Wetterrückblick

Wärmster Dezember seit Beginn der Messreihe vor 234 Jahren

Hohenpeißenberg - Der Wetterdienst auf dem Hohen Peißenberg meldet vom Dezember Rekorde. So betrug die Höchsttemperatur 17,17 Grad.

Auch im Dezember setzte sich die Luftzufuhr aus westlichen bis südwestlichen Richtungen fort. Ursache dafür war die Luftdruckverteilung über dem Atlantik und dem Kontinent. Umfangreiche Tiefdruckgebiete erstreckten sich von Neufundland bis Skandinavien. Hochdruckgebiete über Süd- und Osteuropa lenkten deren Ausläufer auf eine Zugbahn von Südwest nach Nordost. Mitteleuropa lag somit in einer Südwestströmung. Die Tiefausläufer beeinflussten überwiegend Deutschlands Norden, während bei uns im Süden hoher Luftdruck vorherrschte. Die Stabilität dieser Wetterlage ist auf die monatelange konstante Lage des Polarwirbels (Höhentief) in Nordpolnähe zurückzuführen. Von dort floss die sehr kalte Luft auf den relativ warmen Nordatlantik und bildete immer wieder Tiefdruckgebiete aus. Erst zum Monatsende bildete sich ein kontinentales Hoch über Russland, das den fortwährenden Ansturm der Tiefdruckgebiete etwas bremste.

Die beschriebene Luftdruckverteilung hatte entscheidenden Einfluss auf unser Wetter. Es war der wärmste Dezember seit Bestehen unserer 234-jährigen Messreihe. Derartig hohe ATemperaturen sind extrem ungewöhnlich, denn bisher waren einige wenige Dezembermonate lediglich um vier Grad zu warm, jetzt im Mittel um 6,6 Grad. Der bisher zweitwärmste Dezember 1852 war „nur“ um 4.9 Grad zu warm.

In der dritten Dekade des Vormonats wurden am 20., 26., 27. und 29. so hohe Tagesmaxima wie nie zuvor an Dezembertagen gemessen. An 17 Tagen kletterte das Quecksilber auf über 10 Grad. Die Minima sanken nur an drei Tagen in den Frostbereich. „Schnee“ blieb im Dezember ein Fremdwort. Einen Dezember ohne Schneefall und Schneedecke gab es bisher auf dem Hohen Peißenberg noch nicht, zumindest ist diese Aussage rückblickend bis 1901 gesichert, dem Beginn dieser Beobachtungen.

Niederschlagsmäßig blieben wir auch im Dezember, exakt wie im November, 22 Prozent unter dem langjährigen Durchschnittswert. Nur an sieben Tagen fiel überhaupt messbarer Niederschlag. Insgesamt fielen nur 78 Prozent der langjährig zu erwartenden Summe. Die zu trockene Witterung ließ sogar die Waldbrandgefahr in den Alpen ansteigen.

Die Natur konnte bisher noch nicht richtig auf „Winterruhe“ umstellen, denn als Beginn der Vegetationsruhe gelten Tage, an denen die Tagesmittel unter 5 Grad liegen. Wir lagen im Dezember an 22 Tagen darüber. Entsprechend grün, verziert mit vielen Gänseblümchen, zeigten sich die Hänge des Hohen Peißenbergs.

Im Dezember waren die Wetterextreme keinesfalls nur auf Deutschland beschränkt. Große Teile Europas und Asiens wurden von sehr milder Luft beeinflusst, auch in Nordamerika war es ungewöhnlich warm. Extreme Trockenheit suchte Italien heim. Obwohl November und Dezember dort zu den niederschlagsreichsten Monaten zählen, fiel kaum Niederschlag, was auch zu den gesundheitsgefährdenden Feinstaubwerten in der Luft in den Großstädten weit über den EU-Grenzwerten beitrug. Unter wochenlangem Hochdruckeinfluss fand kein Luftaustausch statt, und der reinigende Regen fehlte. Zum Schutz vor Atemwegserkrankungen erließ die italienische Regierung Fahrverbote in den Großstädten.

Der Dezember in Zahlen:

Monatsmitteltemperatur: 6,6 Grad

Höchsttemperatur: 17,7 Grad

Tiefsttemperatur: -3,2  Grad

Höchste Windgeschwindigkeit: 119 km/h

Größter Tagesniederschlag: 23 Liter

Niederschlagsmenge: 52 Liter

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter

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