Vom Hopfen bis zum Krug: Die Ausstellung „Bier!“ umfasst viele Facetten. Eröffnet wurde sie von Museumsleiter Dr. Tobias Güthner (r.). Mit im Bild Fotograf Anton Brandl. Gronau

Weilheim war einst eine Bierstadt

Weilheim - Weilheim hat eine große Brautradition, an welche die neue Ausstellung „Bier!“ im Stadtmuseum erinnert

Weilheim - „Bier!“, heißt es seit Samstag im Stadtmuseum. Zu sehen ist eine Ausstellung mit wenigen Objekten, dafür mit umso mehr Raum für Phantasiereisen. Artefakte von Brau- und Gasthäusern lassen deren Bedeutung für Weilheim erahnen - ergänzt um hoch ästhetische Schwarzweiß-Fotos aus der Hallertau.

Eigentlich, so Museumschef Tobias Güthner, habe er lediglich drei Exponate für die Landesaustellung im Depot gesucht - für jene Schau also, die kurz vor Vilshofen, im Kloster Aldersbach, bis Oktober zum Thema „500 Jahre Reinheitsgebot“ stattfindet. Dabei aber fiel ihm noch weit mehr zum Thema „Bier“ in die Hände: durchaus wert, es auch zu zeigen.

Kuriositäten sind dabei, wie der Krug des Museumsgründers Benedikt Höck, oder eine mehrfach aufklappbare Holz-Wandvitrine, deren Türen zugleich Tafeln sind - zum „Anschreiben“ beim Wirt. Peinliche Fälle von Zahlungsverzug wurden innen verdeckt notiert.

Daneben reihen sich stadtgeschichtlich einst prägende Gegenstände: Von einer noch original befüllten Bräuwastl-Flasche bis hin zum aufwändigen Wirtshausschild des „Gattinger“ - das eine Restaurierung verdient hätte, wie Güthner selber zugibt.

Umso besser erhalten ist eine durchbrochene Metallform, eine Art Laterne ohne Licht, in deren Kugelgestalt die Symbole des Brauhandwerks eingearbeitet sind. Sie wurde auf die Straße hinaus gehängt, wenn frisches Bier abholbereit war. Vor dem Aufkommen der Großherstellung stillte ein rundes Dutzend an Brauereien den Durst der Stadt. Auf einer Karte vermerkt sind sämtliche Braustätten, die für das Jahr 1886 verbürgt sind - inklusive eines „Knödlbräu“. Ein vermutlich von Anton Lehning gefertigtes Diorama zeigt die „Post“ (heute „Echter“) im Fahnenschmuck zu Ehren von Prinz Luitpold, als dieser 1844 durch Weilheim kam - vielleicht gar auf seiner Hochzeitsreise.

Denn die Braukunst hat auch einen immateriellen Wert: An sie knüpfen sich zahllose Geschichten, angefangen von der umstrittenen Tätigkeit der Bierbeschauer (die schon Ignaz Degler undankbar fand) über den Bierstreik von 1637 und das „Weilheimer Stückl“ von der Bierrevolution des Jahres 1833 bis hin zur Zeitungsannonce von 1857, worin der Inhaber vom „Luckerbräu“ durch Gutachten der Münchener Universität sein Produkt als einwandfrei ausweist - frei vom per übler Nachrede kolportierten Strychnin! „Man könnte glatt eine Doktorarbeit über die vielen Facetten des Brauwesens in Weilheim schreiben“, schloss Güthner seine fulminant recherchierte Einführung.

Eine meditative Stufe der Entschleunigung bieten die sehr scharfen, zugleich in zarten Grauschattierungen wunderbar ausgewogenen Hopfengarten-Fotos von Anton Brandl. Der Münchener Lichtbildner, der sein erstes Taschengeld einst mit Hopfenzupfen verdiente, bekannte sich als Wein-Fan - und griff im Stadtmuseum dann doch zum Eröffnungsbier, denn das Bier aus Weilheim, so sprach er, das könne man trinken. Andreas Bretting

Zu sehen bis 7. August, geöffnet Di-Sa 10-17 Uhr, So 14-17 Uhr.

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