Mehr Eigenverantwortung: Peter Eck, Inhaber der „Torito Tapas Bar“ in Weilheim, weist seine Gäste am Eingang auf die 3G-Regel hin, weigert sich aber, jeden einzelnen Besucher zu kontrollieren.
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Mehr Eigenverantwortung: Peter Eck, Inhaber der „Torito Tapas Bar“ in Weilheim, weist seine Gäste am Eingang auf die 3G-Regel hin, weigert sich aber, jeden einzelnen Besucher zu kontrollieren.

„Nicht für Gesetze verantwortlich“

Wirte im Landkreis Weilheim-Schongau kritisieren Aufwand und Verunsicherung wegen 3G-Regelung: „Es ist Wahnsinn“

  • VonJennifer Battaglia
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Seit vergangener Woche gilt die 3G-Regel in Innenbereichen von Restaurants und Gaststätten. Lokale im Landkreis Weilheim-Schongau handhaben die Vorgaben ganz unterschiedlich.

Landkreis – „Es ist wirklich ein riesiger Mehraufwand“ sagt Monika Pummer über die Umsetzung der 3G-Bestimmungen im Gastronomiebereich. Sie führt das Hotel Restaurant Dragoner in Peiting gemeinsam mit ihrem Bruder Franz Gruber. „Das ist alles sehr zeitintensiv“, sagt sie. Am Einlass muss ihr Personal zunächst die Impf- oder Testnachweise der Gäste kontrollieren. Je nach Impfstatus dürfen die Besucher dann im Lokal oder nur auf der von außen begehbaren Terrasse Platz nehmen.

„Dazu kommt die Hinterlegung der Kontaktdaten“, sagt die Gastronomin. Viele Besucher hätten zwar die Luca-App auf ihrem Handy, jedoch bei weitem nicht alle. „Die Gäste ohne App müssen dann erst noch einen Vordruck ausfüllen.“ Das Dragoner bietet seinen Gästen zudem den Service an, sich direkt vor Ort und unter Aufsicht testen zu lassen. Kostenpunkt: 5 Euro. Die Getesteten bekommen anschließend ein Zertifikat ausgestellt, das für 24 Stunden gültig ist. „Für dieses Prozedere brauche ich nochmals eine Personalkraft“, sagt Pummer. Dennoch möchte sie an ihrem Angebot festhalten, denn es wird rege genutzt.

Aber für ungeimpfte Gäste ohne Test kann es schon mal eng werden. „Das war vor ein paar Tagen so“, sagt Pummer. „Da musste ich tatsächlich 15 bis 18 ungetestete Gäste weiterschicken, weil wir mit dem Testen nicht mehr hinterhergekommen sind.“ Pummers Bestreben ist es, ihren Laden am Laufen zu halten. „Ob ich die Regeln für sinnvoll erachte, steht auf einem ganz anderen Blatt“, wirft sie ein.

3G in der Gastronomie: Weilheimer Wirt setzt auf Eigenverantwortung der Gäste

„Ich finde 3G unmöglich“, sagt Pit Eck, Inhaber der Torito Tapas Bar in Weilheim. Deshalb setzt er auf die Eigenverantwortung seiner Gäste. „Wir haben an der Eingangstüre ein Hinweisschild, dass nur Geimpfte, Getestete und Genesene unser Lokal betreten dürfen“, sagt Eck. „Und wir vertrauen unseren Gästen dahingehend, dass auch nur Geimpfte, Getestete und Genesene unsere Bar aufsuchen.“

Eck ist der Meinung, dass grundsätzlich mehr zur Eigenverantwortung des einzelnen Bürgers zurückgekehrt werden sollte. „Jeder muss das machen, womit er sich am wohlsten fühlt“, so der Tapas-Bar-Besitzer weiter. Wer Angst habe – egal, ob geimpft oder ungeimpft und getestet – der solle zu Hause bleiben. An die Nachverfolgung der Gäste halte er sich streng. „Wir machen das zu 100 Prozent – entweder via Luca-App oder per Zettel.“ Wie vorgeschrieben, werden die ausgefüllten Kontaktdatenblätter laut Eck dann nach vier Wochen vernichtet.

3G in der Gastronomie: „Machen den Menschen immer klar, dass wir nicht für die Gesetze verantwortlich sind“

Pascal Fischer, Juniorchef des Terrassen-Café-Restaurant „Bayerischer Rigi“ am Hohenpeißenberg meint zu 3G: „Es ist natürlich ein wahnsinniges Erschwernis – sowohl für die Gäste als auch für uns als Personal.“ Der 22-Jährige findet, dass die Überprüfung des Impfstatus eigentlich eine Person des Gesundheitsamtes durchführen sollte. „Denn das Vorgehen bringt einfach Hürden mit sich“, sagt er.

In der vergangenen Woche habe das Familienunternehmen bisher noch keinen großen Unterschied an Besucherzahlen feststellen können. „Wir werden normal besucht und da wir ja auch ein Terrassen-Café sind, entfällt im Außenbereich die 3G-Regel“, sagt Fischer.

Kleinere Diskussionen habe es zwar mit ungeimpften und ungetesteten Gästen gegeben, es sei aber nicht zu größeren Zwischenfällen gekommen. „Wir machen den Menschen dann auch immer klar, dass wir nicht für die Gesetze verantwortlich sind“, so Fischer. „Wir setzten sie nur um“. Und bei der Umsetzung ist die Familie durchaus konsequent. „Wir halten uns streng an die Vorgaben“, so Fischer. „Alle bei uns im Betrieb sind bereits geimpft.“

3G in der Gastronomie: Wirt berichtet von deutlichem Gästerückgang

„Es ist schon Wahnsinn“, sagt auch Ivan Buric vom Restaurant Berggeist in Penzberg über 3G. Der Kroate habe seit vergangener Woche einen deutlichen Gästerückgang verspürt. „Das Wetter ist dazu schlecht“, sagt er. „In diesem Jahr ist es besonders schlimm.“ Sollte es so weitergehen, müsse er darüber nachdenken, einige seiner Mitarbeiter nach Hause zu schicken. „Bis zum 1. November habe ich noch Kurzarbeit angemeldet, hoffentlich wird es dann besser.“

Diskussionen mit Gästen bezüglich 3G gab es bisher laut dem Restaurantbesitzer keine. „Uns besucht ein älteres Publikum und nur wenige Junge“, sagt Buric. „Die Älteren sind ja alle geimpft.“ Die Luca-App verwendt Buric nicht. „Bei uns gibt es eine Gästeliste“, sagt der Inhaber des Berggeistes.

„3G hat unsere Gäste verunsichert“

„Wir nehmen die Bestimmungen sehr ernst“, sagt Barbara Arnold. Die ehemalige Inhaberin der Weinstube unterstützt ihrem Ehemann Dirk im Cafe Express in Schongau. Auf den Tischen des Cafès liegen Kärtchen aus, auf denen die Gäste ihre Kontaktdaten eintragen sollen. „Wir müssen die Vorschriften umsetzten und das tun wir auch“, sagt Arnold. Eine Extrakraft zur Überprüfung des Impf- oder Teststatus können die Arnolds nicht einstellen. „Wir haben die ganzen Monate kein Geld verdient und arbeiten jetzt viel zu wenig“, sagt Barbara Arnold verärgert. „Die Politik schafft es noch, dass die Geschäfte kaputt gehen.“

„3G hat unsere Gäste verunsichert“, fasst Arnold die Situation zusammen. Am vergangenen Montag sei ein ganzer Stammtisch nicht erschienen, da den Gästen nicht klar gewesen sei, was das Wort „genesen“ bedeute. „Wir sind wirklich in der schlimmsten Situation, seitdem wir Gastronomie machen“, sagt sie. Und eine Besserung der Lage sei derzeit nicht abzusehen.

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