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Sorgten für Beifallsstürme im ausverkauften Bibliotheksaal: der „Afelder Dreigesang“, die „Tiroler Tanzmusikanten“ (im Hintergrund) und Harfenistin Anna-Lena Larcher (r.). 

volksmusik im bibliotheksaal polling  

Schön wie ein Kurzurlaub in Tirol

Polling – Die Volksmusikanten im Pollinger Bibliotheksaal  zeigten ein ebensolches Talent fürs Zarte wie sonst die klassischen Ensembles. Noch größer indes war die Lockwirkung aufs Publikum, das die 400 Plätze des Saales lückenlos füllte.

Stefan Neussl, Trompeter der „Tiroler Tanzmusikanten“, erntete einen riesigen Beifallssturm für sein Statement, am liebsten im Zillertaler Dialekt reden zu wollen: „Denn Bairisch kann i net und Hochdeutsch will i net.“ Den Zuhörern war das mehr als recht, denn das Tirolerische erzeugte ein Kurzurlaubs-Gefühl und unterstrich zudem die authentische Aura des Programms, das der Weilheimer Musiker und Komponist Karl Edelmann organisiert hatte.

Gleich hieß es Staunen über die kunstvolle Harmonik, mit der die fünf Tanzmusikanten ihre Stückln angingen: Schwebend leicht Neussls Trompete, leichtfüßig dazu die Klarinette (Thomas Beck) und stets in tanzverlockender Geschmeidigkeit die Harmonika von Peter Hausberger. Für den dezenten Bass sorgten Gerhard Hausberger (Harfe) und Emanuel Sporer (Tuba). Gemeinsam überzeugte die transparente und musikantisch fein ausgestaltete Klangseligkeit. Erstaunlicherweise eher noch den stärkeren Zugriff bot Harfenistin Anna-Lena Larcher. Die erst 15-jährige Stubaitalerin, die aufs renommierte Innsbrucker Musikgymnasium geht, sorgte sowohl für Tempo als auch für Nachdruck auf der Harfe. Auch natürlich für Feingefühl, ganz besonders im „Musettchen“, das im dichten Zupfen der Saiten würdig das französische Akkordeon-Schwelgen transportierte. In den Tiroler Stückln aber spielte ihre Harfe so prägnant und so beschleunigt auf wie ein halbes Tanzorchester – wahrhaft eine virtuose Leistung.

Den Höhepunkt an Sachtheit bot der „Afelder Dreigesang“ aus der Wildschönau bei Wörgl. Bei den drei Mittzwanzigern legt sogar das Mannerleut Mathias Steiner eine hohe, fast zerbrechliche Stimme an den Tag. Gemeinsam mit Franziska Eberl und Sabrina Haas gerieten die Lieder vom Jahreskreis und von Begegnungen zwischen Buam und Madl zu kostbaren, fast magischen Beschwörungen.

Je später, desto öfter gab’s Ausbrüche aus der sanften Anlage des Abends „Tirolerisch g’sungen und g’spielt“: Mit einem aufgekratzt dazwischengerufenen „Holloradi-jo!“ machten die Tanzmusikanten den „Rheinländer“ zum Knüller. Anna-Lena Larcher wechselte ans Hackbrett und bot im Tongemälde über einen Dandy („Tausendsassa“) ironisch derb kippelnde Anschläge. Und der Dreigesang traute sich an einen pointierten Text heran: „Und a Goschal muaßt ham zum de Bussal vertragn.“ So war trotz der übersichtlichen Zahl an Musikern Abwechslung geboten, zumal die „Tanzmusikanten“ zweimal komplett auf Blasinstrumente umsattelten und mit weichen Bläserweisen bezauberten.

Andreas Bretting

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