Nord -und Südkorea wollen komplett nuklear abrüsten und Frieden schließen

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Sie jazzten am, Freitag neben anderen im Stadttheater: Saxofonist Johannes Enders  mit Pianist Florian Kästner.

13. Weilheimer Jazztage begeistern  

Hast du Ammertöne!

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Vier Ensembles  boten an zwei Abenden im Stadttheater  eine atemberaubende Jazz-Vielfalt. Als Zuhörer blieb einem ab und zu die Spucke weg.

Weilheim – Zum „schönsten Fest neben Weihnachten“ begrüßte Johannes Enders am Freitagabend die 200 Zuhörer im Weilheimer Stadttheater. Und er sollte Recht behalten, schließlich hatte er die Geschenke ja selbst eingepackt als Leiter der Weilheimer Jazztage „Ammertöne“. Deren 13. Ausgabe bot zwei Abende, vier Formationen, höchstes Niveau – und feine Überraschungen. Da schwelgten ganz Junge im alten Jazz der 1950er Jahre, groovten gesetztere Herrschaften in urbanen Rhythmen von heute, spielten begnadete Improvisateure streng nach Noten, und als Zuhörer blieb einem zwischendrin manchmal die Spucke weg. Aber gemach, der Reihe nach...

Enders selbst hat das kleine, feine Festival am Freitag eröffnet, und er beschloss es am Samstag. Der 50-jährige Saxofonist hat ganz offensichtlich immer noch große Lust, seine Heimatstadt an der Vielfalt und Energie des Jazz teilhaben zu lassen, die ihn selbst zu immensem „Output“ und immer neuen Variationen inspiriert. Den Auftakt spielte er in der intimstmöglichen Besetzung: im Duo. Auf den Pianisten Florian Kästner stieß er an der Musikhochschule Leipzig, wo dieser nach einer klassischen Konzertgeigerausbildung Jazzpiano studierte und Enders seit 2009 lehrt. Nun musizieren sie auf Augenhöhe, verwurzelt in der Tradition des Jazz (wie sie an diesem Abend in zwei Arrangements von Kurt Weill aufschien), aber offen für alle harmonischen und rhythmischen Freiheiten. Kästners Kompositionen tragen Namen wie „Tausendschön“ oder „Trügerisch“, sie lassen starke Bilder entstehen – und das Publikum war bald so verzaubert davon wie der Gast aus Leipzig „von dieser wunderschönen Stadt“, in die ihn Enders für diesen Festival-Auftakt geholt hatte.

Fast ein Heimspiel war’s dagegen für die zweite Formation des Freitagabends: Taktgeber von „Lovebrain & Diskotäschchen“ sind die „Notwist“- Musiker Andi Haberl (Schlagzeug) und Micha Acher, der hier das gewaltige Sousaphon, eine Form der Tuba, bläst. Dazu hat Posaunist Mathias Götz, der kreative Kopf dieses Projekts, drei Streicher geladen: die Geiger Evi Keglmaier („Mrs. Zwirbl“) und Andreas Hirth sowie Bratscher Andreas Höricht („Modern String Quartet“). Wie im Kammermusiksaal gruppierten sich diese sechs Individualisten im Halbkreis um die Notenständer, um mit höchster Konzentration, aber auch diebischem Vergnügen Götz’ Kopfgeburten Klang werden zu lassen – zwischen „trunkenem New-Orleans-Jazz und Horror-Filmmusik-Versatzstücken“, wie ein Kritiker mal treffend schrieb. In der Tat: Mehr Horizont kann ein einziger Jazz-Abend nicht aufmachen.

Den Jüngsten sind heutige Trends egal

Und dann gab es ja noch einen zweiten Abend – der das ähnlich große, aber zu etwa fünf Sechsteln ausgewechselte Publikum noch mehr berührte. Die jüngsten Musiker des Festivals eröffneten den Samstagabend – und griffen am tiefsten in die Kiste der Tradition. Der Namensgeber des „Xaver Hellmeier Trios“ spielt Schlagzeug und ist erst 23; die beiden Begleiter – Pianist Matyas Gayer und Bassist Matyas Hofecker, beide Ungarn und in Wien zuhause – sind nur wenig älter. Doch Trends von heute sind diesen drei Ausnahmemusikern egal: Sie verneigen sich vor Idolen wie Cedar Walton, hauchen dem Pianojazz der 1950/60er Jahre neues Leben ein. Da klingt nichts verstaubt, sondern jeder Ton aufregend, und mitunter reibt man sich die Augen und Ohren, mit welcher Nonchalance die drei Jungen in alter Manier swingen und doch modern klingen. Zwar schauen sie einen Großteil ihrer Stunde im Stadttheater, als seien ihnen beim Essen in der Pöltnerstraße Läuse über die Leber gelaufen, kaum ein Lächeln huscht über die Gesichter. Doch wie warm, rund und fließend spielen sie! Eine Entdeckung.

Ein Wiederhören versprach hingegen der Abschluss dieser „Ammertöne“ – doch nur dem Namen nach. Johannes Enders hat sein Ensemble „Enders Room“, das nach mehreren erfolgreichen CDs zuletzt ein paar Jahre auf Eis lag, neu formiert. Und er fand eine fabelhafte, eine mitreißende Formation: Mit Drummer Gregor Hilbe (Zürich), Bassist Lorenz Heigenhuber (Leipzig), Vibraphonist Karl Ivar Refseth (Norwegen/Berlin) und Trompeter Bastian Stein (Köln) setzte Enders schon im ersten Stück – einer verglühten Raumsonde namens „Cassini“ gewidmet – eine Energie frei, der sich keiner im Raum entziehen konnte.

Anders als früher spielen Computersounds nurmehr eine Nebenrolle bei „Enders Room“. Wenn Refseth zwischendrin mit Geigenbögen übers Vibraphon streicht, klingt das sphärisch genug. Hilbes treibende Beats harmonieren bestens mit satten Bläsersätzen, die nur manchmal wild ausbrechen, meist eher an die Seele rühren. Als eine „Melange aus all den Einflüssen, die in den letzten 50 Jahren durch mein Gehirn geflossen sind“, beschreibt Enders dieses Leib-und-Magen-Projekt. Sie schmeckte vollendet rund, diese Melange, und hat doch nichts von ihrer Spannung eingebüßt. Gebannt genossen die Zuhörer die magischen Momente, die entstanden. Am Ende brach sich Jubel Bahn und war eine Zugabe – auch wenn es schon 23 Uhr war – fast zu wenig. Gut, dass das Theater für die „Ammertöne 2018“ schon gebucht ist.

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