Sangen Lieder und brachten den Segen: Die Sternsinger (von links) Kilian Kreipl, Lukas Fendt, Marco Hammer, Jakob Fendt und Luca Haas waren gestern rund um den Betberg unterwegs. Ihre Betreuerin Lorena Eberle (13) klebt bei Theresia Oswald gerade den Segensspruch an den Türstock. Foto: Emanuel Gronau

Viel Weihrauch und ein großer Schreck

Weilheim - In Weilheim sind gerade die Sternsinger unterwegs. Sie sammeln Spenden, bringen den Segen - und erleben auch Überraschungen.

Die fünf Sternsinger schauen sich verdutzt an, als die Dame, bei der sie gerade geklingelt haben, bedauernd sagt: „Ich hab nicht so viel Geld im Haus“ - und ihnen dann 80 Euro in die Spendendose steckt. „So viel bekommen wir normalerweise nur im Gewerbegebiet“, staunt Sternträger Jakob Fendt (10). Das Geld geht an arme Kinder in aller Welt, heuer vor allem an Flüchtlingskinder aus Malawi.

Rund 60 Sternsinger waren gestern in Weilheim unterwegs, um Spenden zu sammeln und den Segen zu bringen, auch heute klingeln sie noch an den Haustüren. Mit weißer Kreide malen sie „C+M+B“ an die Haustüren („Christus mansionem benedicat“, zu Deutsch: „Christus segne dieses Haus“). Manchmal kleben sie aber auch einen schwarzen Aufkleber, den Pfarrer Dr. Ulrich Lindl gesegnet hat, auf den Türstock - immer dann, wenn die Tür weiß ist. „Da sieht man die weiße Kreide nicht“, erklärt Julia Listl (16), die eine Gruppe als Betreuerin begleitet.

Zunächst aber versammelten sich gestern um acht Uhr morgens alle Sternsinger im Pfarrheim „Miteinander“. Dort streiften die Kinder sich rote, gelbe, lilafarbene und gemusterte Umhänge mit Brokat und Goldrändern über ihr dicken Winterjacken, stülpten sich Kronen über ihre Mützen und wurden mit brauner Farbe geschminkt, falls sie die Rolle des „Caspar“ übernahmen. Dann stellten sich alle im Kreis auf und sprachen das „Vater Unser“.

Dann wird es ernst - doch aufgeregt sind die Buben nach eigener Aussage kein bisschen. In Reih’ und Glied stellen sie sich vor der ersten Türe auf und stimmen das Lied „Hoch am Himmel steht ein Stern“ an. Luca Haas schwenkt das Weihrauchfass, dann sagen die Kinder den Segensspruch auf. Als Dank gibt es von der Frau, die die Tür geöffnet hat, einen Zehner in die Spendendose. „Könnt ihr noch was Süßes für unterwegs gebrauchen?“, fragt sie und erntet eifriges Nicken, woraufhin sie eine Packung Gummibärchen holt.

Doch die Tüte bleibt den Rest des Tages zu: Am Abend kommen alle Süßigkeiten, die die einzelnen Gruppen bekommen haben, in einen Topf, und jedes Kind bekommt ungefähr gleich viel. Die meisten Weilheimer, bei denen die Sternsinger klingeln, kramen Schokolade, Gummibärchen oder Ähnliches hervor - aber nicht alle. Auch bei der Höhe der Spenden gibt es Unterschiede. Von manchen gibt es ein paar Münzen, von anderen große Scheine. Einige öffnen die Tür erst gar nicht.

An einer Tür sorgen die Sternsinger dann für einen gehörigen Schreck: Heidi Richter macht auf und ruft entsetzt „Was, ihr seid heute schon da?!“ Die Weilheimerin wollte den Sternsingern eigentlich bei der morgendlichen Anprobe helfen, hat den Termin aber falsch im Kalender notiert. Das Ganze ist ihr ziemlich peinlich - aber die Sternsinger haben ja trotzdem alle ihre Mäntel und Kronen an.

Heidi Richter hat eine Spezialaufgabe für die Kinder: Mit dem würzigen Rauch aus dem Weihrauchfass testen die Heiligen Drei Könige bei ihr alljährlich, ob der Rauchmelder im Wohnzimmer funktioniert. Der elfjährige Luca Haas steigt dafür auf eine Leiter, die schon bereitsteht, und schwenkt kräftig mit dem Fass. Ein paar Minuten dauert es, dann geht ein schrilles Fiepen los. „Super“, freut sich Heidi Richter, „2014 wird ein gutes Jahr!“

Und auch für die Sternsinger geht es gut weiter: Auf der Straße läuft ihnen plötzlich die Dame entgegen, die vorher „nur“ 80 Euro im Haus hatte. Sie war zwischenzeitlich bei der Bank - und steckt ihnen jetzt nochmal einen Zwanziger in die Dose.

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