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Die Mitfahrer von damals heute: Franz Vielhuber (v.l.) Walter Hüglin, Agi Bielz, Martin Albrecht und Ludwig Steigenberger mit Initiator Peter Handel.

Vor 25 Jahren wurde in Weilheim die Aktion „Hunger in Siebenbürgen“ gegründet

Unvergessene Welle der Hilfsbereitschaft

Weilheim - Im Januar 1990 fuhren acht Lastwagen voll mit Spenden aus Weilheim  nach Rumänien – Dieses Wochenende werden die Erinnerungen aufgefrischt.

 Es war Ende Januar 1990. In Deutschland war wenige Monate zuvor die Mauer gefallen, in Rumänien war wenige Wochen zuvor Staatspräsident Nicolae Ceausescu hingerichtet worden und der rumänische Geheimdienst Securitate trieb sein Unwesen. Europa war im Umbruch, da machte sich in Weilheim ein Hilfstransport mit acht Lastwagen in Richtung Rumänien auf. Ziel waren fünf Dörfer der Banater Schwaben um Temeswar (Timisoara). Initiiert worden war der Transport von Peter Handel, der in dieser Ecke Rumäniens geboren wurde, und zwar in Hermannstadt, heute Sibiu. Handel war im Januar 1990 Vorstandsmitglied der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und nach Gründung der Kreisgruppe Weilheim 1952 deren Vorsitzender. Er initiierte in Weilheim vor 25 Jahren die Aktion „Hunger in Siebenbürgen“ – und löste eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft in der Kreisstadt aus.

„Wir haben zuerst einen Aufruf gestartet, Flugblätter verteilt, Pfarrämter angerufen“, so Agi Bielz, die sich unlängst mit Franz Vielhuber, Walter Hüglin Martin Albrecht und Ludwig Steigenberger, einigen der Helfer von damals, im Haus von Peter Handel traf. Jeder Bürger habe sich von der Aktion „Hunger in Siebenbürgen“ angesprochen gefühlt, Pfarrer Manfred Reitlinger habe sogar seine Konfirmanden eingespannt, die gerne geholfen haben, Pakete zu tragen, die sich im evangelischen Gemeindehaus bis an die Decke stapelten.

Mehl, Zucker und mehr brachten die Helfer nach Rumänien. Das Foto zeigt Franz Vielhuber (r.) beim Verteilen.  

Auch Franz Vielhuber aus Polling sowie Walter Hüglin und Martin Albrecht aus Oderding haben die Einwohner ihrer Heimatdörfer mobilisiert. „Die Sammler haben sich mit Glockengeläut bemerkbar gemacht“, berichtet Hüglin. Nach gebührender Verabschiedung in Weilheim und dem Segen von Pfarrer Schwarz fuhren acht Lastwagen, vollgeladen mit Tonnen von Hilfsgütern, Richtung Rumänien.

Darunter waren Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker und Nudeln ebenso wie Kleidung und Medikamente.

„Da unsere Lastwagen mit Rot-Kreuz-Schildern ausgerüstet waren, mussten wir an den Grenzen nicht warten, sondern konnten ohne Probleme passieren“, so Bielz. Nach rund 36 Stunden – teils abenteuerlicher Fahrt – kam der Konvoi mit seinen 20 Helfern am Ziel an, wo die Menschen schon sehnsüchtig warteten und den Helfern die Pakete förmlich aus der Hand rissen. Überwältigt waren die Helfer auch von der Gastfreundschaft in Rumänien. „Wir haben in Privatquartieren übernachtet, und obwohl die Menschen dort absolut nichts hatten, holten sie für uns ihre allerletzten Schätze aus Küche und Keller“, erinnert sich Vielhuber.

Am kommenden Sonntag, 22. Februar, ist anlässlich des Hilfstransportes vor 25 Jahren für alle Helfer, Spender, Mitfahrer und Interessierte ein Treffen geplant. Dabei soll ein Film über die Rumänien-Fahrt vor gezeigt werden, Initiator Peter Handel wird die Teilnehmer begrüßen.

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