65-Jähriges der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Viel mehr als nur Folklore

Weilheim - Die Feier zum 65-Jährigen der sudetendeutschen Landsmannschaft, bei der ein Gedenkstein enthüllt wurde, war alles andere als bunte Folklore. Sie war bewegend - und politisch.

In der Hochlandhalle finden für gewöhnlich Viehmärkte statt. Dass in der 1937 erbauten Versteigerungshalle in den Nachkriegsjahren nach den ethnischen Säuberungen in Tschechien heimatvertriebene Sudetendeutsche lebten, daran wurde am Samstag bei einem Dankgottesdienst in der Halle erinnert. Und seit Samstag erinnert daran an der Halle auch eine aus Mitteln der „Winfried und Centa Böhm-Stiftung“ finanzierte Säule. Der Gedenkstein soll, so Heide Stempian, die Vorsitzende der Weilheimer Landsmannschaft, bei dessen Enthüllung, aber auch ein Mahnmal sein - „dass wir den neuen Flüchtlingen ein freundliches Gesicht zeigen, das sind wir ihnen schuldig“, sagte sie angesichts der Flüchtlinge und Asylbewerber aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Tage.

Bilder: Sudetendeutschen Landsmannschaft feiert 65-Jähriges

Als Bürgermeister Markus Loth in das Jahr 1946 zurückblendete , stiegen nicht nur einigen Älteren in der ersten Stuhlreihe Tränen in die Augen, auch einigen jüngeren unter den rund 100 Gästen der Einweihungsfeier ging die Erinnerung an das Schicksal ihrer Eltern oder Großeltern nahe: Am 10. März gegen 19 Uhr, so sagte Loth, kamen die ersten 417 Männer, Frauen und Kinder in Güter- und Viehwaggons in Weilheim an. In der Hochlandhalle wurden sie mit Essen und Trinken versorgt.

Hans Slezak, der Bezirksvorsitzende der sudetendeutschen Landsmannschaft, forderte, dass sich Vertreibung nicht lohnen dürfe, denn sonst werde sie zu einem Vorbild für andere. Mit Tschechien sei nichts geregelt, „da ist noch alles offen“, so Slezak, der von Werten in Höhe von 60 bis 80 Milliarden Euro sprach, die Tschechien durch die Vertreibung der Deutschen erhalten habe.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ende einer aufregenden Zeit“
Abschied vom Schülerleben nahmen gestern die Absolventen der Josef-Zerhoch-Mittelschule in Peißenberg. Dabei hielten sich Abschiedsschmerz und Humor allerdings nahezu …
„Ende einer aufregenden Zeit“
Penzberg: Nicht nur eine „graue Bergwerksstadt“
Eine besondere Ausstellung zu einem besonderen Jubiläum: „Stadt statt Stillstand“ erinnert im Museum Penzberg an die  Stadterhebung Penzbergs vor 100 Jahren.
Penzberg: Nicht nur eine „graue Bergwerksstadt“
Sperrungen am Dietlhofer See: Warum wurde nicht-öffentlich entschieden?
Zwar sind die Sperrungen am Dietlhofer See seit 1. Juli passé. Doch im Stadtrat gab es ein Nachspiel - auch weil alles nicht-öffentlich beschlossen worden war.
Sperrungen am Dietlhofer See: Warum wurde nicht-öffentlich entschieden?
Heute vor genau 50 Jahren: Als in Weilheim das Mondfieber grassierte
Vor genau 50 Jahren herrschte Ausnahmezustand – im Landkreis Weilheim genauso wie im Rest der Welt. Drei amerikanische Astronauten schickten sich an, den Mond zu …
Heute vor genau 50 Jahren: Als in Weilheim das Mondfieber grassierte

Kommentare