aus dem gericht

Auf die Videokameras war kein Verlass

Weilheim - Eine Weilheimerin (48) wurde vom Vorwurf des Ladendiebstahls freigesprochen. Grund: Die Bilder der Überwachungskamera waren unscharf.

 Der Kaufhausdetektiv eines großen Elektromarktes in Weilheim war sich vollkommen sicher. Die Angeklagte hatte an einem Tag einen kabellosen Kopfhörer und dann tags darauf ein Headset entwendet. Videoaufzeichnungen der beiden angeblichen Taten sollten das beweisen.

Das stellte sich aber bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim als schwierig heraus, denn das Bildmaterial war äußerst schlecht. „Ich kann da gar nichts Eindeutiges erkennen“, stellte Richterin Katrin Krempl bei der Ansicht der Videos fest.

Die 48-jährige Angeklagte hatte im April letzten Jahres an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zusammen mit ihrem Ehemann den Elektromarkt besucht. Die Frau war den Sicherheitsleuten des Fachhandels bekannt. Schon einmal hatte sie sich anscheinend auffällig im Laden verhalten, daher war ihr Gesicht gespeichert.

Laut Angaben des Detektivs begab sich die Angeklagte am ersten Tag in die Abteilung für kabellose Kopfhörer. Dort hantierte sie mit ihrer großen Handtasche herum, was die Videoaufzeichnungen eigentlich beweisen sollten. „Ich fand nachher genau an dieser Stelle eine leere Verpackung“, sagte der Detektiv. Eindeutig beweisen ließ sich das aber nach Begutachtung der Videos nicht. „Ich sehe hier nur, dass eine Frau eine Tasche abstellt“, sagte die Richterin. Eindeutig erkennbar sei nicht, ob die Angeklagte etwas in ihre Tasche stecke. An diesem Tag wurde die Angeklagte auch nicht mit ihrem angeblichen Diebstahl konfrontiert. Erst als sie am nächsten Tag wieder im Geschäft erschien und in die Abteilung für Headsets ging, verfolgte sie der Detektiv gezielt mit einer genaueren Videoaufnahme.

Darauf ist zu erkennen, dass sich die Angeklagte mit einem Gegenstand in der Hand anscheinend bewusst an eine Stelle begibt, an der sie nicht mehr genau beobachtet werden kann. „Genau hier fand ich Sekunden später wieder eine leere Verpackung“, sagte der Detektiv. Der Ehemann der Angeklagten verhielt sich vollkommen unauffällig.

Der Detektiv hielt die Angeklagte am Ausgang des Ladens auf und rief die Polizei. Diese durchsuchte die Handtasche der Frau – und fand nichts. Eine Körperuntersuchung nahm sie nicht vor. „Die Dame hatte eine enge Jeans an und ein ebensolches T-Shirt. Da konnte man nichts verstecken“, sagte der Polizeibeamte aus.

Für den Detektiv war das vollkommen unverständlich. „Die möglicherweise entwendete Ware ist so klein. Ich wüsste schon, wie man die verstecken kann“, sagte er. Die Staatsanwältin sah in ihrem Plädoyer den Tatvorwurf bestätigt, im Gegensatz zum Verteidiger, der in der Beweisaufnahme nur Vermutungen und Spekulationen sah.

Das fand auch Richterin Katrin Krempl und sprach die Angeklagte frei. „Die Videoaufzeichnungen sind sehr unscharf. Es wird hier zu viel hineininterpretiert“, begründete sie ihr Urteil.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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