Der Landkreis Weilheim-Schongau wurde für das Alltagsradwegenetz in drei Korridore unterteilt. Innerhalb dieser Bereiche soll jeweils ein Radweg ausgebaut werden. Auch Anschlüsse in die Nachbarlandkreise sind vorhanden oder geplant.
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Der Landkreis Weilheim-Schongau wurde für das Alltagsradwegenetz in drei Korridore unterteilt. Innerhalb dieser Bereiche soll jeweils ein Radweg ausgebaut werden. Auch Anschlüsse in die Nachbarlandkreise sind vorhanden oder geplant.

Kosten werden aufgeteilt

290.000 Euro für einen Kilometer Radweg

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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Das Konzept für die Alltagsradwege im Landkreis Weilheim-Schongau verbindet Klimaschutz und Mobilität, sagte Veronika Schellhorn, Klimamanagerin am Landratsamt, in der Sitzung des Kreisausschusses. Und um die Förderungen mitzunehmen, dürfe der Landkreis keine Zeit verlieren.

Landkreis – Damit einzelne Orte schnell und für Radfahrer sicher verbunden werden, hat der Landkreis Weilheim-Schongau ein Alltagsradroutennetz entlang der Kreisstraßen erarbeitet. Ziel dieses Konzepts ist es, dass möglichst viele Bürger das Auto stehen lassen und stattdessen mit dem Fahrrad fahren.

Für das Routennetz wurde der gesamte Landkreis in drei Hauptkorridore (siehe Grafik) unterteilt: „Korridor 1 Ost-West“ führt von Schongau nach Penzberg. Mit seinen 52 Maßnahmenblättern ist er laut Landkreis-Klimamanagerin Veronika Schellhorn der längste und wichtigste. Einige Bereiche, wie zum Beispiel die Beschilderung oder Markierung, können schnell und kurzfristig umgesetzt werden. In manchen Teilen soll entschieden werden, ob eine Beschilderung ausreiche oder ob ein Ausbau erfolgen muss. 30 Prozent der Maßnahmen sind jedoch baulicher Art. „Auch Ortsbegehungen sind teilweise notwendig“, sagte die Klimamanagerin bei ihrer Präsentation im Kreisausschuss.

Vorauswahl der Fahrradrouten im nächsten Schritt geplant

Wenig Baumaßnahmen und Ortsbegehungen gibt es hingegen beim „Korridor 2 West“, der Schongau und Steingaden verbindet. Über die Hälfte Maßnahmen „ist kurzfristig umsetzbar“, berichtete Schellhorn. Im Bereich des dritten Korridors (Korridor 3 Ost: Weilheim-Eglfing) sind über 60 Prozent der Maßnahmen „im grünen Bereich“. Das heißt, dass sie ebenfalls schnell umgesetzt werden können. „Aber auch die Ortsbegehungen sind hier sehr hoch“, sagte die Klimamanagerin.

In jedem der drei Korridore soll im nächsten Schritt der Planung jeweils eine Vorauswahl der Fahrradrouten getroffen werden. Dafür gibt es, so Schellhorn, bestimmte Kriterien: Bereits bestehende Radwege sollen genutzt werden. Außerdem ist darauf zu achten, dass die schnellste und durchgängigste Strecke als Route festgelegt wird. Ein Verkehrsplanungsbüro soll das in einem Praxistest berücksichtigen.

Ein Kilometer Radweg kostet ingesamt rund 290.000 Euro

Des Weiteren sollen einzelne Streckenabschnitte mit den jeweiligen Städten und Gemeinden sowie dem Mobilitätsbeirat besprochen werden. Damit die Förderungen für das Alltagsradwegenetz auch in Anspruch genommen werden kann, sollen in diesem Jahr noch die förderfähigen Teilstücke identifiziert und bis Ende 2021 gemeldet werden.

Auch die drei Hauptverbindungen sollen bis zum Jahresende im Rahmen des Förderprogramms „Stadt und Land“ des Bundes gemeldet werden. Langfristig sei dann geplant, eine Alltagsradnetzstruktur über den gesamten Landkreis aufzubauen – „vorrangig mit förderfähigen Streckenabschnitten“, so Schellhorn.

Wie Kreiskämmerer Norbert Merk in der Sitzung sagte, koste ein Kilometer Radweg rund 290.000 Euro. Dieser Betrag setzt sich aus dem Grunderwerb (rund 50.000 Euro) sowie den Baukosten (240.000 Euro) zusammen. Der Bund würde durch die Förderung jedoch rund 80 Prozent (circa 232 000 Euro) übernehmen. Für den Landkreis und die Gemeinden bleiben damit Gesamtkosten in Höhe von 58.000 Euro pro Kilometer Radweg übrig, wovon der Landkreis wiederum 80 Prozent (circa 46.400 Euro) übernehmen würde.

Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Gemeinden wichtig

Eine Zusammenarbeit von Landkreis und Gemeinden sei ohnehin wichtig, wie Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU, Wielenbach) erklärte. Denn die Bürgermeister und Gemeinderäte kennen die Eigentümer der Grundstücke, die der Landkreis eventuell für die Umsetzung des Radwegenetzes kaufen müsste. Für die Folgekosten der Radwege, beispielsweise für den Winterdienst, müssen die jeweiligen Straßenbaulastträger aufkommen, erklärte Merk. Es gebe jedoch keine Räumpflicht im Bereich außerörtlicher Verbindungen. Es ist aber möglich, nach Verkehrsaufkommen und Beschaffenheit des Weges individuell zu beurteilen, ob im Winter geräumt wird oder nicht.

Wolfgang Taffertshofer (BfL, Obersöchering) findet das Konzept des Alltagsradwegenetzes sehr gut, wie er sagte. Aber: „An der Landkreisgrenze sollte der Radweg nicht enden. Da sollten wir mit den anderen Landkreisen zusammenarbeiten.“ Das sei jedoch schon der Fall, wie Jochner-Weiß sagte. Im Vorfeld habe sich das Landratsamt mit den anderen ausgetauscht. Das bestätigte auch Schellhorn in ihrer Präsentation. In einer Übersichtsgrafik (siehe ebenfalls oben) stellte sie dar, in welchen Landkreisen bereits ein Anschluss zum Radweg vorhanden ist beziehungsweise in welchen ein Anschluss geplant oder schon im Bau ist.

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