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Rund 300 Besucher lauschten den Worten des Gemeinderates.

Gemeinderatssitzung in der Tiefstollenhalle

Viele offene Fragen zur „Rigi-Rutsch‘n“

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Die Gemeinderatssitzung zur „Rigi-Rutsch‘n“ lockte rund 300 Besucher in die Tiefstollenhalle. Sie hörten viel Informatives, aber auch zahlreiche unbeantwortete Fragen.

Peißenberg – Klatschen ist im Gemeinderat nicht erlaubt. Das hat Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni bei der außerordentlichen Sitzung des Marktgemeinderats am Montagabend dem Publikum mehrfach deutlich gemacht. Doch wenn eben schon rund 300 Interessierte in die Tiefstollenhalle kommen und nichts sagen dürfen, dann tun sie ihre Meinung eben anders kund. Und so wurde mehrfach applaudiert. Ob es der Bürgermeisterin passte oder nicht. Insgesamt verhielt sich das Publikum aber sehr ruhig, die Debatten im Gremium waren da schon hitziger.

Bevor diese begannen, lauschten alle den Worten von Bäderexperte Stefan Studer, der ausführlich und verständlich die Situation der „Rigi-Rutsch’n“ darstellte – und dafür Applaus bekam. Er machte deutlich, warum es nicht wie bisher weitergehen kann. Studer zeigte auf, dass die Sauna eben nicht der erhoffte Geldbringer ist. „Die Sauna hätte auch in den nächsten Jahren kein Plus gemacht“, sagte er. Zu groß sei die Konkurrenz im Umfeld, zu klein der Einzugsbereich. „Im Umkreis von 15 Autominuten leben relativ wenige Menschen.“

Um das Defizit zu senken, sei „eine weitreichende Entscheidung“ notwendig. Würde der Freizeit- und Bäderpark so weiterbetrieben werden wie bisher, müssten rund 4 Millionen Euro investiert werden. Jährlich würden damit rund 250 000 Euro an Kredittilgungen anfallen. Gleichzeitig sah Studer wenig Einsparpotenzial – unter anderem durch den Wegfall mehrerer Außenbecken und höhere Eintrittspreise könnten maximal 250 000 Euro zusammenkommen. Damit wären die zusätzlichen Investitionen zwar gedeckt – das Defizit, das sich durch den laufenden Betrieb aber anhäuft, bliebe das gleiche. „Es könnten niemals die Einsparungen erreicht werden, die gefordert sind“, machte Studer klar. Also schlug er vor, sich vom Saunabetrieb zu trennen und einen Investor zu finden. Wie berichtet, hat der Verwaltungsrat bereits entschieden, diese Idee umzusetzen.

Doch auch in das Freibad muss investiert werden, betonte Studer. Rund 1,5 Millionen Euro seien allein nötig, um den Fortbestand der 35 Jahre alten „Rigi-Rutsch’n“ zu sichern. Der Bäderexperte geht davon aus, dass beim reinen Freibadbetrieb ohne Warmbecken rund 300 000 Euro Defizit pro Jahr anfallen. Soll das Minus maximal 500 000 Euro betragen, „blieben 200 000 Euro jährlich für Investitionen. So könnte der Betrieb finanziell funktionieren“.

Seine Worte stellte vom Gemeinderat niemand infrage. Einzig Peter Blome (SPD) war besorgt, ob sich ein Investor für das Gebäude finden lassen könnte. „Es wird nicht einfach sein, aber es ist nicht unmöglich“, sagte Studer und riet dazu, „eine lokale oder regionale Lösung“ zu finden.

Einen ganzen Fragenkatalog hatte die „Peißenberger Bürgervereinigung“ vorbereitet. Sie wandte sich an Gemeindewerksvorstand Günther Forster. Für die bohrenden Nachfragen bekam die Fraktion von den Zuschauern Applaus. Antworten von den Verantwortlichen bekam sie nicht. „Was machen die ,Rigi-Rutsch’n‘-Mitarbeiter in der freidbadfreien Zeit?“ und „Was passiert, wenn die Besucherzahlen stark rückläufig sind?“, wollte Stefan Rießenberger unter anderem wissen. Diese Fragen könne er noch nicht beantworten, sagte Forster und verwies darauf, dass das Konzept von Studer erst frisch vorliegt.

Rießenberger und Fraktionskollege Jürgen Forstner schossen sich zudem auf die Blockbohlensauna ein, deren Bau vor zwei Jahren beschlossen worden war und der 800 000 Euro verschlang. „Wie kann es sein, dass die Sauna ein Jahr nach dem Bau als unrentabel dargestellt wird?“, wollte Rießenberger wissen. Keiner konnte darauf schlüssig antworten.

Auch eine weitere Frage Blomes verhallte. Er griff Studers Vorschlag auf, heuer mit behelfsmäßigen Bauten den Freibadbetrieb sicherzustellen und für 2018 notwendige Bauarbeiten vorzunehmen. „Das ist fast genau der Notbetrieb, den wir im letzten Jahr gefordert hatten“, sagte Blome. Warum also blieb das Freibad 2016 geschlossen? Eine Antwort bekam er nicht.

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