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Eine historische Karte mit einem Motiv der Krumpterstraße – so der Name auf der Karte.
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So sah die Pöltner Straße um 1900 aus.
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Aus dem Jahr 1915 stammt diese kolorierte Karte.
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Die Butterberg-Alm war früher eine beliebte Gaststätte.
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Den Weilheimer Marienplatz mit zwei wunderschönen Oldtimern zeigt diese Karte.
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Mit der Lupe sucht Michael Schmid nach Details.

ZUM 150-JÄHRIGEN JUBILÄUM DER POSTKARTE IN BAYERN

Mit der Lupe auf historische Spurensuche

Es sind interessante Zeitdokumente, die Michael Schmid in einem Ringbuch mit dem handgeschriebenen Titel „Meine Heimat Weilheim“ sorgfältig aufbewahrt. Darin zeigen rund hundert seltene Ansichtskarten, wie die Stadt früher ausgesehen und wie sehr sie sich in wenigen Jahrzehnten verändert hat.

Weilheim – „An diesem Wehr an der Ammer habe ich als Bub immer gebadet“, erzählt der 57-jährige Michael Schmid und deutet auf eines der Schwarzweiß-Bilder, die zum Teil gesuchte Raritäten sind. Das Wehr gibt es heute nicht mehr, ebenso die zwischen 1872 und 1874 abgebrochenen Stadttore, das Obere Tor, das Schmied-Tor und das Pöltner-Tor. „Auch vieles andere verschwindet in unserer hektischen Zeit viel zu schnell“, bedauert der Sammler, dass Historisches oft ohne Notwendigkeit von dem verdrängt wird, was gerade als modern gilt.

Sammelleidenschaft vor rund zehn Jahren entdeckt

Die Leidenschaft zu seinem Hobby entdeckte Schmid vor rund zehn Jahren, als er im Internet auf eine Seite mit Abbildungen alter Karten stieß. „Die haben mein Interesse geweckt und ich habe selbst mit dem Sammeln Weilheimer Bilder begonnen.“ Im Gegensatz zu anderen Liebhabern ist es ihm aber zu aufwendig, jedes Wochenende Flohmärkte zu durchstöbern oder zu speziellen Tauschbörsen zu fahren. Deshalb bezieht er seine Schätze von Händlern oder ersteigert sie über Internet-Plattformen.

Während die obligatorischen „Grüße aus Weilheim“ wegen ihrer hohen Auflage günstig zu haben sind, werden für eine besondere Rarität schon mal 40 Euro fällig. Ob die Karten im Originalzustand oder beschrieben und abgestempelt sind, spielt für ihn keine Rolle: „Die alte Schrift kann ich sowieso nicht entziffern.“

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die bebilderte Postkarte erfunden wurde, stieß dies weltweit auf große Begeisterung. Auch die Stadt Weilheim wurde vom Postkartenfieber angesteckt: Vor allem in den Jahren zwischen 1898 und 1914 entstanden unzählige phantasievoll gestaltete Karten mit Motiven und Ansichten aus Weilheim. Heimatsammler wie Schmid nennt man Philokartisten (wörtlich: Freunde der Karten) , weil sie sich auf Aufnahmen aus ihrer Region beschränken.

Kartensammelfieber wurde als deutsche Epidemie bezeichnet

Die erste Sammelwelle bei Ansichtskarten gab es bis etwa 1918. Ein nennenswerter Markt für alte Ansichtskarten bildete sich etwa ab Ende der 1970er Jahre. Besonders in Deutschland und den anderen deutschsprachigen Ländern gab es schon frühzeitig eine ausgeprägte Vorliebe, Post- und Ansichtskarten zu schreiben und zu sammeln. „Im Ausland wurde das Kartensammelfieber auch als deutsche Epidemie bezeichnet“, weiß Schmid. Es gab unter anderem einen „Allgemeinen Centralverband der Ansichtskartensammler“ sowie zahlreiche Fachzeitschriften. Auch der Komiker Karl Valentin war ein großer Liebhaber von Ansichtskarten. Seine Vorliebe waren Altmünchner Ansichten und populäre Persönlichkeiten, 1928 veranstaltete er sogar eine Postkarten-Ausstellung in München.

Bei rund hundert Fotokarten aus Weilheim wird es immer schwieriger, noch neue Motive zu finden. „Es gibt bestimmt noch welche“, hofft Schmid, „aber außer mir sind ja noch andere Sammler im Internet unterwegs.“ Ein Glückstreffer wäre es, aus einem Nachlass ein ganzes Kartenalbum oder private Fotos zu bekommen.

Sein eigenes Album nimmt er öfters unter die Lupe, um Details wie Reklametafeln oder Hausinschriften besser zu erkennen. So sieht man auf einem Foto vom Marienplatz zwei wunderbare Oldtimer, daneben steht „Arbeitsamt“ über einem Hauseingang, wo sich heute ein Optiker befindet. Auf einem anderen Bild weht eine Hakenkreuz-Fahne neben der Butterberg-Alm, früher eine beliebte Gaststätte.

Einer der ältesten Karten zeigt Pöltner Straße

Eine der ältesten Karten zeigt die Pöltner Straße anno 1900, als die Menschen von selbstfahrenden Autos nicht einmal träumten. Luftaufnahmen dokumentieren, wie sich Weilheim in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Durch die Umgestaltung zwischen 2006 und 2010 erhielt das Stadtzentrum mit Kirch- und Marienplatz, Hof-, Lederer- und Schmiedstraße ein neues Gesicht.

Auch in den Jahren zuvor gab es gravierende Veränderungen, an die sich Schmid erinnert, wie an den Um- und Erweiterungsbau des Krankenhauses Anfang der 1960er Jahre. 1964 zog die Stadtbücherei wieder in ihr altes Domizil an der Alpenstraße, in dem sie bis 1937 untergebracht war, zwei Jahre später kam das Stadtmuseum ins alte Rathaus am Marienplatz. Es folgten die Fußgängerzone und Einweihung der Stadthalle an der Ammer, die Fertigstellung des Umbaus der alten Fronfeste sowie die neue Musikschule am Herzog-Albrecht-Platz.

Schmids Bilder einer versunkenen Zeit sind spannende Dokumente, die bei näherem Hinschauen ganze Geschichten erzählen können. „Da entdecke ich immer wieder etwas Neues.“ Im Austausch mit anderen Sammlern, die es weltweit gibt, steht der Weilheimer nicht: „Auf der Suche nach Raritäten macht jeder sein eigenes Ding.“

Ansichtskarten von Großstädten günstiger als von kleinen Orten

In der Regel seien Ansichtskarten von Großstädten günstiger zu haben als von kleineren Orten, berichtet er. „Allgemein gibt es ein niedrigeres Preisniveau bei Orten mit viel Fremdenverkehr und Ausflüglern, weil dort viele Ansichtskarten geschrieben wurden. Heute genügt ein Klick aufs Smartphone und das Urlaubsfoto ist in Sekundenschnelle an jedem beliebigen Ort der Welt.“ Bei Kurorten oder von beliebten Sehenswürdigkeiten gibt es immer mehr Karten auf der Angebotsseite, entsprechend niedriger sind die Durchschnittspreise.

Schon im Mai 1894 war der „Sammlerverein für illustrierte Postkarten zu Hamburg“ als erster deutscher philokartistischer Verein gegründet worden. Im Verlag Alfred Mello in Göggingen bei Augsburg erschien am 15. Februar 1895 als ältestes deutsches Fachblatt eine Monatsschrift für Sammler. Der Operetten-Komponist Paul Lincke schuf in der Blütezeit dieses Hobbys eigens einen Marsch der Ansichtskartensammler.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der „Weltsport des Kartensammelns“ eine Anhängerzahl, welche andere Sammelarten weit in den Schatten stellte. Gründe für diesen Aufschwung waren der Einsatz von modernen Druckverfahren, die geringe Verbreitung anderer Bildmedien wie Illustrierte oder Fotografie und das Fehlen von besseren alternativen Kommunikationsformen – kaum jemand hatte damals ein Telefon und Telegramme waren teuer. Schmid: „Außerdem förderten neue Verkehrsmittel das Reisen, unterwegs wurden unzählige Ansichtskarten geschrieben.“

Liebhaber scheuen weder Mühen noch Kosten

Statt einer Heimatsammlung oder als Ergänzung dazu sammeln viele Philokartisten ein oder mehrere thematische Gebiete beziehungsweise Motive. Die Themen reichen von A wie Adel bis Z wie Zeche. Es gibt Sammler für praktisch alles, was auf Postkarten gedruckt wurde. Beliebte Themen sind zum Beispiel Flugzeuge, Militär, Reklame oder Schauspielerporträts.

Viele Liebhaber scheuen weder Mühen noch Kosten, um ihre Schätze zu vervollständigen. So trug der Münchner Sammler Karl Stehle eine einmalige Sammlung mit dem Schwerpunkt „Die Ansichtskarte als Spiegel der Politik im Alltag“ zusammen. Die aus knapp 600 000 Karten bestehende Sammlung wurde nach seinem Tod über ein Auktionshaus versteigert. Und im Altonaer Museum in Hamburg sind sage und schreibe 1,5 Millionen Bildpostkarten inventarisiert.

VON PETER STÖBICH

Lesen Sie auch: Helene Libuschewski aus Raisting hat eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen. Denn eine Postkarte wurde ins Mittelmeer – auf das Schiff „Wilhelm Gustloff“ – zu ihrer Tante verschickt, um von Helene Libuschewskis Geburt zu berichten.

Zu einer „Studioshow“ lud der Weilheimer Künstler Reiner Heidorn ein. Die ausgehungerten Kunstfreunde aus der Region dankten es ihm.

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