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Das Areal, auf dem das neue Parkhaus geplant ist, musste vor einigen Jahren aufwändig von Altlasten befreit werden.

Stadtrat Weilheim

Ja zum neuen Parkhaus, Nein zu mehr Verkehr

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Seitens der Stadt ist alles klar fürs neue Parkhaus der Stadtwerke an der Krumpperstraße. Trotz reduzierter Höhe gab es im Stadtrat allerdings drei Gegenstimmen zum geänderten Bebauungsplan – und Grundsatzdiskussionen zur Weilheimer Verkehrspolitik.

Weilheim – Dieses Vorhaben sei ein „städtebaulicher Kompromiss“, ein „Zweckbau“, mit dem man „gewiss keinen Schönheitspreis gewinnen“ werde – aber es sei „notwendig“: Das war der Tenor der Mehrheit in Weilheims Stadtrat, als es vergangenen Donnerstag den geänderten Bebauungsplan für das knapp 80 auf 26 Meter große Parkhaus abzusegnen galt, dessen Entwurf nach massiver Kritik von Anwohnern und Behörden um eine Etage reduziert worden war.

In dem geplanten Neubau auf dem Zentrums-nahen Areal, das 2015 durch den Umzug der Stadtwerke an den Stadtrand frei geworden ist und mit hohem Aufwand von Altlasten befreit wurde, sollen Feuerwehrgaragen geschaffen werden – mit der Höhe zweier gewöhnlicher Etagen. Darüber sind zwei Stockwerke mit insgesamt 100 Autostellplätzen für Dauerparker, insbesondere Mitarbeiter benachbarter Behörden und Betriebe, vorgesehen. Ursprünglich sollte es eine Etage mehr werden, doch bereits im Januar hatte man sich verständigt, die Gesamthöhe um ein Geschoss von 15,50 auf 12,50 Meter zu reduzieren.

Pläne sind ein Kompromiss in mehrerlei Hinsicht

Ein Kompromiss sei der Bau auch, weil man dort „vieles unter einen Hut bringen wollte“, wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der jüngsten Stadtratssitzung nochmals erklärte: Einerseits die Notwendigkeiten von Feuerwehr und Rotem Kreuz, die in Weilheims Zentrum bleiben sollten und mit diesem Neubau auch könnten; andererseits eine Lösung für den Parkdruck der benachbarten Behörden (etwa Landratsamt und Landwirtschaftsamt).

Auch interessant: Ein anderes Parkhaus in Weilheim wurde gerade fertig

Wenn deren Mitarbeiter künftig im Parkhaus Stellplätze haben, müsse die Stadt dringend die Parkmöglichkeiten in den umliegenden Straßen einschränken, forderte SPD-Stadtrat Horst Martin – „damit nicht mehr Verkehr entsteht“. Auch Stefan Emeis (Grüne) warb dafür, dass dort dann nur noch Anwohner parken dürfen. Das empfehle schon das Parkraumkonzept, das die Stadt vor geraumer Zeit erstellen ließ, antwortete Loth. Das Thema soll demnächst im Verkehrsausschuss aufgegriffen werden.

Eine Mahnung an die künftigen Nutzer

Wichtig ist einigen Stadtratsmitgliedern aber auch, dass die Behörden, die sich ins künftige Parkhaus einmieten, sorgsam mit Parkberechtigungen umgehen. Die Ämter dürften „nicht Arbeitsplätze schmackhaft machen durch einen kostenlosen warmen Parkplatz direkt neben dem Schreibtisch“, mahnte Karl-Heinz Grehl (Grüne). Und Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) schlug vor, eher einen „Amtsbus“ für Mitarbeiter der vielen Behörden in Weilheim anzubieten als „überdachte Parkplätze 50 Meter von ihrem Bürostuhl entfernt“.

Überhaupt gehe es bei der Kritik an dem Parkhaus nicht nur um einen „städtebaulichen Klotz“, so Klinkicht, sondern um Verkehrspolitik: „Klimaschutz entscheidet sich, wenn’s konkret wird“, deshalb lehne er dieses „kontraproduktive“ Projekt ab. Ähnlich Stefan Emeis: „Ich kann nicht erkennen, wie dieses Parkhaus zum Ziel beiträgt, dass motorisierter Individualverkehr in Weilheim abnimmt“ – eben das müsse im Sinne des Klimaschutzes aber das Ziel sein; keinesfalls dürften noch weitere Parkhäuser in der Innenstadt geplant werden. Darauf konterte Saika Gebauer-Merx (FDP), man werde „durch Nichtbauen des Parkhauses nicht den Individualverkehr reduzieren“.

BfW verteidigen das Projekt vehement

Vehement verteidigt wurden die Parkhaus-Pläne von BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek: „Dieses Projekt ist ganz stark im Interesse des Allgemeinwohls“, man stärke damit Feuerwehr, Rotes Kreuz und die Stadtwerke. Für letztere gehe es „nicht um Rendite, sondern um eine tragfähige Finanzierung“ angesichts der hohen Kosten der Altlastenbeseitigung auf dem Stadtwerke-Gelände.

Auch Stefan Zirngibl (CSU) ärgerte der Vorwurf, man habe hier Ästhetik zugunsten von Rendite geopfert: „Dann sähe das Parkhaus ganz anders aus.“ Für CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder vermeidet der Neubau „den Parkkollaps, wenn die Bebauung am Krumpperplatz kommt“. Und für Manuel Neulinger (Grüne), den neuen Verkehrsreferenten des Stadtrats, ist das Projekt ein Beispiel dafür, dass es „nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch sehr viel dazwischen“ gibt: „Es gibt gute Gründe, das so zu bauen, aber auch Dinge, die mir Bauchschmerzen bereiten.“ Keinesfalls dürfe die Botschaft lauten: „In Weilheim kannst du jetzt wieder leichter parken.“ Und generell könne die Antwort auf mehr Autos „nicht immer der Bau neuer Straßen und Parkhäuser sein“.

Den geänderten Bebauungsplan segnete der Stadtrat mit großer Mehrheit ab. Dagegen stimmten Stefan Emeis, Brigitte Gronau (Grüne) und Ullrich Klinkicht.

Im Sommer 2021 soll Baustart sein

Auch konkrete Anregungen für das neue Parkhaus wurden in der Stadtrats-Debatte genannt: Susann Enders (FW) forderte, für die Beleuchtung „warmes gelbes Licht“ zu verwenden – das sei nicht nur für Insekten wichtig (wie es in einer Behörden-Stellungnahme hieß), sondern auch für die Anwohner. Gerd Ratter (ÖDP) bat, Stellplätze für Carsharing vorzusehen. Und Alfred Honisch (Grüne) hofft auch auf ein Nutzungskonzept fürs Wochenende: „So ein Parkhaus lässt man am Wochenende nicht leerstehen.“ Stadtwerke-Vorstand Peter Müller deutete an, daran schon zu arbeiten. Und er erklärte, das Parkhaus werde für das Kommunalunternehmen eine „Plus-Minus-Null-Veranstaltung“ sein – das heißt, es werde sich tragen, man könne aber kaum Gewinne damit erzielen. Rund 2,8 Millionen Euro werden die Stadtwerke in den Neubau investieren müssen, sagte Müller nach der Sitzung auf „Tagblatt“-Anfrage. Er hofft, dass im Sommer 2021 Baubeginn sein kann, und rechnet dann mit knapp einjähriger Bauzeit. So schnell wie das Parkhaus am Öferl werde jenes an der Krumpperstraße nicht stehen, so der Stadtwerke-Chef. Denn für Letzteres sei aufgrund der Erfordernisse der Feuerwehr eine Massivbauweise nötig.

mr

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