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Heftiges Unwetter: Superzelle trifft Region hart - Züge fahren nicht, Stromausfälle, kein Telefon

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Eine Gewitterzelle ist am Sonntag durch den Landkreis Weilheim-Schongau gezogen und hat massive Verwüstung hinterlassen. Ein Mann starb.

  • Ein Unwetter im Landkreis Weilheim-Schongau hat am Sonntagnachmittag eine Schneise der Verwüstung geschlagen.
  • Ein Mann starb unter einem umstürzenden Jägerstand bei Eglfing.
  • Diese News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 26. Juli, 16 Uhr: Die Superzelle, die am Sonntagabend über den Landkreis tobte, hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden waren einmal mehr als Krisenmanager gefragt. Martin Fortmaier, der Bürgermeister von Eglfing, war am Montag nur schwer zu erreichen. Zum einen, weil große Teile seiner Gemeinde noch immer ohne Strom waren. Zum anderen, weil es einfach an jeder Ecke etwas zu tun gab. „Hier ist der ganze Ort beim Aufräumen“, sagte der Bürgermeister am Nachmittag.

Das Unwetter am Sonntagabend war mit heftiger Wucht über Eglfing gezogen. „Die Hagelkörner waren nicht groß, aber es war ein richtiger Sturm“, beschreibt Fortmaier. Häuser und Autos hätten Hagelschäden, an manchen Stellen durchbrachen die Eisbrocken Scheiben. Wind und Regen taten ihr Übriges dazu: Mancherorts lief Wasser in Keller – meistens hatten das die Bewohner selbst schnell im Griff. Nur zwei, drei Mal rückte die Feuerwehr zum Auspumpen an.

Oberirdisch waren die Schäden deutlich größer: Einige Dächer wurden abgedeckt – auch Teile der Kirche. Obendrein fielen zahlreiche Bäume um. „Es zieht sich eine richtige Schneise durch den Ort.“ Am Montagnachmittag waren die meisten Straßen wieder freigeräumt, „nur ein paar Nebenwege fehlen noch“, beschrieb Fortmaier.

Zudem mussten die Gullis von Ästen und Blättern befreit werden, damit auch der nächste Regen wieder versickern kann. Strom gab es am Montag noch bis in die frühen Abendstunden in Untereglfing und dem Norden Obereglfings nicht. Das machte vor allem Landwirten Probleme, die ihre Tiere melken mussten. Mit Notstromaggregaten konnte ihnen schließlich geholfen werden. Trotz vieler helfender Händer, der Sturm wird die Eglfinger noch ein paar Tage beschäftigen, befürchtet Fortmaier: „In Gärten und Privaten Wäldern sieht es noch wild aus.“

Obersöchering hatte um 10 Uhr wieder Strom, Handyempfang und Telefon

Sein Amtskollege Reinald Huber aus Obersöchering wirkt am Montagvormittag gefasst: „Wir hatten keine Personen- und Tierschäden – das ist das wichtigste.“ Der Rest lasse sich reparieren oder nachpflanzen, „auch wenn es weh tut, wenn ich all meine Einzel-Eichen im Gemeindegebiet denke, die der Wind umgestoßen hat. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die wieder so prächtig sind.“ Huber hatte bereits am frühen Morgen seine 95 Feuerwehrleute gelobt, die „herausragende Arbeit geleistet haben“. Zwar sei die Wehr gut ausgestattet, aber dennoch „haben die Kameraden wie selbstverständlich ihre private Technik geholt und eingesetzt.“ Morgens um 10 Uhr funktionierten in Obersöchering auch Strom, Handy und Telefon wieder, was die Koordination der Aufräumarbeiten deutlich erleichterte, wie Huber weiter der Heimatzeitung berichtete.

Rottenbuch: Kurze Nacht für Einsatzkräfte und Bürgermeister

Markus Bader, Bürgermeister von Rottenbuch, meinte: „Uns hat es schon schwer getroffen. Die Unwetterschneise ist am Südzipfel vorbeigezogen, bei Schönegg und der Echelsbacher Brücke. Da hat es einen ganzen Wald flachgelegt und bei einem Bauernhof ist das Dach weg. Zwei Häuser sind ohne Strom, die haben wir gerade erst wieder befahrbar gemacht. Da, wo der Wind nicht so schlimm war, gab es vor allem Wasserschäden.“ Viele Keller seien vollgelaufen. Am Sportheim sei der größte Wasserschaden, da wurde der ganze Keller überflutet, „das war auch die größte Arbeit. Wir waren bis 1.30 Uhr beschäftigt. Es war eine kurze Nacht für viele.“ Das Wichtigste sei aber, dass es keinen Personenschaden gegeben habe.

„Jetzt beheben wir erstmal die größten Schäden und schauen, dass alle Häuser wieder erreichbar sind und Strom haben. Es sind viele Leute im Einsatz, von der Feuerwehr und dem Bauhof. Wir gehen die Sache mit vereinten Kräften an.“

Steingaden erwischte es zweimal an zwei Tagen

Sein Amtskollege Max Bertl aus Steingaden meinte: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Es hat ein paar Wege unterspült, vor allem welche mit Kies, und aus dem Dach vom Rathaus sind ein paar Dachplatten geflogen. Stromausfälle gab es auch, die hatten wir aber auch schon am Samstag. Am Samstag hat es uns eigentlich genauso erwischt wie tags zuvor. Es gibt einen halben Meter tiefe Löcher neben den Straßen, viele Aststürze und überflutete Keller. Im Großen und Ganzen ist es aber alles nochmal alles glimpflich verlaufen. Bei dem Feuerwehreinsatz gestern haben alle zusammen geholfen.“

Update vom 26. Juli, 15.30 Uhr: Im Bereich der Ammerschlucht kam es in Folge der unwetterartigen Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen an der Echelsbacher Brücke zu einem akuten Hangrutsch. Das teilte das Landratsamt Weilheim-Schongau gerade mit. Größere Mengen an Hangmaterial, Ästen und Bäumen sind dabei hangabwärts in die Ammer gerutscht. Dadurch entstand eine so genannte „Verklausung“, also eine Verstopfung des Flusslaufes durch das Treibmaterial. Das Landratsamt Weilheim-Schongau rät deshalb dringend von einer Befahrung der Ammer auf der Strecke Kammerl bis Rottenbucher Ammerbrücke ab, da es für Bootsfahrer hier zu lebensgefährlichen Situationen kommen kann.

Das für den Unterhalt der Ammer zuständige Wasserwirtschaftsamt Weilheim wird die entstandene Gefahrenstelle durch Entnahme der Bäume so bald wie möglich entschärfen, sofern es die Abflussverhältnisse zulassen.

„Grundsätzlich wird bei diesem Anlass darauf hingewiesen, dass es sich bei der Ammer um einen Wildfluss handelt, der ständigen Veränderungen unterliegt. Damit verbunden sind zahlreiche Gefahren wie etwa im Wasser liegende Bäume, Stromschnellen oder Unterwasserhindernisse. Insbesondere nach den aktuellen Hochwasserereignissen könnten derzeit auch weitere bislang nicht bekannte Gefahrenstellen entstehen. Bei der Befahrung und sonstigen Nutzung der Ammer ist deshalb eigenverantwortlich die im Verkehr erforderlich Sorgfalt und Vorsicht geboten“, heißt es weiter.

Update vom 26. Juli, 14.30 Uhr: „Eglfing hat es im Landkreis am stärksten getroffen“, sagt Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta auf Nachfrage der Heimatzeitung. „Wir hatten hier am meisten Hagel, sehr viele Bäume wurden zudem entwurzelt.“ Darunter seien auch viele gesunde Bäume gewesen. „Die wurden von dem Unwetter einfach umgemäht“, sagt Sobotta. Die Gewitterzelle war zunächst durch den Westen des Landkreises über Prem, Steingaden und Rottenbuch gezogen und hatte dann über Eglfing noch einmal heftig Fahrt aufgenommen. „Die Feuerwehren hatten relativ viel Arbeit“, sagt der Kreisbrandrat: Keller mussten ausgepumpt und Bäume weggeschnitten werden. 

Update vom 26. Juli, 14.10 Uhr: Thomas Tröppner, Feuerwehrkommandant in Eglfing, bestätigt, dass die Gewitterzelle besonders heftig in der Gemeinde gewütet hat. „Die Zelle ist einmal quer durch den Ort gezogen“, sagt er. Rund 85 Einsatzkräfte waren am Sonntag deshalb bis spät in die Nacht im Dauereinsatz. Unterstützung erhielt die Feuerwehr Eglfing von den Feuerwehren aus Weilheim, Peißenberg, Söchering, Murnau und Oberhausen. Es wurden viele Keller geflutet und Dächer abgedeckt, außerdem waren die Zufahrtsstraßen nach Eglfing für längere Zeit komplett gesperrt. Die Straße in Richtung Heimgarten kann auch einen Tag nach dem verheerenden Unwetter noch nicht befahren werden. „Wir sind noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt“, sagt Tröppner. Viele Bäume würden hier noch auf der Straße liegen.

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sei wie anderorts auch groß gewesen. „Viele Privatleute haben mit gemacht und uns unterstützt“, sagt der Feuerwehrkommandant. Teile von Ober- und Untereglfing sind bisher (Stand 26.07. 12:30 Uhr) noch immer nicht wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Das kann laut Feuerwehr auch noch eine Weile dauern. Der Energieversorger sei aber auf der Suche nach dem Problem und wolle dieses so bald als möglich beheben.

Update vom 26. Juli, 13.40 Uhr: Das Unwetter hat auch auf der Bahnstrecke zwischen Weilheim und Murnau schwere Schäden angerichtet. Wie die Deutsche Bahn über den Streckenagenten mitteilt, ist auf diesem Streckenabschnitt derzeit kein Bahnverkehr möglich. Ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet. Derzeit sei keine Prognose für die Behebung der Unwetterschäden möglich, so die Bahn weiter. Auch auf der Strecke zwischen Weilheim und München komme es zu Verzögerungen. Weitere Informationen gibt es unter www.bahn.de/ris

Update vom 26. Juli, 12.45 Uhr: Die Feuerwehr Rottenbuch verzeichnete gestern laut Kommandanten Andreas Kotz 17 Einsätze. „Wir haben bis halb zwei Uhr nachts aufgeräumt“, sagt Kotz. Circa 35 bis 40 Feuerwehrler waren an den Einsätzen in und um Rottenbuch beteiligt. „Es war eigentlich alles mit dabei“, sagt Kommandant Kotz. Er berichtet von einer Personensuche in Richtung Schönegger Käse-Alm. Eine Familie mit Eichstädter Kennzeichen hatte im Wald Schutz vor Hagel gesucht, konnte dann aber aufgrund umgestürzter Bäume nicht weiterfahren. Die Feuerwehr Rottenbuch machte ihnen dann den Weg frei.

Des Weiteren mussten viele Keller ausgepumpt werden. Dazu gehörte der Keller des Schützenheims mit den KK-Ständen, die zehn Zentimeter unter Wasser standen. Auch in die Keller der Gemeindehalle oder des Kindergartens war Wasser eingedrungen, ebenso in die der Regens-Wagner-Einrichtung. Außerdem waren viele private Keller betroffen. Unterstützt wurde die Feuerwehr Rottenbuch bei ihren Einsätzen von der Feuerwehr Peiting. Heute gehen die Aufräumarbeiten am Schleifmühlenweg weiter, dort waren gestern viele Bäume umgestürzt und durch das starke Unwetter wurde das Dach eines Hauses abgedeckt. Einige Häuser sind aktuell nach wie vor ohne Strom.

Vollgelaufene Keller in Penzberg

Update vom 26. Juli, 12.30 Uhr: Vier Stunden war die Penzberger Feuerwehr am Sonntagabend mit rund 20 Einsatzkräften im Einsatz. Laut Kommandant Christian Abt hatte sie es im Stadtgebiet mit vollgelaufenen Kellern und abgerissenen Stromleitungen zu tun. Ihm zufolge gab es sieben oder acht Einsatzstellen. Er berichtete aber auch davon, dass Straßen durch Starkregen und Hagel zeitweilig so überflutet waren, dass Autofahrer sich nicht mehr trauten, weiterzufahren, und ihre Wagen auf Gehwege lenkten.

Ungewöhnlich war laut Abt die Situation am Zusammenfluss von Schwadergraben und Säubach bei der Bichler Straße. Dort an der Brücke gibt es eine Messstelle, die die Feuerwehr bei steigendem Wasserpegel alarmiert. Normalerweise geschehe dies, wenn es den ganzen Tag über regnet, so der Kommandant. Am Sonntag habe der Starkregen jedoch nur 15 bis 20 Minuten gedauert, etwa eine Stunde später sei der Alarm ausgelöst worden. Einen derart starken und schnellen Zulauf in die Bäche habe man so noch nicht erlebt, erklärte Abt. Die Bichler Straße wurde an der Brücke allerdings nicht überflutet. Mit einem Fahrzeug war die Penzberger Feuerwehr auch zur Unterstützung im Bereich von Habach und Obersöchering im Einsatz.

Nach Sturz des Maibaums in Prem: Wahrscheinlich Totalschaden an allen Autos

Die Gemeinde Prem war besonders von dem heftigen Unwetter betroffen. „Wir waren mit ungefähr 30 bis 35 Leuten im Einsatz“, sagt der neue Feuerwehrkommandant Michael Christa. Dazu haben viele Freiwillige aus der Gemeinde mit angepackt und beim Auspumpen unzähliger Keller und der Beseitigung von Bäumen auf den Straßen geholfen.

Der Premer Maibaum stürzte auf vier Autos, eine Linde am Kirchplatz begrub ebenfalls drei Autos unter sich. Es muss laut Christa damit gerechnet werden, dass ein Großteil der betroffenen Autos Totalschaden haben. Außerdem ist eine Kuh von einem Stromschlag erschlagen worden: Am Ortsausgang in Richtung Trauchgau war ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt, diese dann zu Boden gegangen und hatte auf diese Weise wohl den tödlichen Stromschlag ausgelöst.

Die Gemeinde Prem ist bisher (Stand 12 Uhr mittags) noch ohne Strom. „Die Stromversorgung sollte aber bald wieder funktionieren“, sagt Christa. Anderenfalls könnte es für die gekühlten Waren der ortsansässigen Metzgerei und Bäckerei eng werden.

Iffeldorf: Motorradfahrer fährt im Sturm auf Auto auf

Update vom 26. Juli 12.20 Uhr: „Relativ harmlos“ war laut Feuerwehrkommandant Matthias Ott die Situation in Iffeldorf. Dort wurde die Feuerwehr – sie war an dem Abend insgesamt mit 24 Einsatzkräften im Einsatz – kurz vor 18 Uhr zur überfluteten Zugspitzstraße gerufen. Anwohner hatte da aber bereits selbstständig den Gully gereinigt, so dass das Wasser abfließen konnte. Ähnlich war es eine halbe Stunde später am Faltergatter. Dort floss das Wasser laut Feuerwehr wegen des hohen Grundwasserspiegels allerdings nicht durch die gereinigten Gullys ab. Die Feuerwehr sperrte die Straße, bis das Wasser nach etwa einer Stunde abgelaufen war. Zu einem Einsatz rückte die Iffeldorfer Feuerwehr auch zur Autobahn aus. Dort war ein Ast auf die rechte Fahrbahn Richtung München gestürzt.

Auf der Straße zum Eitzenberger Weiher kam es am Sonntagabend außerdem zu einem Unfall. Ein Motorradfahrer fuhr auf ein Auto auf, das wegen des starken Regens und Hagels abgebremst hatte. Der Motorradfahrer wurde verletzt.

Unwetter in der Region Weilheim-Schongau: Es zog von Westen nach Osten

Erstmeldung vom 26. Juli, 11.26 Uhr: Weilheim/Schongau - Das Unwetter war angekündigt, trotzdem dürfte es in dieser Intensität die meisten überrascht haben. Am Sonntagnachmittag ab ca. 16 Uhr zog eine gewaltige Gewitterzelle einmal quer durch den Landkreis Weilheim-Schongau, auch der nördliche Teil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen war betroffen.

In den Kommentaren zum Facebook-Post der Schongauer Nachrichten zum Unwetter im Landkreis Weilheim-Schongau wird das Ausmaß der Superzelle deutlich - von überfluteten Straßen bis zu zentimeterdick hagelbedeckten Grills, Pools und Gärten.

Regen, etwas Hagel, Wind, Donner und Blitz gab es allerorten. Von Westen kommend wütete das Unwetter aber besonders heftig zunächst in Prem, Steingaden und Rottenbuch, bevor es weiter Richtung Nordosten weiterzogen und Eglfing, Obersöchering, Iffeldorf und Habach mit voller Wucht traf. 

Jäger stirbt bei Unwetter in Eglfing

Ein Mensch kam bei dem heftigen Unwetter ums Leben: Ein 57-jähriger Jäger. Der Mann war während des Gewitters auf einem Jägerstand bei Eglfing. Eine Windböe riss diesen um, der Mann stürzte in die Tiefe und zog sich tödliche Verletzungen zu.

Für die Zeit ab Montagnachmittag, 14 bis 22 Uhr, warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits vor neuen schweren Gewittern mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

Rubriklistenbild: © Bartl

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