturen gleichberechtigt neben den Gemälden und blitzen bisweilen als Bildmotiv wie bei Kirchner als Zitat wieder auf. Jawlenskys berühmter „Kopf in Blau“ wird zusammen mit seiner vergrößerten Lithografie „Weiblicher Kopf“ präsentiert, Heckels „Der schlafende Pechstein“ begleitet von einem Holzschnitt des Künstlers, der dasselbe Motiv zeigt.  Das Museum will also Fahrt aufnehmen, was sich am Besten an einer Leihgabe des dänischen Künstlers Jeppe Hein ablesen lässt. Seine Installation „Moving Bench #2“ ist nur auf den ersten Blick eine Ruhebank, auf der sich Besucher ausruhen können. Das Möbel fährt, durch einen Elektromotor betrieben, die Gäste durch den Raum und ermöglicht ihnen Perspektivwechsel. Eröffnet wurde auch die Schau „Echte Kunst für alle!“ mit 32 Farbgrafiken der Genfer „Guilde Internationale de Gravure“, die Pierre Callier und Nesto Jacometti 1949 gründeten, um günstige Originaldruckgrafiken auf den Markt zu bringen. Kunsthändler Buchheim war einer der besten Kunden.  Wer das „Museum der Phantasie“ besucht, erlebt also weiterhin ein Fest fürs Auge, zumal sich die Stiftung Buchheim den Ankauf zweier neuer Werke geleistet hat. Bernd Zimmers Landschaften gesellen sich nun als fulminante Farbrausch-Auftritte gleich neben Kirchners Landschaftsgemälde und leuchten im Saal. Auf der Galerie kann der Besucher außerdem einen Blick in das Leben des Kunstsammlers werfen. Aus dem Privathaus wurden sein Arbeitstisch, seine Paperweight-Sammlung, überhaupt das ganze Sammelsurium exotischer Souvenirs herübergeschafft. Die Präsentation ist zwar wesentlich geordneter, als sie seinerzeit in der Buchheimvilla war, gibt aber doch einen wunderbaren Einblick in die Seele dieses Sammlers, der sich für so vieles begeistern konnte.

Astrid Amelungse-Kurth

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