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Oft mit dem Rad in Weilheim unterwegs: Helmut Kilian an einer der Stellen, an der Radfahrer seiner Ansicht nach Vorrang vor Autos haben sollten. Der 58-Jährige leitet die Agenda-Arbeitsgruppe „Radverkehr“, die ein umfassendes Konzept erstellt hat. 

Interview mit Helmut Kilian vom Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr“

„Schade, dass man nicht mit dem Fahrrad durch Weilheims Fußgängerzone fahren kann“

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Wie fahrradfreundlich ist Weilheim, und was ließe sich für Radfahrer noch verbessern? Darüber sprach Helmut Kilian vom Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr“ der örtlichen Agenda 21 in einem Interview. 

Weilheim – In der Kreisstadt sollen durchgängige Verkehrsachsen für Radfahrer geschaffen werden – auf denen diese auch mal Vorfahrt vor Autos haben: Das fordert der AK „Mobilität und Verkehr“ der Weilheimer Agenda 21 in einem „Konzept zur Verbesserung der Fahrradwege-Infrastruktur in Weilheim“. Erstellt hat diesen detaillierten Maßnahmen-Katalog eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Helmut Kilian. Im Interview verrät der 58-Jährige, der beruflich ein Seniorenbegegnungszentrum der Caritas in Starnberg leitet, warum Weilheim in Sachen „Fahrradfreundlichkeit“ zurzeit nur die Note „3 bis 4“ verdient – und wie sie sich deutlich verbessern könnte.

Sie sind ja viel mit dem Fahrrad in Weilheim unterwegs – wie geht es Ihnen dabei so? Macht Ihnen das Radeln in der Innenstadt Spaß?

Ich versuche, möglichst viele Erledigungen innerhalb Weilheims mit dem Fahrrad zu machen, und suche mir dabei immer Strecken abseits der Hauptverkehrsrouten, da ich mich dann einfach sicherer fühle. Leider komme ich dabei immer wieder an Stellen, wo das Auto dann doch wieder den Vorrang hat und ich als Radfahrer auf das Auto achten muss und nicht umgekehrt. In der Innenstadt ist es einfach schade, dass man nicht mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone fahren kann, selbst zu Zeiten, in denen wirklich ausreichend Platz wäre, dass Fußgänger und Radfahrer sich begegnen können. Manchmal wundere ich mich auch, wer alles glaubt, unbedingt durch die Pöltnerstraße fahren zu müssen, nur um zu sehen, was dort los ist, oder um sich ein paar Meter zu Fuß zu sparen. Positiv ist anzumerken, dass es inzwischen viele Fahrradständer in der Innenstadt gibt und die Einbahnstraßen für die Radfahrer gegen die Fahrtrichtung geöffnet sind.

Was für eine Schulnote würden Sie Weilheim derzeit in Sachen „Fahrradfreundlichkeit“ geben?

Ich würde die Note „3 bis 4“ geben. Weilheim bemüht sich zwar schon, punktuell Verbesserungen einzuführen, aber eine Musterschülerin ist die Stadt Weilheim noch nicht.

Und was müsste passieren, dass Sie eine „Eins“ vergeben?

An vielen Stellen müsste die Stadt Weilheim einfach den Mut haben, dem Fahrrad gegenüber dem Auto mehr Raum zu geben und bei allen Verkehrsentscheidungen mit zu überlegen, wo der Platz für die Radfahrer ist. Weilheim ist eine Stadt mit vielen Schulen, und das Fahrrad ist für viele Kinder das erste Verkehrsmittel, das sie eigenständig nutzen können. Deshalb müsste die Stadt verstärkt darauf achten, dass die Schüler mit diesem Verkehrmittel auch sicher zur Schule fahren können. Viele Elterntaxis wären damit überflüssig, die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung der Kinder würde gestärkt und ihr Bewegungsdrang befriedigt.

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Was sind die wichtigsten Forderungen des Agenda-„Konzepts zur Verbesserung der Fahrradwege-Infrastruktur“?

Wir fordern eine Nachbesserung bei der Durchgängigkeit der bestehenden Fahrradstraßen sowie die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen bzw. Verkehrsachsen für Fahrradfahrer abseits der großen Straßen, verbunden mit einer deutlich besseren Kennzeichnung. Die Autofahrer müssen auf den Fahrradachsen merken, dass sie sich eigentlich auf fremden Terrain bewegen. Dazu zählen für mich unter anderem großflächige rote Markierungen bei allen Einmündungen und neuralgischen Punkten sowie größere Fahrradstraßenzeichen auf der Fahrbahn. Durchgängigkeit bedeut für mich, dass Radfahrer bei der Querung von Straßen bevorrechtigt sind. Ein Ärgernis ist für mich zum Beispiel die Kreuzung an der Murnauer Straße auf Höhe der Bäckerei „Grünwald“. Hier kommen sehr viele Radfahrer auf dem verkehrsberuhigten Prälatenweg von den Schulen und Sportstätten oder von ihrem Ausflug in Richtung Süden und wollen in Richtung Innenstadt fahren bzw. umgekehrt. Bei der Querung der Murnauer Straße müssen sie an dieser uneinsichtigen Kreuzung dem Autoverkehr Vorrang gewähren. Fahrradfreundlicher wäre es, dass die Autos an dieser Stelle auf die Radfahrer Rücksicht nehmen müssen. Ein weiteres Beispiel ist die Einmündung der Brücke über die Schützenstraße in die Färbergasse. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Radler an dieser Stelle ein Stopp-Schild haben und die Autofahrer bevorrechtigt in diese Fahrradstraße einfahren dürfen. Eigentlich müsste es doch umgekehrt sein. Ebenso könnte ich mir vorstellen, die Fahrradstraße „Am Betberg“ über die Römerstraße hinweg weiterzuführen und den Radlern an dieser Stelle ebenfalls die Vorfahrt zu gewähren. Das sind nur einige Beispiele dafür, was wir unter Durchgängigkeit verstehen. Viele weitere kann man in unserem Konzept nachlesen.

Wie hoch sehen Sie die Chancen, dass dieses Konzept umgesetzt wird?

Prinzipiell stehen die Chancen im Moment nicht schlecht, da Verbesserungen für den Fahrradverkehr derzeit von vielen Seiten zum Thema gemacht werden. Die Zeit ist reif dafür. Natürlich sind die finanziellen Mittel der Stadt gerade auch angesichts der Einnahmeausfälle durch die Coronakrise beschränkt. Das sehe ich schon. Umso mehr kommt es darauf an, die Maßnahmen richtig zu priorisieren und zu schauen, was hat im Vergleich zu den Kosten am meisten Effekt.

Was würden Sie sich über dieses Konzept hinaus für die nächsten Jahre wünschen?

Ich würde mir vor allem wünschen, dass möglichst viele Weilheimer das Fahrrad nicht nur in der Freizeit oder als Sportgerät nutzen, sondern es wirklich als Verkehrsmittel sehen. Die Topografie Weilheims ist prädestiniert dafür, das Fahrrad für seine alltäglichen Erledigungen herzunehmen und das Auto einfach stehen zu lassen. Es sollte zu einer Selbstverständlichkeit werden, das Fahrrad oder auch den Stadtbus zu nehmen und nicht das Auto.

Was hat die Stadt Weilheim eigentlich davon, wenn sie fahrradfreundlicher wird?

Diese Frage verstehe ich nicht. Was hat Weilheim davon, wenn es weiterhin eher autofreundlich bleibt? Hier sehe ich keine echten Vorteile. Eigentlich gibt es keine Alternative. Eine fahrradfreundliche Stadt hat einfach mehr Lebensqualität und ist ein lokaler Beitrag zum Umweltschutz. Mit der Entscheidung, wirklich mehr für den Fahrradverkehr zu tun, hätte die Stadt Weilheim die Zeichen der Zeit erkannt.

Zum Schluss noch ein Blick über die Stadtgrenzen hinaus: Was ist Ihre liebste Fahrradtour im Umland?

Eine Lieblingsfahrradtour gibt es für mich nicht. Am liebsten fahre ich aber in Richtung Süden, entweder über Eberfing und Obersöchering in Richtung Riegsee oder über Grasleiten nach Schöffau und von dort Richtung Staffelsee. Wir haben einfach Glück, in so einer schönen Gegend zu wohnen und eine riesige Auswahl an wunderbaren Touren zu haben. 

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